Morgens
An meinem Fenster
hüpft ein kleiner Vogel
auf und ab noch vor dem Morgengrauen und
haut mir seinen Weckruf um die Ohren
Naja, es ist halb vier, ich sitze im Bett
und huste mir die Seele aus’m Leib
draußen verstummt der Vogel
mein Hustenanfall geht vorüber
er singt weiter
an Schlaf ist nicht mehr zu denken
Ich öffne das Fenster und lasse
die kalte Schwärze zu mir herein
den kleinen Vogel sehe ich nicht
nur sein Geschrei ist jetzt viel lauter
und deutlicher zu hören:
tschielp, tschielp, tschielp
Aus einiger Entfernung: ein leises Echo
Er ist unermüdlich
wahrscheinlich schreit er nach einem Weibchen
oder so
was weiß ich schon von so einem kleinen Vogel
und seinen Bedürfnissen
wo ich nicht einmal mit meinen eigenen
zu Rande komme
Wieder ein Hustenanfall um fünf vor vier
Ich muss raus aus dem Bett
Vielleicht hilft ein kaltes Bier?!
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Sechziger
Franz K., Geschäftsführer, wird jetzt auch sechzig
naja
Iss mein Großonkel und um ein Jahr älter als ich
mhmm
Was soll’n wir ihm schenken, wo er eh fast alles hat
was nur
Bier oder Wein schüttet er selbst eh genug rein
weiß Mama
Krawatten, Bücher, Fresskorb, Tennisschläger
so was gibt ihm nichts
Ein Ballonflug – pardon –fahrt, eine Ballonfahrt – muss her
huiii
Er wollte ja immer schon hoch hinaus – still oben
gut für ihn
Und für zwei Personen – wen wird er mitnehmen
ha
Außerdem ist dieses leise Gefährt nicht ganz ungefährlich
klar
Aber irgendwie kommen alle runter – ohne Gas
pfffft
Freu mich schon auf sein aufgeblasenes Ballon-Gesicht
ahnungslos
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Von Temelin nach Afghanistan
Die
Tschechen bauen Temelin auf Teufel komm raus
Atomkraft ist sauber, billig, modern
Wasser ham die eh kein’s fürn Strom
Sie schalten es langsam ein - trotz aller Proteste
14 Defekte in den ersten 12 Tagen
Und das bei weit unter 25 Prozent Teilleistung
Gott erbarme Dich unser bei 80 Prozent!
Dann iss die Turbine defekt
Sie fahren den Reaktor runter
basteln an der Turbine rum
bau’n sie wieder ein
15 Defekte in den nächsten paar Wochen
Teilabschaltungen, dann hoch auf 50 Prozent
An den Grenzen Proteste
Und so was will in die EU – nie mit uns!
Grüne hocken sich auf’s Pflaster
der Schmuggel bricht für Stunden zusammen
Morgen wieder und nächste Woche noch einmal
Regierungen verhandeln in Melk
EU hält sich raus wie immer
Haider will den EU-Beitritt von Temelin abhängig sehen
Viele Österreicher auch - ich auch
Da keimt im Schlaf ein Gedanke in mir:
Die woll’n damit doch nie wirklich Strom erzeugen
Die verwenden den Schrottreaktor als Druckmittel
Die woll’n Geld dafür, dass sie ihn NICHT aufdrehen
Das isses, das muss es sein!
Und nächsten Tag lese ich in der Zeitung
dass ein Konsortium bereits um den Kaufpreis verhandelt
Deutsche und Franzosen sind dabei
Dann haben die das Werkl am Hals und die Verantwortung
Mir wird schwindlig
Sollte ich ein zweites oder drittes Gesicht haben?
Oder war das eh allen schon längst klar?
Nur mir erst so spät?
Und dann wird mein „Gesicht“
auf eine noch härtere Probe gestellt:
Kurz nach der Temelingeschichte krachen zwei Jets
in die Zwillinge von New York und einer ins Pentagon
Wer war’s? Wie geht so was? Was sind die Folgen?
Wer hat davon gewusst?
Und jetzt ist auch noch Double-Ju Präsident
Das hat uns noch gefehlt!
Der Texaner haut doch eh überall gleich rein
Hat als Gouverneur den Staat
mit den meisten vollstreckten Todesstrafen - Bravo!
Der wird den Taliban und Moslems
schon einen reinwürgen
und es wird lang dauern
und es wird viel Geld kosten
und es werden nicht nur Talibans draufgehen
Hab ich schon wieder meine Vorahnungen?
Oder ist das alles schon Tatsache?
Diesmal möchte ich mein zweites oder drittes Gesicht
aber nicht bemühen müssen!
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Post Office
Titel der deutschsprachigen Übersetzung „Der Mann mit der Ledertasche“ –
mit „Post Office“ also verbinden Kenner der Social-Beat-Szene der
70er-Jahre einen Mann, einen Begriff: Charles Bukowski. Er schrieb diesen
Roman – sein Erstlingswerk – innerhalb von drei Wochen in einem Stück
herunter und schrieb sich in ihm seinen Frust und seine Demütigungen, die
ihm der amerikanische Paradebetrieb „U.S. Mail“ in mehr als einem
Jahrzehnt zugefügt hatte, von der Seele.
Ja, ja, Charles „Hank Chinaski“ Bukowski war lange Jahre Angestellter der
amerikanischen Post, war Briefsortierer und Zusteller und gleichzeitig
Säufer und Nuttenbetreuer oder ließ sich von ihnen betreuen. So genau weiß
man das heute nicht mehr. Und den hart gesottensten Hund, den ich kenne,
schaffte dieser Job innerhalb von zehn Jahren. Die Aufseher, die monotone
Arbeit an den Sortierkästen, die Einteilung der Zustellrouten, von denen
er immer die längsten, steilsten und schlimmsten zugewiesen bekam, die
einsamen Hausfrauen, die im Negligee hinter der Eingangstür mit der immer
gleichen Frage „Haben sie keinen Brief für mich heute, Postmann?“ auf ihn
warteten, die beißwütigen Hunde, die ihm die Post abjagten und ihre
Schnauze von hinten in seinen Schritt bohrten, all das brachte ihn oft
nicht nur an den Rand des Wahnsinns. Nein, es machte ihn über weite
Strecken dieser Zeit wirklich irre.
Wie gut hat es ein Angestellter des gleichen Unternehmens dagegen heute!
Eine starke staatenübergreifende Gewerkschaft, ein angenehmes
Betriebsklima, eigene Postfahrzeuge in Hülle und Fülle, eine geregelte
Arbeitszeit und vieles mehr versüßen heute den Postleralltag. Davon wagte
vor ein paar Jahrzehnte unser Henry Chinaski nicht einmal zu träumen. Im
Gegenteil. Knapp bevor sie ihn wirklich in die Klapsmühle eingeliefert
hätten, kündigte er den sicheren Staatsjob und zog es vor mit der durch
und durch unsicheren Schriftstellerei zu beginnen. Anfangs ohne Erfolg,
ohne Geld ohne alles.
Heute hätte er es bei der gleichen Institution – wie gesagt – viel
komfortabler, würde mehr verdienen und würde nicht von allen Seiten
angeschissen werden.
Nur eines: Er hätte das gesundheitliche Risiko zu tragen, Briefe
zuzustellen, die eventuell das tödliche Anthrax – besser bekannt unter
Milzbranderreger - beinhalten.
So gesehen: sei froh Charles, dass du seit 1994 unter der Erde bist. Diese
zusätzliche Belastung hätte Dich nämlich mit Sicherheit um den Verstand
gebracht.
(Gewidmet den vielen Postangestellten der USA, die seit dem 11. September
2001 unter steter Lebensgefahr ihren Dienst versehen . . . müssen.)
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Verdient
Der Souverän hat entschieden – Scheißwahl!
Wenn sie nachher doch machen
was sie wollen – und nicht wie wir eigentlich wählten
Klare Mehrheit – knapp 80 Prozent - für „schwarz-rot“
und was machen die daraus?
Hauchdünne Mehrheit für „schwarz-blau“
die der eigentliche Grund für die vorgezogene
Scheiß-Neuwahl war, wird als Neuauflage prolongiert
Alles wird empfindlich teurer
aber die Zustände und die Qualität werden schlechter
Eine neue – natürlich teurere – Kraftstoffsorte
kommt auf´n Markt
erst nicht flächendeckend – zum frühest
möglichen Zeitpunkt - dann doch wieder flächendeckend
Autobahn fahren wird wieder teurer
Mauten hier, Abgaben da, Abfangjäger dort!
Jede Briefmarke, alle Pakete, jeder Furz kostet mehr
Entlassungen und Arbeitslose sind nicht
in den Griff zu bekommen
Die Höhe der Pensionen wird neu
nach unten überdacht
Durchrechnungszeiträume auf die gesamte
Lebensarbeitszeit ausgedehnt
Man denkt flankierende Maßnahmen an – fein!
