Kein gutes Jahr

"Kein gutes Jahr" ist mein neuestes Buch. Ich stelle es zur Gänze hier vor.
Anklicken eines Titels im Inhaltsverzeichnis verzweigt zu dem gewählten Text.

Sind Sie ausreichend mit Vitaminen versorgt? 

INHALT 

Morgens
Sechziger
Von Temelin nach Afghanistan
Post Office
Verdient
Moab
Möge Gott
Im Bett mit Cheney und Rumsfeld
Bereit?
Counter
Sie reden zu mir
Pardon
Der Freund
Keine Chance!
Löwenzahn
Der Keiler
Geflügel
Scotch
Sahara
Trinkwasser
Vor der OP
Was bleibt
Der Ersatzbus
Wirtshaus im 10ten
Die Weisung
Echte Menschen
Nachbessern
Verpasst
Terror am Heldenplatz
Dumm gelaufen
Privatdetektiv

 

Morgens

An meinem Fenster hüpft ein kleiner Vogel
auf und ab noch vor dem Morgengrauen und
haut mir seinen Weckruf um die Ohren

Naja, es ist halb vier, ich sitze im Bett
und huste mir die Seele aus’m Leib
draußen verstummt der Vogel
mein Hustenanfall geht vorüber
er singt weiter
an Schlaf ist nicht mehr zu denken

Ich öffne das Fenster und lasse
die kalte Schwärze zu mir herein
den kleinen Vogel sehe ich nicht
nur sein Geschrei ist jetzt viel lauter
und deutlicher zu hören:
tschielp, tschielp, tschielp
Aus einiger Entfernung: ein leises Echo 

Er ist unermüdlich
wahrscheinlich schreit er nach einem Weibchen
oder so
was weiß ich schon von so einem kleinen Vogel
und seinen Bedürfnissen
wo ich nicht einmal mit meinen eigenen
zu Rande komme

Wieder ein Hustenanfall um fünf vor vier
Ich muss raus aus dem Bett
Vielleicht hilft ein kaltes Bier?!

nach oben         home

 

 


 

 

 

 

 

Sechziger

Franz K., Geschäftsführer, wird jetzt auch sechzig
naja

Iss mein Großonkel und um ein Jahr älter als ich
mhmm

Was soll’n wir ihm schenken, wo er eh fast alles hat
was nur

Bier oder Wein schüttet er selbst eh genug rein
weiß Mama

Krawatten, Bücher, Fresskorb, Tennisschläger
so was gibt ihm nichts

Ein Ballonflug – pardon –fahrt, eine Ballonfahrt – muss her
huiii

Er wollte ja immer schon hoch hinaus – still oben
gut für ihn

Und für zwei Personen – wen wird er mitnehmen
ha 

Außerdem ist dieses leise Gefährt nicht ganz ungefährlich
klar

Aber irgendwie kommen alle runter – ohne Gas
pfffft

Freu mich schon auf sein aufgeblasenes Ballon-Gesicht
ahnungslos

nach oben          home


 

 

 

 

 

 

Von Temelin nach Afghanistan


Die Tschechen bauen Temelin auf Teufel komm raus
Atomkraft ist sauber, billig, modern
Wasser ham die eh kein’s fürn Strom

Sie schalten es langsam ein - trotz aller Proteste
14 Defekte in den ersten 12 Tagen
Und das bei weit unter 25 Prozent Teilleistung
Gott erbarme Dich unser bei 80 Prozent! 

Dann iss die Turbine defekt
Sie fahren den Reaktor runter
basteln an der Turbine rum
bau’n sie wieder ein

15 Defekte in den nächsten paar Wochen
Teilabschaltungen, dann hoch auf 50 Prozent

An den Grenzen Proteste
Und so was will in die EU – nie mit uns!
Grüne hocken sich auf’s Pflaster
der Schmuggel bricht für Stunden zusammen
Morgen wieder und nächste Woche noch einmal

Regierungen verhandeln in Melk
EU hält sich raus wie immer

Haider will den EU-Beitritt von Temelin abhängig sehen
Viele Österreicher auch - ich auch

Da keimt im Schlaf ein Gedanke in mir:
Die woll’n damit doch nie wirklich Strom erzeugen
Die verwenden den Schrottreaktor als Druckmittel
Die woll’n Geld dafür, dass sie ihn NICHT aufdrehen

Das isses, das muss es sein!

Und nächsten Tag lese ich in der Zeitung
dass ein Konsortium bereits um den Kaufpreis verhandelt
Deutsche und Franzosen sind dabei
Dann haben die das Werkl am Hals und die Verantwortung

Mir wird schwindlig 
Sollte ich ein zweites oder drittes Gesicht haben?
Oder war das eh allen schon längst klar?
Nur mir erst so spät?

Und dann wird mein „Gesicht“
auf eine noch härtere Probe gestellt:
Kurz nach der Temelingeschichte krachen zwei Jets
in die Zwillinge von New York und einer ins Pentagon

Wer war’s? Wie geht so was? Was sind die Folgen?
Wer hat davon gewusst?
Und jetzt ist auch noch Double-Ju Präsident
Das hat uns noch gefehlt!
Der Texaner haut doch eh überall gleich rein
Hat als Gouverneur den Staat
mit den meisten vollstreckten Todesstrafen - Bravo!

Der wird den Taliban und Moslems
schon einen reinwürgen
und es wird lang dauern
und es wird viel Geld kosten
und es werden nicht nur Talibans draufgehen

Hab ich schon wieder meine Vorahnungen?
Oder ist das alles schon Tatsache?
Diesmal möchte ich mein zweites oder drittes Gesicht
aber nicht bemühen müssen!
 

nach oben          home
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