Andenken kann man ja – verpflichtet zu nichts
Ja, und Gesundheit ist unser höchstes Gut –
gewesen!
Jetzt nicht mehr!
Ab 60 keine Organtransplantationen mehr
Wozu auch? Ab in die Kiste mit unwürdigem Leben!
Hatten wir das nicht schon mal? Viel früher?
Und künstliche Gelenke werden mehrmals verwendet
(Das ist kein Witz, wird in Europa schon praktiziert!)
Was heißt das im Klartext? Hmm?
Jeder, der mit einem Kunstgelenk
das Zeitliche segnet, wird vorher fein säuberlich
von metallenem Ballast befreit, wieder zugeklebt,
bekommt seinen letzten Anzug drüber gezogen
und ab in Kiste oder Urne
Das entnommene Nirosta-Teil wird gesäubert
und fein poliert, und das bekommst Du dann
in deine kaputte Hüfte rein
Naja, dann geh ich halt mit dem Knie oder der Hüfte
meiner Oma spazieren – schlecht?
An Spitalsbetten, Ärzten, Schwestern, Medikamenten usw.
kann enorm gespart werden -
Aber anders, als der einfache Mitbürger denkt!
Wir geben den Spitalsleuten weniger zu tun,
indem wir die Anzahl der Kranken- und Pflegefälle
zu Gunsten der Toten reduzieren, hmm. Kapiert?
Länger arbeiten, härter schuften, weniger Geld,
mehr Stress, mehr Streit zu Hause …
Das verkürzt die Lebenszeit nämlich wirklich,
fördert Infarkte, Krebs und Wahnsinn
und drückt vehement auf die Zahl der Pensionisten.
Die freuen sich auf die Kiste und trachten freiwillig
möglichst schnell das leidige Leben gegen den
ewigen Frieden einzutauschen.
Es wird endlich wieder während der Arbeitszeit gestorben.
So läuft´s!
Aber ich verlier´ mich hier in unscheinbare Details, wo ich mich doch auf
die wirklich großen Brocken konzentrieren wollte - die da wären:
USA ist die einzige Supermacht und nicht grad die
mit Intelligenz und Umsicht überproportional ausgestattete
Leider!
Wir werden noch lang – Jahrzehnte, wenn nicht noch länger -
an dieser Kriegsmacht zu leiden haben.
WASSER ist der Zankapfel der nächsten Generationen
und das weltweit!
Die werden sich um den letzten guten Tropfen – nicht Wein! –
die Schädel und sonst was einschlagen.
KLIMA bedroht den ganzen zivilisierten Teil des Globus –
und den nicht zivilisierten genauso!
Wir – nicht wir persönlich – werden wie anno dazumal
auf höher gelegene Gebiete ausweichen.
Ganze Slums werden ersaufen, ob sie nun Venedig,
San Francisco oder New York heißen, ist egal.
Ihr fragt „Haben wir uns das verdient?“
Wir haben!
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Moab
Dieses Wort steht für drei Begriffe
und ich will den Spagat versuchen
diese drei zu verbinden
Chronologisch:
Moab – biblische Stätte (Jesaias 15,3 ff.)
Moab – Ort in Utah (4800 Einwohner)
Moab – Mother of All Bombs (Eglin Airforce Base)
Dazu einen Überbegriff finden?
Moab wurde über Nacht verwüstet, ging zugrunde
Bis nach Jahaz ist die Stimme zu hören
Darum zittern die Krieger von Moab
Ihre Seele verzagt
Mein Herz schreit auf wegen Moab
Moab wäre es ein kleines unbedeutendes Zentrum
läge es nicht dort, wo es liegt
So aber liegt es genau zwischen
zwei Nationalparks und ist ein wichtiges
touristisches Zentrum
Moab ist die Abkürzung für
Massive Ordnance Air Blast
praktisch die „Mother of All Bombs“
Was Mutterschaft mit Bomben zu tun hat
muss mir erst einer mal erklären
Aber gut: so iss sie, die Bush-Administration
Moab ist zerschmettert
seine Geringen haben lautes Geschrei erhoben
und die Auswahl seiner Jünglinge
ist zur Schlachtung hingestürzt,
spricht Jehova, der König der Heerscharen
Moabs Umgebung besteht aus nichts
und liegt am Highway 191
Nicht weit ist es zum Arches National Park
aber auch der Canyonland Park liegt nah
Die Natural Bridges sind weltweit bekannt
Budget und andere Autoverleiher verdienen gut
die Hotellerie boomt
Moabs erste Explosion wurde von Fernsehteams gefilmt
Kopien an irakische Offiziere geschickt
So soll ihnen im Ernstfall das Kapitulieren leichter fallen
Psychologische Kriegsführung
im 21. Jahrhundert nennt man das
In 40 km Entfernung wackeln Türen nur mehr leicht
Moabs Verderben steht nahe bevor
und sein Unglück eilt sehr.
Beklaget es, ihr seine Umwohner alle
und alle, die ihr seinen Namen kennt
Und der Herr spricht:
Auf allen Dächern Moabs und in seinen Straßen
ist lauter Klage
Moabs Einwohner und Offizielle machen sich Sorgen
Seit es eine Superbombe gleichen Namens gibt
kommen weniger Touristen, bleiben die
Fremdenzimmer leer, die Geländewagen in den Garagen
Man schreibt erzürnte Briefe nach Washington
verlangt von Bush, seine Superbombe
doch umzubenennen
Andernfalls droht man mit Klage
Moab wird am zweiten Tag des Irakkrieges
im März des Jahres 2003 über einem der
Paläste des Schurken Saddams abgeworfen
Es ist ein präziser Krieg mit Satellitensteuerung,
mit Kameras an der Spitze einer jeden Bombe,
eines jedem Marschflugköpers
Bush, Cheney und Rumsfeld wollen
die Kollateralschäden möglichst gering halten
Die Fernsehbilder schreiender Kleinkinder
mit verbranntem Gesicht und durchlöcherten Gliedern
bleiben meinem Gehirn eingebrannt -
sie sind eine furchtbare Klage
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Möge Gott
Wieso lassen sich Erwachsene von ihm
in den Krieg schicken um dort im Sandsturm auf einem
riesigen Ölfleck mit einem Schrapnell
den Arsch aufgerissen zu bekommen?
Und dazu noch häufig von den eigenen Leuten!
“Friendly Fire“ – ha!
Ich hab’s auch nicht beim alten Adolf verstanden
Aber damals hab ich ja noch gar nichts mitgekriegt
außer, dass die Trockenmilch nach jedem
Fliegerangriff sandiger schmeckte
und dass mein alter Herr danach
jahrzehntelang mit einem Steckschuss im Kreuz
von einem russischen Scharfschützen rumlief.
Nicht operabel!
Als Korea dran war, ging ich in die Grundschule,
beim Debakel des CIA in der Schweinebucht
quälte ich mich durch die Matura
und während der Vietnam-Schlappe
hatte ich meine Sorge mit den Weibern,
Schwangerschaften, Kindern und dem Broterwerb
und konnte mich um fremde Kriegsschauplätze
nicht auch noch kümmern
Heute bin ich alt und stelle fest, dass sich in der Welt
in Bezug auf Feindseligkeiten und Krieg
nichts zum Besseren gewendet hat – überhaupt nichts!
Wir leben zwar seit geraumer Zeit im 21. Jahrhundert,
und dennoch: die Bushies beginnen
den Irakkrieg Nummer 2.
Ich fasse es nicht!
Kinder und Frauen werden verstümmelt;
entsetzliches Leid wird mutwillig auf Befehl verursacht,
junge Männer verbluten und kommen
nach wenigen Tagen in einfachen Särgen
um die halbe Welt nach Hause geflogen,
Sandstürme, Hinterhalte, brennende Ölgräben,
Mega-Super-Bomben neuester Bauart, Bakterien,
Chemie, schmutzige Atombomben, Anthrax,
Massenvernichtungswaffen, brennende Ölfelder,
Tarnkappenbomber, unvorstellbare Not, Hunger, …
Lügen, Lügen und wieder Lügen
Bush, Blair, Rumsfeld und Cheney –
und besonders Cheney!
Möge ein Gott ihnen verzeihen!
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Im
Bett mit Cheney und Rumsfeld
Wenn
es dunkel wird im Land er einzigen
Supermacht dieser Erde und die
ersten Lichtstrahlen der selben Sonne
das Horrorszenario im Irak beleuchtet,
dann ist für Amerika „Showtime“.
Die
US-Patrioten gehen nach der Arbeit
pünktlich nach Hause, denn ihr Krieg
kommt gleich zur besten Sendezeit
auf allen Kanälen.
Es ist die größte Reality-TV-Show
in der Geschichte des Fernsehens.
In den Sendungen von ABC, CBS, NBC, Fox
und CNN geht es zu wie bei einer
Sportgroßveranstaltung in Konferenzschaltung.
Der Bildschirm ist in vier Teile geteilt,
damit nur ja kein Einschlag verpasst wird.
Die Kommentatoren kennen nur Superlative:
die präzisesten Waffen, die härtesten Marines.
der schnellste Vorstoß, die zerstörerischste Megabombe.
Sie senden live von Flugzeugträgern,
aus dem rollenden Panzer,
im Sandsturm aus der Wüste
und aus Bagdad, der brennenden Stadt.
"Was für eine herrliche Explosion,
welch ein gigantischer Rauchpilz“
ruft der CNN-Sprecher euphorisch.
"Fantastische Bilder", jubiliert der Kollege
von der kuwaitischen Grenze, als sich der Himmel
orangerot verfärbt,
„ich habe so etwas noch nie gesehen!“
“Das ist einmalig“, meldet sich ein anderer
Reporter aus einem Panzer
"noch nie hat man im Fernsehen
einen Panzerangriff durch die Sehschlitze
des an die Front vorrückenden Tanks erlebt.
Und Sie zu Hause sind live dabei."
"Embedding" heißt so viel wie „eingebettet“ oder
„mit jemandem im Bett sein“.
500 Journalisten, davon 400 aus den USA,
sind also stellvertretend für die an den Schirmen
mit der Cheney-Rumsfeld-Bande im Bett!
Und sie bekommen nur die Lustschreie
ihrer Helden beim Vergewaltigen zu sehen.
Die von der Vergewaltigung blutgetränkten
Bettlaken zeigt man ihnen nicht!
Aber wir im alten Europa sehen sie
und wir sehen auch das unendliche Leid,
das Verbrechen und den Wahnsinn.
Und wir erkennen auch die Gier der Mächtigen,
die hinter all dem zu stehen scheint
und durchschauen als Unbeteiligte
die Machenschaften der Bande leichter
als jene, denen man „America at War“ täglich
als erfolgreiches TV-Spektakel verkauft.
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Bereit ?
HIV, Ebola, SARS, …
Ist es schon soweit mit uns?
Wir haben es geschafft,
dass sich der ganze Globus gegen
seinen Peiniger Mensch
verschworen hat
und jetzt zurückschlägt.
Als nun zuletzt SARS
die gefährliche Lungenkrankheit auftauchte,
hab ich sogleich gewusst:
kriegen die das nicht rasch
in den Griff, dann gute Nacht!
Kurze Zeit nach dem ersten „Fall“
sind weltweit bereits über 2000 Menschen
in mehr als 15 Ländern infiziert –
bei weit höherer Dunkelziffer -
Und täglich sterben mehr daran.
Bis heute sind es 65.
Ganze Hochhäuser und menschliche
Düsenjetladungen werden unter
Quarantäne gestellt
In vielen Ländern werden
die Atemschutzmasken knapp
und es ist kein Abwehrmittel in Sicht.
Die tollste Ausrede eines WHO-Meschen
hab ich gestern gehört:
Wir wollen gar kein Gegenmittel herstellen
Viel besser wäre es, durch Quarantänen
die Krankheit dorthin zurückzutreiben
woher sie gekommen ist. Mhm!?
Ich finde, solche Aussagen sind ein
schlechtes Zeichen – ein ganz schlechtes!
Aber Österreich hat vorgesorgt:
Jeder, der in Schwechat aus Asien kommend
landet, erhält gratis ein Merkblatt,
auf dem Symptome und Verhaltensregeln
für den Ernstfall aufgedruckt sind.
Ob das reichen wird, darf ich wohl bezweifeln!
In Verbindung mit der verheerenden
Weltwirtschaftslage, dem wahnsinnigen
Krieg im Irak, der dramatischen
Klimaverschlechterung –
um nur ein paar Fakten zu nennen –
kann SARS der Auslöser
zum Jüngsten Gericht sein!
Ich weiß nicht, ob wir alle darauf vorbereitet
und geistig dazu bereit sind
Das macht mir schon noch Sorgen!
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Counter
Iraq Body
Count
Du liest richtig! Im Netz gibt es einen Zähler, der die
zivilen Todesopfer im Irakkrieg von D. Rumsfeld
und W. Bush penibel auflistet.
(www.iraqbodycount.net)
Aber nicht nur das!
Zu jedem Toten oder jeder Gruppe
von getöteten Kindern, Frauen und Männern
werden genauest vermerkt:
Wann? Wo? Genaues Ziel,
mit welchem Waffensystem
und aus welcher Quelle diese Info stammt.
Danach folgen zwei rote Zahlen.
Heute – 2. April 2003 – kann man lesen:
MIN: 565 MAX: 724
Bedeutet: vergleicht man alle einkommenden
Meldungen über Tote, so kommt man mindestens
auf 565 und höchstens auf 724 zivile Opfer!
Die Zahlen werden mehrmals am Tag aktualisiert!
Und diese Page hat mehr Zugriffe
als Michael Jackson’s Skandale
Wolfgang Goethe’s gesammelte Werke
oder alle Baywatch-Superbusen zusammen.
Was sind wir doch ein blutgeiles, verkommenes Pack!
Wir haben endgültig und für immer das Recht verwirkt
uns die „Krone der Schöpfung“ zu nennen!
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Sie reden zu mir
Zwischen 2h49 und 3h50 habe ich ausgeschlafen zu sein
Hängt nur von der Jahreszeit und von der Helligkeit ab
ob sie zum Frühtermin starten oder nicht:
meine beiden Kater, Tigi, knapp ein Jahr
und Petzi, zweieinhalb Jahre alt.
Der ältere der beiden läuft draußen frei herum
zu jeder Tages- und Nachtzeit.
Er ist groß, er ist erwachsen, ich kann mich
auf ihn verlassen -
soweit man das von Katzen überhaupt behaupten kann.
Der bullige, rot-weiß gefleckte Bursche
der eher langsam und auch geistig etwas
behäbig wirkt, ist durch und durch gutmütig,
lässt sich gern verwöhnen und wenn er gut drauf ist
von allen Kindern der Umgebung kraulen
und herumschleppen, ohne dass er auch nur
ein einziges Mal zugebissen oder seine Krallen
in fremdes Fleisch geschlagen hätte.
Doch kann er auch flink und sprungfreudig sein,
was man ihm nie zutrauen würde.
Er springt aus dem Stand über einen Erwachsenen
oder rast in Windeseile auf den nächsten Baum
wenn er dort Beute vermutet oder auch nur um
seine Ausgelassenheit und Überlegenheit
demonstrieren zu können.
Er hat in mir seine Bezugsperson gefunden -
er hat sich mich dazu ausgesucht, nicht ich
habe ihn zu meinem Haustier erwählt -
mich akzeptiert er, mich liebt er, in mir
sieht er seinen Ernährer, zu mir kommt er,
wenn es draußen für ihn gefährlich wird.
Er gibt kaum einen Laut von sich, sein
größtes Unbehagen tut er mit einem
leisen Fauchen kund, das fast wie
ein menschlicher Seufzer klingt – mehr nicht.
Der kleine – er ist mein Tiger und
heißt auch so – verfügt hingegen über einen
ungeheuren Wortschatz,
den er auch ununterbrochen
und lautstark einsetzt, um sich bei mir Gehör,
Interesse und ungeteilte Aufmerksamkeit
zu verschaffen.
Das klingt dann wie zaghaftes Rufen,
lautes Wehklagen, mahnendes Erinnern, ja
ganze Dialoge mit verschiedenen Wortfolgen
ringen wir einander gegenseitig ab.
Es mag für einen Außenstehenden eigenartig,
ja vielleicht sogar leicht befremdlich aussehen,
wenn wir zwei mehrmals am Tag unsere
Zwiegespräch abhalten
Und ich bin sicher, er versteht mich dabei sehr gut
wie auch ich natürlich jede seiner Äußerungen
aufmerksam quittiere.
Dabei kann es schon manchmal vorkommen,
dass wir einander ins Wort fallen
oder uns dieses auch abschneiden.
Wichtig bei diesen Gesprächen ist,
dass wir Augenkontakt haben,
denn mehr als die Hälfte seiner miauten
Äußerungen wird erst eindeutig verständlich,
wenn man dabei seine Körperhaltung, die Lage
seines Köpfchens, die Haltung der Ohren und
des Schwanzes mitbekommt.
Ich bin heute in der Lage, fast alle seine Laute
richtig zu deuten und sinngemäß und für ihn
verständlich darauf zu antworten.
Dabei kommt es weniger auf den genauen Wortlaut
umso mehr aber auf die Tonmelodie und meine
Stellung und Haltung der Hände zu ihm an.
Die Gespräche mit ihm stellen für uns beide jeden Tag
die kommunikativen Höhepunkte dar.
Dabei hat alles recht einfach begonnen.
Zuerst war ich erstaunt, dass er recht bald
beim Nennen seines Namens darauf reagierte.
Er hob seinen Kopf und kam – zwar nicht sofort
aber nach geraumer Zeit - auf mich zu.
Später genügte bereits ein Ruf in seine Richtung
und er antwortete mit einem gurrenden Laut
von knapp einer Sekunde, der am Ende höher wurde
Wenn er sich also irgendwo im Raum aufhält
genügt das etwas lautere Aussprechen seines Namens
und er antwortet mit dem erlernten Ton.
Das ging nicht aufs erste Mal, das musste gehörig
trainiert werden und machte uns beiden Spaß!
Klappte es, wusste ich ihn sofort mit einer Geste
oder einem ihm angenehmen Körperkontakt zu belohnen.
Auch er kann jederzeit zu mir Kontakt aufnehmen.
Dabei stößt er einen ganz bestimmten Laut aus,
bei dem ich weiß, er sucht mich oder
zumindest meine Aufmerksamkeit.
Natürlich gebe ich mit einem etwas in die Länge
gezogenes „Jaa“, das ebenfalls am Ende mit der
Melodie hinaufgeht, Antwort.
Treffe ich den richtigen Ton, den richtigen Klang,
entspinnt sich sofort ein längeres Gespräch,
in dessen Verlauf er sich mir nähert und meine
Hand oder meine Beine sucht.
Meist halte ich ihm schon meine Hand
in seiner Kopfhöhe entgegen, die er auch prompt
ansteuert, um sich von ihr streicheln
oder kraulen zu lassen.
Eine Zeitlang geht unser Gespräch dann noch so weiter
und es ist ein untrügliches Zeichen für mich,
dass er sich rundherum wohl fühlt,
wenn er sich langsam zur Seite fallen lässt,
und den Kopf in die Höhe reckt,
um sich am Hals streicheln zu lassen.
Da fällt mir sofort das Sprichwort ein,
das auch für mich zutrifft:
Seit ich die Menschen kenne,
habe ich die Tiere lieben gelernt!
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Pardon!
Jetzt hab ich knapp 40 Jahre lang für wenig Geld die Kinder fremder Leute
beaufsichtigt und unterrichtet, damit die lieben Eltern zusammen mehr
Kohle machen konnten, doch ich kam damit kaum zu Rande. War der pure
Stress, das könnt ihr mir glauben. Aber ich schweife vom Thema ab.
Im Kern geht es darum, dass besagter Stress auch sein Gutes für mich
hatte.
Treffe ich nach Jahren einen ehemaligen Schüler wieder; es muss Ende der
Sechziger Anfang der Siebziger gewesen sein. Wir feiern unser Wiedersehen
und frischen alte Erinnerungen in einer Kneipe bei etlichen Bieren auf.
Und irgendwie – nach Sex und den Weibern – kommt die Rede auf Literatur.
“Kennst Du die Zeitschrift PARDON?“ fragt er mich.
“Nein, sollte ich?“
“Und Bukowski sagt dir demnach auch nichts, was?“
“Nein.“
“Mensch, den solltest Du aber mal lesen“, meint mein Ex-Schüler etwas
geringschätzig. Klar, weiß er doch jetzt mal etwas, was sein Lehrer nicht
weiß. So etwas baut auf.
Ich hab die Zeitschrift und den Dichter längst vergessen, als mir Wochen
später beim Zahnarzt im Wartezimmer ein Exemplar von PARDON in die Hände
fällt: Rotes Titelblatt, schwarzer Teufelskopf mit zwei Hörnern und Hut
drauf und in krakeliger Schrift das Wort PARDON. Sofort erinnere ich mich
an meinen Exschüler und seinen versteckten Vorwurf. Ich blättere die etwas
provokante Zeitschrift durch und im Inneren treffe ich auf ihn: C.
Bukowski.
Titel und Inhalt der Story sind mir heute längst entfallen, aber eines
weiß ich ganz genau: ab diesem Zeitpunkt änderte sich mein Leseverhalten
grundlegend.
Dieser Schriftsteller hieb mich um, Wort für Wort, Satz für Satz! Der
konnte schreiben, wie keiner von denen, die ich vorher gelesen hatte. Und
das waren nicht wenige – klar, als Lehrer! Ich kannte sie alle, von Ovid
bis Shakespeare, von Pearl S. Buck bis Goethe, von Heine bis Nabokow. Auch
Hemingway, Miller, Joyce und James Jones hatte ich verschlungen. Damit war
ab sofort Schluss.
Im Laufe der Zeit kaufte ich mir alles, was von diesem wahnsinnigen,
frauenfeindlichen, saufenden, grobschlächtigen, brutalen, um sich
schlagenden und doch so einfühlsamen und die Frauen liebenden Bukowski in
die Buchhandlungen kam. Und als ich alles durch hatte, fing ich wieder von
vorne zu lesen an. Manche seiner Bücher habe ich mehr als zehnmal gelesen.
Sie sind mir wichtiger als Schiller, die Mathematik und die gesamte
Kernphysik. Denn BUK hatte seine Doktorgrade auch nicht in diesen
universitären Wissenschaften erworben. Seine stammen aus den
Schlachthöfen, den Ausnüchterungszellen und den Bordellen, wie er mehrfach
selbst betonte.
Besessen wartete ich auf jede Neuerscheinung von ihm, die ich dann viel zu
schnell verschlungen hatte. Begann eines der Bücher durch meine Lesewut zu
zerfleddern, kaufte ich es mir unverzüglich nach. So habe ich 20 Jahre
lang nichts anderes gelesen als BUK. Was sonst?
Und dann das Unfassbare: gibt der alte Sack doch noch vor mir den Löffel
ab! Scheiße, was tue ich jetzt?!
Immer wieder von vorne lesen, aber das wird mir zu wenig.
Nachdem ich alle Bibliotheken Wiens durch hab, durchforste ich das
Internet, werde Mitglied der Charles Bukowski-Gesellschaft und treffe dort
auf einen jungen Menschen, der mir erzählt, dass demnächst ein
tausendseitiger Band mit alten und unveröffentlichten Texten von Charles
rauskommt. Und er wird mir ein Exemplar besorgen, gleich wenn es
erschienen ist.
Es hat sich gelohnt, dass ich ein Leben lang so guten Kontakt zu den Jungs
hatte. Ich bin gerettet!
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Der Freund
Weit über 70 ist er und lässt sich von mir noch erklären, wie ein PC
funktioniert. So was geht nicht an einem Nachmittag, und so bin ich nun
oft bei ihm und dabei erzählt er mir von seiner beschissenen Kindheit vorm
Weltkrieg und der noch beschisseneren Jugend und davon, dass er in den
Wirrnissen zu Kriegsende zweieinhalb Jahre in Graz gesessen hat.
Er hat keinen Schulabschluss, keinen erlernten Beruf, hat fallweise
Hilfsarbeiten angenommen und in den Fünfzigern den Goldenen Handschuh
erboxt. Ein Freund bringt ihn im psychiatrischen Krankenhaus unter, wo er
Hilfspfleger wird und so Fuß langsam fassen kann.
Die nächsten Stationen: Ehe, C-Beamter, eigene Wohnung, Rassehündchen und
die Vespa tauscht er gegen einen kleinen Gebrauchtwagen. Er hat es doch
noch geschafft. Bald kennt man ihn auf den Tennisplätzen und in den
Spielcasinos. Mal gewinnt er, dann wieder geht alles den Bach hinunter.
Schulden, Frauengeschichten und Urkundenfälschung führen zur Scheidung.
Doch noch einmal fängt er sich, findet eine neue Liebe für die späten
Jahre, erhält sich seine Gesundheit bis ins hohe Alter und weiß genau,
dass er ein famoser Glückspilz ist.
Und dann bin da noch ich, sein Freund, mit dem er sogar noch das Internet
erobern wird. Ha!
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Keine Chance!
Seuchengefahr rund um den Globus. Und das zu Beginn des dritten
Jahrtausends! In einer Welt, in der wir doch alles längst im Griff haben
sollten.
Haben wir aber nicht, weil wir zu blöd dazu sind. Ganz einfach: zu wenig
Hirn in zu vielen Schädeln! Eine klare Feststellung mit fatalen Folgen.
Es beginnt mit einem Husten in einem asiatischen Bergdorf – und schon ist
es um die Menschheit geschehen. Bis Kanada und Afrika, bis Deutschland und
Südamerika breitet sich das Virus rasend schnell aus.
Und die Regierungen? Arbeiten wieder einmal viel zu langsam, rennen der
modernen Pest entsetzt hinterher. Ganze Flugzeuge werden zu
Quarantänestationen, Wolkenkratzer abgesperrt, Millionen Menschen rennen
mit kleinen Tüchern vorm Mund in Todesangst durch die Straßen.
Und in den Fernsehbildern aus diesen Gegenden kommt so richtig die Angst
vorm Jüngsten Gericht rüber. Isses schon so weit? Wird es mich heute
erwischen. Hab ich das Scheißding schon eingeatmet? Hat es mein Partner
schon? Meine Kinder gar vielleicht?
Das Gesundheitswesen wird natürlich voll aufm falschen Fuß erwischt. In
manchen Großstädten gibt es oft nur zwei Betten, die über eine wirklich
dichte Quarantäne mit Behandlungs- und Forschungsmöglichkeit verfügen. Die
meisten der Millionenstädte haben nicht einmal das!
Bis die WHO eingreift, sind bereits in 12 Ländern Infizierte aufgetaucht;
Peking und Toronto erwischt es am schlimmsten. Jeden Tag werden mehr Tote
gemeldet.
Noch immer wird nach dem Erreger gesucht; tollste Theorien und Vermutungen
kommen hoch: Ein aus einem Bio-Waffenlabor entsprungener Stamm? Ist das
Virus einer Geflügelpest plötzlich mutiert und hat den Menschen befallen?
Camus Pest wird wieder verstärkt in den Buchhandlungen nachgefragt. In den
Medien wird die Liste der Länder aufgezählt, wo SARS noch nicht
aufgetreten ist. Sie wird jeden Tag kürzer. Mediziner glauben, dass wir
diese heimtückische Lungenkrankheit nicht mehr in den Griff bekommen
können – zuviel Zeit wurde kurz nach ihrem Ausbruch vergeudet.
Ganze Nationen stöhnen auf, wenn in ihrem Land der erste SARS-Fall
protokolliert wird. Die Wirtschaft verzeichnet enorme Rückschläge, der
Fremdenverkehr bricht zusammen, Fluglinien gehen in Konkurs.
Und nach nicht einmal einem halben Jahr ist alles vergessen. So wie die
Seuche aufgetaucht ist, so ist sie auch verschwunden, nachdem sie zahllose
Tote als Mahnung mitgenommen hat.
Doch was kratzt uns das? Wir sind die Erfolgsgeneration! Wir fürchten
weder Tod noch Teufel und schon gar nicht so kleine unsichtbare
Krankheitserreger.
Sie lernen nichts mehr dazu! Sie rennen lachenden Auges ins offene Messer.
Wie meinte BUK so richtig?
Menschheit, du hattest von Anfang an keine Chance!
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Löwenzahn
Ich hab in letzter Zeit Probleme mit meinen Augen. Sie tränen, Schleier
überziehen das rechte der beiden, wo besonders am Morgen auch so gelbes
Zeug austritt.
Vielleicht liegt’s an der Brille oder an den 60 Jahren, die ich auf’m
Buckel hab. Egal.
Unlängst sitz’ ich in dem Lokal an der Ecke, der Ober im verschwitzen
grünen Hemd mit der schwarzen Lederschürze bringt mir das erste Bier und
die Karte. Ich blättere zu den Steaks auf der vorletzten Seite, da zieht
sich von oben her ein heller Schleier über mein rechtes Auge.
Blitzschnell.
Der Schreck fährt mir in die Hose, mein Hirn rast: ist er jetzt da, der
Star? Erblinde ich von einem Moment auf den anderen?
Ich reiß mir die Brille runter, dass fast ein Ohr am Bügel hängen bleibt.
Und aus dem Zwischenraum zwischen Auge und Brillenglas schwebt er davon:
der Samen eines Löwenzahns mit seinen vielen hauchdünnen sternförmig
angeordneten Strahlen, in dessen Zentrum eine winzige Spinne sitzen soll.
Das hab’ ich zumindest jahrelang meinen Schülern erzählt, wenn in Biologie
wieder mal die Rede auf den Löwenzahn kam.
Das T-Bone mit der Pfeffersoße und den Bratkartoffeln schmeckt dann noch
ausgezeichnet.
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Der Keiler
Er steckt in einem roten T-Shirt mit der Aufschrift ‚Minus 50%’, sieht stark
nach Inder aus und spricht mich direkt vor der Bank an:
“Kennen sie schon das Telefonieren um 50% billiger?“
“Klar, hab ich doch schon zu Hause – iss’n prima Ding!“
“Und müssen sie noch Null und Eins vorwählen?“
“Ach woher, das geht bei mir längst ohne Vorwahl.“
Sein ruhiger Inderblick wird ein wenig trauriger. Sicher denkt er: ‚Wieder
kein Geschäft zu machen’.
“Aber jetzt hab ich mal eine Frage: Wann kann man denn bei euch auch
endlich mit’m Handy um 50% billiger telefonieren?“
Sein Blick hellt sich schlagartig auf:
“Das geht doch schon. Kommen sie, unterschreiben sie gleich hier bei mir.“
“Nur langsam, ich will aber meine alte Nummer behalten.“
Verzweifelt kneift er die schwarzen Augen zusammen:
“Das sollte man schon längst können, aber immer wieder heißt es ‚nächsten
Monat’. Aber ich kann ihnen sofort eine neue Nummer geben.“
“Davon hab ich doch nichts. Was mach ich denn mit meinen Visitenkarten,
dem Stempel und den Briefköpfen? Nein, nein, dann warte ich noch so lang,
bis ich meine Nummer mitnehmen kann. Aber wie sieht es mit’m Internet aus?
Seid ihr da auch um die Hälfte billiger? Aber ich hab eine
High-Speed-Anbindung, die muss ich aus Geschäftsgründen unbedingt
behalten.“
Damit schaffe ich ihn vollends. Er reicht mir beide Hände zum Abschied,
will mich möglichst schnell loswerden. Ich kann’s verstehen. Hat er doch
geglaubt, mit mir leichtes Spiel zu haben.
Ich setz’ mich an einen der kleinen Tische des Eissalons, wo ich den
Eingang zur Bank im Blickfeld behalte und bestelle mit Handzeichen ein
Bier. Drüben bückt sich mein 50 Prozent-Inder und holt eine Coladose unter
dem Stein vor der Bank hervor. Er nimmt einen tiefen Schluck daraus,
blickt auf seine Uhr, schüttelt den Kopf, legt seine Werbezettel unter den
Stein und verdrückt sich in seine wohlverdiente Mittagspause.
Es ist 10 vor 12, als endlich mein Bier ankommt.
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Geflügel
Sie ist keine 18, langbeinig, schlecht auf blond getrimmt, steckt in einem
ehemals weißen Arbeitskittel und steht etwa eine Handbreit vor einer
glühend heißen Maschine, in der sich aufgespießte Vögel drehen. Hühner und
Enten auf zehn Eisenstangen, fünf Stück auf jeder.
Vor ihr sind sie in Zweierreihen angestellt, um noch so einen Vogel zum
Mittagessen zu ergattern: Kids mit zu wenig Geld in den kleinen Fäusten,
Alte, die sich an ihren Rollwagen klammern, Besoffene, die wankend um ein
weiteres Bier anstehen. 5.40 kostet ein ganzes Huhn, 2.80 ein halbes,
steht an den Seitenwänden der knapp 2 mal 2 Meter großen Bude. Enten sind
etwas teurer, weil sie schwerer zu erlegen sind.
Der winzige Seiteneingang zur Box ist mit vollen und leeren Bierkisten
verstellt. Alle 30 Sekunden wandert ein halbes oder ganzes Geflügel über
den Ladentisch – die Kasse klingelt im gleichen Intervall.
Alexa, so heißt die arme Blonde, steht von 9 bis 20 Uhr vor dem glühenden
Ofen. Alle paar Stunden kommt ihr Chef im Kombi vorbei, bleibt im
Halteverbot stehen, knallt ihr neue Spieße unter die Budel, leert die
Kassa und düst zum nächsten Stand einige Blocks weiter.
Alexa reicht mir ein Bier herüber: „Ich träume schon von aufgespießten
Hühnern, ob sie’s glauben oder nicht!“
Ich glaub’s ihr und zwinkere ihr zu - sie lacht zurück.
Dann lege ich ein kleines Trinkgeld neben die Kasse – sie freut sich. Der
Chef hält sie eh viel zu kurz – weit unter Kollektivvertrag. Wir haben
alle nichts zu lachen!
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Scotch
Joe betrat das Lokal und musste sich gleich bei der Tür an einem
Rollstuhl, der 2/3 des schmalen Ganges verstellte, vorbeizwängen. In ihm
hockte zusammengesunken eine etwa 60-jährige, die sich mit der einen noch
intakten Hand an der Tischplatte des runden Kaffeehaustisches anklammerte.
Neben ihr ein etwa gleichaltriger Mann in einem schlichten, grauen Anzug,
der an Kragen und Ärmeln bereits deutlich abgewetzt war. Außer den beiden,
vor denen je ein Glas mit einem grünen Getränk stand, war kein Mensch in
dem Lokal, dennoch ließ Jo zwei Tische zwischen dem ungleichen Paar und
sich frei, bestellte seinen Scotch mit Wasser und nahm in der Ecke mit dem
Gesicht zur WC-Tür Platz.
Als der Kellner mit dem eingefallenen Gesicht das Glas vor Jo auf den
Tisch stellte, hatte dieser bereits mit dem Sortieren der Briefe aus
seiner Rocktasche begonnen. Er kam jedoch nicht weit.
Die Rollstuhlfahrerin setzte nämlich noch vor dem zweiten Brief zu einem
immensen Hustenanfall an. Zuerst klang es, wie wenn Blech aufeinander
schlägt, dann mischte sich zu dem Lärm ein pfeifendes Rasseln, das nur ab
und zu von heiseren Schreien und dem stoßweisen Ringen nach Luft
unterbrochen wurde. Spucke und zäher Schleim kamen hörbar hoch, ein
Schwall löste den nächsten ab. Es war grausig anzuhören.
Jo wusste, warum er diesen Platz und keinen anderen gewählt hatte und war
froh, das Drama nicht in seinem Blickfeld zu haben. Er öffnete den
nächsten Brief und zwang sich, den Inhalt zu verstehen. Es ging um ein
Geburtstagsgeschenk, das ihm der Chef eines Ladens, wo er Stammkunde war,
persönlich überreichen wollte.
Und immer wieder wurde er von den gleichermaßen quälenden wie qualvollen
Erstickungsgeräuschen zwei Tische weiter aus seinen Gedanken gerissen. Er
musste jeden Satz dreimal lesen. Wann kommt denn endlich der Notarzt oder
der Leichenwagen!
„… und nehmen Sie Ihre Bonuskarte vom letzten Jahr mit, denn diese muss
von Ihnen beim Empfang des großzügigen Geschenkes vorgelegt werden.“
Wo hatte er diese Karte bloß? Er konnte sich nicht entsinnen, je eine
solche Karte besessen zu haben. Auch in seiner Brieftasche konnte er sie
nicht finden. Der nächste Brief enthielt die Zweimonatsrechnung seiner
Telefongesellschaft. Die wollten auch jedes Mal mehr von ihm, obwohl er,
wie er sicher wusste, keine drei Anrufe im Monat tätigte.
Dann war da noch eine Mahnung seiner Exfrau. Bei ihr war er 2 Monate mit
den Alimenten in Rückstand. Aber deswegen gleich mit dem Anwalt zu drohen?
Er verstand die Welt nicht mehr – oder die Welt ihn? Egal!
Er trank sein Glas aus und ließ ein paar Münzen auf die Tischplatte
fallen. Dann erhob er sich. Und beim Hinausgehen fiel es ihm erst auf: Die
erstickende Alte in ihrem Rollstuhl war verschwunden – und ihr Begleiter
auch. Wo die jetzt wohl sein mochten?
Wir haben es heute alle nicht leicht, über die Runden zu kommen und manche
erleben den nächsten Frühling nicht. Einige nicht einmal den nächsten
Sonnenaufgang.
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Sahara
Es war Samstagabend, die Hitze war unerträglich, und Joe betrat die kleine
Bar in der Raxstraße oben am Laaerberg, der eigentlich kein Berg sondern
nur ein kleiner Anstieg der Autobahn war, wenn man Wien vom Süden her
anfuhr. Jo war hier eigentlich nur stehen geblieben, weil es seine Blase
bis in den Osten der Stadt, wo er sein Zimmer hatte, nicht mehr
ausgehalten hätte. Er bestellte sein Bier und trat durch die Hintertür auf
den kleinen Hof. Die Luft stand hier steif und fest und man konnte sie
fast wie Seide greifen. Sie legte sich wie ein heißer Schleier über alles.
Jo fand das Klo, erledigte sein Geschäft und machte sich auf den Rückweg
ins Lokal.
Es war gerammelt voll, die Getränke rollten in Wellen über die Theke und
die Ventilatoren schnitten die gelbheiße Luft mehr als sie Kühlung
verschafften. Seit zehn Wochen war in der Stadt kein einziger Tropfen
Regen mehr gefallen. Alte und Kranke fielen um wie die Fliegen. Und wenn
man dem Wetterbericht glauben schenkte, dann würde es auch noch bis in den
September und den halben Oktober hinein so bleiben.
Obwohl es knapp vor Mitternacht war, hatte es auf dem Digitalthermometer
neben der Türe noch immer 38 Grad Celsius. Unter tags hatte es die letzten
Wochen schon etliche Male 45 und mehr Grade gehabt.
“Laß doch noch ein Bier auffahren“, orderte Jo seine nächste Flasche Pils
und blickte wie beiläufig durch die Runde. Die meisten Mädels hatten nur
mehr Bikinis oder Shirts an, fast alle Männer saßen mit bloßem Oberkörper
in der stickigen Luft. Alle rauchten ihre Filterlosen – Camel und Lucky
Strike waren die bevorzugten Marken hier drinnen – und allen rann der
Schweiß in Strömen über Oberkörper und die Oberarme und von den
Handgelenken tropfte er auf die Tischplatte.
An die Ozon- und sonstigen Warnstufen, die über Radio regelmäßig angesagt
wurden, hatte man sich längst gewöhnt, auch daran, dass die
Gewaltverbrechen in den letzten Wochen sprunghaft zugenommen hatten. Alles
eine Folge der Klimaänderung, die nun doch schneller vorankam, als die
Meteorologen-Heinis uns vorausgesagt hatten, als sie meinten, dass in 50
oder 100 Jahren in Europa die Wüste Platz greifen würde. Auf die vom
Wetterdienst war eben auch kein Verlass mehr.
Nach dem dritten Bier war für Jo wieder mal ein Besuch der WC-Anlagen
fällig. Als er die Tür zum Hof aufstieß, fühlte er einen schwachen
Widerstand – als ob jemand dagegen hielt – nur war da niemand. Endlich
hatte er die Tür so weit offen, dass er auf den dunklen Hof schlüpfen
konnte. Unter seinen Schuhsohlen knirschte es ein wenig. Es war noch immer
unmenschlich heiß.
Jo bückte sich: Sand! Es war tatsächlich feinster, heller Sand, der in
kleinen Wellen, den Betonboden überzog. Leicht benebelt öffnete Jo den
Zipp seiner Hose, erledigte sein Geschäft und trat noch einmal auf den
kleinen Hof. Gelblich glitzerte der Sand auf der Erde. Jo ging nicht mehr
ins Lokal zurück, sondern trat durch einen Seitenausgang hinaus auf die
Straße wo er seinen VW geparkt hatte. Unwillkürlich blickte er hinauf zum
Himmel und erschrak: Kein Stern blinkte dort oben, obwohl es seit Wochen
keine Wolken mehr gab. Verdammt, wo waren die Sterne? An ihrer Stelle
zogen helle Schwaden, wie Nebel durch die Luft. Nur dass der Nebel aus
Myriaden von Sandkörnern bestand.
Endlich hatte er sein Auto gefunden. Es war mit einer fingerdicken Schicht
Sand überzogen, wie auch die Straßen, die Gehsteige, die Laternen und
alles andere auch. Dazu kam nun noch leichter Wind aus Süden auf.
Jo stieg in sein Auto, startete und als er auf die Stadtautobahn auffuhr,
kräuselte der Sand bereits in kleinen Dünen über die Fahrbahn. Er hatte
noch eine Dreiviertelstunde bis nach Hause.
Der Wind wurde von Minute zu Minute stärker, die Sicht schlechter und zu
beiden Seiten der Fahrbahn konnte man liegen gebliebene Fahrzeuge
erkennen. Der feine Sand hatte begonnen Vergaser und andere empfindliche
Teile der Autos lahm zu legen. Auch mussten ein paar Raser auf dem feinen
Sand von der Fahrbahn gekommen sein.
Er drehte das Radio auf und suchte seinen Klassik-Sender. Nichts! Er
drehte an den Knöpfen und stellte den Schlagersender ein: Wieder nichts!
Der sollte doch stets 24 Stunden lang senden. Irgend etwas musste passiert
sein.
Da wurde auch Jos Auto langsamer, nahm nicht mehr so richtig Gas an.
Obwohl er das Pedal schon ganz durchgetreten hatte, zeigte der Tacho kaum
mehr 40 km/h an. Und dann übersah er auch noch den Tankzug, der wie in
Zeitlupe die Böschung herunter und direkt auf seinen fast zum Stillstand
gekommenen VW zurollte. Im letzten Moment trat er noch ein paar Mal wie
verrückt das Gaspedal, zerrte verzweifelt am Lenkrad und wurde
Sekundenbruchteile später das erste Opfer der mitteleuropäischen Sahara.
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Trinkwasser
So einen schönen Herbst hatten wir schon lange nicht mehr gehabt. Jo war
zeitig in der Früh mit seinem VW bis an den Rand des Wasserschutzgebietes
gefahren hatte neben der Talstation geparkt und mit der Gondel auf knapp
2000 m herauf gefahren. Es war angenehm kühl, und Jo wollte sich einmal
ordentlich die Beine vertreten. Als Großstadtmensch kam man ohnehin viel
zu wenig dazu etwas für seine Lungen und den Kreislauf zu tun.
Um diese Zeit war hier kaum jemand unterwegs. Jo schritt tüchtig aus und
legte erst nach zwei Stunden auf einer Lichtung mit einigen Baumstümpfen
die erste Rast ein. Er verspeiste sein mitgebrachtes Brot und leerte seine
Plastikflasche zur Hälfte, bevor er wieder aufbrach.
Nach einer knappen Stunde entdeckte er am Wegesrand eine frische Quelle,
er labte sich, leerte seine Flasche und füllte sie mit dem frischen,
köstlichen Nass. Bald kam er an einen Zaun, den er entlang schritt, bis er
zu folgender Blechtafel kam:
Betreten des Wasserschutzgebietes bei Strafe verboten. Darunter waren eine
Zahl und eine Behörde vermerkt. Jo benützte die Pause und trank wieder aus
seiner Flasche. Dann marschierte er weiter.
Nach abermals einer halben Stunde kam Joe an einen kleinen Stausee, der
hinter dem Zaun lag. Da niemand zu sehen war, fasste er sich ein Herz,
warf seinen Rucksack über den Zaun und kletterte hinterher. Kaum war er
ein Stück am Ufer entlang gegangen, erblickte er zwei Gestalten, die sich
am anderen Ende der Staumauer zu schaffen machten. Jo suchte hinter einer
Hecke Deckung, holte sein kleines Fernglas aus dem Rücksack und blickte
durch. Und was er hier zu sehen bekam, verschlug ihm fast den Atem.
Die beiden Kerle öffneten zylindrische Plastiktonnen, die gelb und rot
angestrichen waren und auf deren Stirnseiten schwarze Totenköpfe prangten,
und kippten deren Inhalt seelenruhig ins Wasser. Auf diese Weise mussten
bereits zehn oder mehr Fässer entleert worden sein.
Sofort erfasste Jo die Situation. Die Verbrecher waren dabei, das
Trinkwasser der nahe gelegenen Hauptstadt zu vergiften. Und während er
überlegte, wie er am klügsten vorgehen sollte, erfasste ihn eine nie
gekannte Übelkeit. Er wollte aus seinem Versteck hervor treten, wollte
weglaufen und Hilfe holen.
Daraus wurde nun nichts mehr. Und im Zusammensinken verfluchte er den
Moment, an dem er an der Quelle seine Flasche mit vermeintlich frischem
Wasser gefüllt hatte.
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Vor der OP
Endlich bin ich an der Reihe. Ich leg ihm die Befunde
und die Röntgenbilder auf’n Tisch
“Ganz klar, das ist nur ein kleiner Eingriff, Herr Schida.
Das machen wir bei uns am Klinikum am Tag dreimal.“
“Soso?!“
“Und am dritten oder vierten Tag gehen sie nach Hause,
fahren 3 Wochen zur Kur und kommen frisch und stark
wie nach einem Urlaub wieder heim.“
“Hmhmm?“
“Klar, doch!
Zuerst machen wir schon mal ambulant alle Checks
für die Operation: Herz, Lunge, Kreislauf, Gefäße.
Ich schätze in zwei Wochen könnte es dann schon
losgehen!“
“Ich überleg mir’s noch Doc
und sag ihnen telefonisch Bescheid. O.K.?“
“Klar geht das, aber lassen sie sich
nicht zu lange Zeit – man kann nie wissen!“
Dass diesen „kleinen Eingriff“ nur knapp 30 Prozent
überstehen, davon sagt er mir kein Wort!
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Was bleibt
Er war vor kurzem sechzig
und irgendwie ist das schon eine deutliche Marke,
eine Wende, ein vorläufiger Schlusspunkt.
30, 40 ja sogar noch 50, da kann man sich
irgendwie auf die zweite Hälfte, die einem
noch bevorsteht, rausreden. Aber 60?
Das werden viele nicht mal mehr!
Und das zehrt an den Nerven.
Besonders dann, wenn nun Schlag
auf Schlag neue Wehwehchen auftreten
und sich die Beschwerden häufen.
Die Augen werden nun doch merklich wässriger,
der Blick nicht mehr klar, die Bilder unschärfer.
Die Beine tun weh, Adern quellen an den
unmöglichsten Stellen hervor, hier und da
muss gesalbt und gespritzt werden.
Die Verdauung ist wie ein Zug aufm Abstellgleis
und die Hämorrhoiden brennen wie Feuer im Arsch.
Manchmal färbt sich das WC-Papier schon rot.
Hellrot – dunkelrot bis schwarz wäre noch schlimmer!
Er regt sich nun nicht mehr über die Weiber oder
die Kids so sehr auf, und wenn ein Schnürsenkel reißt
oder die Kupplung eingeht – pffft, was soll’s?
Alles muss mal eingehen.
Bleiben ihm noch die Katzen und die Leute, die vor seinem
Fenster oft Radau machen – und ab und zu mal die Post.
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Der Ersatzbus
Ich seh’s am Armaturenbrett: das reinste Feuerwerk. Der Bus macht’s nicht
mehr lang. Und mir im Nacken sitzen dreißig fröhliche Rentner, meist alte,
klapprige Omas, die alle gratis in Graz essen und trinken wollten und
danach fast eine jede ein Kopfkissen aufgeschwatzt bekommen hat. Auch zwei
uralte Männer habe ich an Bord, sie gehen in der Masse der Damen jedoch
völlig unter.
Da steigt dichter, schwarzer Qualm aus dem Motorraum, während ich mich
krampfhaft auf die Suche nach einer Abstellmöglichkeit für mein Gefährt
mache. Vorne ist eine Baustelle in Sicht. Ich fahre auf den verbotenen
Streifen, durchbreche eine provisorische Absperrung und lasse den Bus
unter einer halbfertigen Brücke ausrollen.
Ich ziehe die Bremse an, das Geschnatter im Bus verstummt schlagartig und
ich schnapp’ mir das Mikro:
“Meine Herrschaften, wir sind noch nicht am Ziel. Bleiben sie auf ihren
Plätzen, ich muss nur mal nach dem Motor schauen.“
Fragen schwirren durch den Bus, während ich schon draußen die Haube öffne
und mich hinter dem Deckel – für meine Fracht unsichtbar – verschanze. Mit
dem Handy bekomme ich den Boss zu sprechen:
“Chef, die Mühle ist hinüber. Sie müssen den Kurt mit dem Ersatzbus
schicken.“
“Bist du verrückt? Der ist doch für das Kinderschwimmen unterwegs. Wo
stehst du denn überhaupt? Und was fehlt der Kiste eigentlich?“
Ich schildere ihm die Situation in knappen Worten und er verspricht, einen
Bus zu schicken.
“Kann aber dauern“, schreit er ins Telefon, dann ist die Verbindung
unterbrochen.
“Herr Schofför, was ist denn los? Warum halten wir auf freier Strecke?
Wann geht es endlich weiter? Können wir die Pause nicht zum Aussteigen
nützen? Ein paar von uns müssen nämlich ‚für kleine Mädchen’.“
Die im grünen Mantel mit dem zerknautschten braunen Hut ist mir schon beim
Einsteigen aufgefallen. Eine echte Rädelsführerin ist das.
“Da vorne sehe ich nämlich eine Baustelle und ein aufgestelltes
Klo-Hütterl. Das wäre direkt ideal für uns.“
“Wie viele müssen den unbedingt auf den Topf?“
Ein Dutzend Hände geht zögernd in die Höh’. Ich lasse die erste
Vierergruppe raus.
“Was geschieht jetzt mit uns, nachdem der Bus offenbar nicht mehr fähig
ist Fahrt aufzunehmen?“ meint einer der beiden männlichen Klugscheißer.
Muss wohl mal Techniker gewesen sein, bei der messerscharfen
Kombinationsgabe.
„Der Motor ist stark überhitzt und schafft es tatsächlich nicht mehr
weiter, aber ein Ersatzbus aus Wien ist unterwegs und wird uns hier bald
abholen.“ Genauer leg ich mich nicht fest.
Dann marschiert die zweite Vierergruppe los.
“Der unfreundliche Arbeiter hätte uns fast nicht mehr aufs Klo gelassen“,
feixt eine von den zurückkommenden Alten.
Ich schicke das nächste Quartett los. Alle zappeln sie auf das Klo zu; die
schnellste Oma verschwindet sofort in dem Blechkasten.
Da sehe ich, wie sich ein Schatten aus dem Abstellplatz löst und von
hinten auf das Klo zufährt. Es ist ein Gabelstapler. Der Mann beherrscht
sein Gefährt. Blitzschnell schiebt er die Gabel unter das Mobil-Klo, hebt
es samt seinen Inhalt ein paar Meter hoch und gibt Gas. Aus dem Klo
dringen gellende Hilferufe. Der Oma scheint es gar nicht gut zu gehen.
Erst nach etwa 200 Metern stellt der Stapler das Häuschen wieder auf den
Boden und fährt davon.
Zaghaft öffnet sich die Tür. Den Rock bei den Knöcheln und in Unterhosen
wankt die Oma heraus. Ihren Hut hat sie nicht mehr auf dem Kopf.
Inzwischen sind die anderen drei bei uns angelangt.
“Sie haben die Angela samt dem Klo entführt!“
“Stimmt nicht, meine Damen. Angela kommt gleich wieder. Sie hat nur einen
kleinen zusätzliche Ausflug unternommen.“
Angela hat inzwischen ihre Kleidung halbwegs in Ordnung gebracht und
hastet über Stock und Stein in Richtung Bus. Nie und nimmer hätte ich der
rüstigen Achtzigerin dieses Tempo zugetraut. Etwas außer Atem kommt sie
bei uns an.
“So eine Frechheit! Hat der nicht gesehen, dass da noch jemand drinnen
ist?“
Hat er sicher. Nur wollte er sich sein privates Baustellen-Klo nicht von
einer ganzen Reisegruppe zuscheißen lassen.
Schon eigenartig, dass die restlichen eineinhalb Stunden bis zur Ankunft
des Ersatzbusses niemand mehr aufs Klo musste!
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Wirtshaus im 10ten
Ich
hab noch eine Stunde Zeit und seit einem Tag nichts Ordentliches
gegessen. Daher trete ich durch die schmale Tür in die Gaststube.
Zigarettenqualm und laute Musik aus den 70ern umwabern mich
augenblicklich.
Keine zehn Leute halten sich hier drinnen auf; Wirt und Kellner schon
mitgezählt. Alle Blicke wandern kurz zu mir und wenden sich genauso
schnell wieder ab.
Ich
steuere rechts den zweiten Tisch an. Der gleichermaßen dicke wie
schmuddelige Wirt folgt mir unmittelbar. Im Hinsetzen ordere ich ein
Krügel Bier und bekomme die Karte ausgehändigt. Sie besteht aus einem
Blatt Papier, das beidseitig bedruckt und in Folie eingeschweißt ist.
Drei
verschiedene Suppen, drei Fleisch- und eine Fischspeise neben ein paar
Kleinigkeiten sind vorne aufgelistet, die Auswahl an Getränken auf der
Rückseite ist wesentlich umfangreicher.
An
der Theke stehen zwei alte Süffel und halten sich an ihren Gläsern fest.
Ich bestelle den Fisch und lehne den Salat, den mir der Kellner
vorschlägt, kurz ab.
Da betritt ein asiatischer Typ mit einem großen Apparat mit Schläuchen
und Kabeln das Lokal:
“Ich sauge dir den Boden hier ganz gratis und ganz schnell!“
“Nein“, sagt der Wirt, „lass das, das mache ich jeden Tag in der Früh
selbst. Hau ab!“
Der Gelbe tut, als ob er nicht verstanden hätte, und steckt sein Gerät
an die Steckdose gleich neben dem Türstock. Lärm brandet auf, der die
Musik mit einem Schlag verschluckt.
Mit
einem Sprung, den ich dem beleibten Mann nie zugetraut hätte, ist der
Wirt an der Tür und reißt den Stecker aus der Wand. Mit einem Tritt in
den Hintern befördert er den Gelben aus der Tür, sein Kasten mit den
Schläuchen und Düsen fliegt hinterdrein.
Hier bin ich richtig, scheint mir.
Und dann kommt auch schon mein Essen, das vorzüglich zubereitet ist und
auch so schmeckt. Würde ich hier in der Nähe wohnen, wäre das sicher
mein Stammlokal. Das zweite Krügel kommt an und ich verfolge die
Gespräche der beiden Schluckspechte an der Theke: Es geht über
Fernsehen, Fußball bis zur Tagespolitik und wieder zurück.
Und im Radio singt Aznavour über die Liebe in Paris und die Seine und
das ganze andere Theater.
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Die Weisung
Mordsbalgerei in der 4a
Zwei Jungs polieren einander ordentlich
die Fresse
Das Fliegengewicht knallt gegen
die Tafel
mit der Rechenaufgabe
Dann geht alles blitzschnell
und er liegt erschlagen unter der Tafel
Hat sich aus der Verankerung
im Mauerwerk gelöst
In den Medien heißt es
10jähriger von Schultafel erschlagen
Unsachgemäße Montage?
Schlechte Wartung?
Keine Pausenaufsicht in der Klasse?
Dabei war die Tafel erst vor drei Wochen
durch die Herstellerfirma kontrolliert worden
Der Bub wird unter Anteilnahme der Schule
und der gesamten Stadtverwaltung begraben
die Eltern von den Versicherungen
großzügig abgefunden
Und dann reagiert die Schulbehörde
-
und wie!?
Mittels landesweiter Weisung
wird allen Schulwarten nachweislich
zur Kenntnis gebracht
dass sie nun täglich vor Schulbeginn
und vor dem Eintreffen der ersten Kinder
durch alle Klassen zu gehen und
an jeder Tafel den Rütteltest *)
vorzunehmen haben!
Das schließt natürlich auch in Zukunft
einen solch tragischen Unfall nicht aus,
aber auf jeden Fall hat man dann
den schuldigen Schulwart sofort
am Arsch
denn der hat ja nun schwarz auf weiß
unterschrieben
Somit kann er im Ernstfall sofort entlassen
und zivilrechtlich belangt werden und
die Schulbehörde iss fein raus
Bravo und Hallelujah Frau Minister!
*) Ich bin am Tag nach dem Erscheinen dieser Weisung mit einem Schulwart
durch die Klassen gegangen und habe ihm beim Rütteln zugesehen. Es ist
ein Witz!
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Echte Menschen
Vielleicht findest du unter
30 Ärzten – einen, der sein Handwerk versteht
30 Priestern – einen, der kein Kind gezeugt hat
30 Malern – einen, der wirklich begabt ist
30 Frauen – eine, die es wert ist geliebt zu werden
30 Männern – einen, der kein Lump ist
30 Süchtigen – einen, der überlebt
30 Autofahrern – einen, der weiter fahren sollte
30 Lehrern – einen, der nicht pädophil ist
30 Dichtern – einen, der schreiben kann
30 Köchen – einen, Essbares auf den Tisch bringt
30 Huren – eine, die nicht klaut
30 Kindern – eines, das nicht jahrelang nervt
30 Spitälern – eines, in das man sich legen kann
30 Ländern – eines, in dem sie leben möchten
30 Farben – eine, die sie täglich sehen können
30 Biersorten – eine, die wirklich gut schmeckt
30 Piloten – einen, der mit der Maschine verwächst
30 Politikern – keinen, der nicht korrupt ist – und unter
1000 Leuten – einen echten Menschen
maximal!
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Nachbessern
Sie
sollten die Fakten zum 11. September 2001 endlich offen legen, aber in
etwas nachgebesserter Form, sodass sie ein wenig mehr der Wahrheit
entsprechen. Zu viele Ungereimtheiten und Lügen haben sie uns bisher
aufgetischt. Allein was die vier Boeing-Maschinen betrifft:
1.
Die „19 Iraker Bin Ladens“, die die vier Maschinen mit Teppichmessern in
ihre Gewalt gebracht haben und die dann die Maschinen in ihre Ziele
gelenkt haben sollen.
Dabei leben heute noch mindestens sechs von ihnen, haben nachweislich
nichts mit den Anschlägen zu tun und haben sich bei Verwandten oder
Bekannten verkrochen, da sie noch immer auf den Fahndungslisten von FBI
und CIA stehen. Wieso?
2.
Die wenigen offiziellen Berichte, die oft erst Wochen und Monate nach
dem Verbrechen veröffentlicht wurden, sind im Nachhinein mehrmals
korrigiert worden, was Zeitpunkte, Telefonate aus den Maschinen und
Fluglotsenaussagen betrifft.
Hier
haben höchste Stellen – vielleicht die allerhöchste – viel zu verbergen.
Auch wird gelogen, dass es sogar den einfachen Leuten auffällt. Warum?
3.
Die betroffenen Lufträume wurden sofort gesperrt, hunderte Maschinen
umgeleitet. Die Sperre wurde laufend ausgedehnt, bis sie schließlich für
die gesamten Vereinigten Staaten galt.
Dabei gibt es bei 3 der vier Einschlagstellen unabhängig voneinander
Zeugen, die jeweils ein weiteres Flugzeug (dem Typ Herkules ähnlich) in
der Nähe der Boeings gesehen haben wollen. Ihre Aussagen wurden tot
geschwiegen, nie veröffentlicht und in keinem offiziellen Bericht
erwähnt. Weshalb?
Nun, da die Wahrheit wahrscheinlich nie ans Tageslicht kommen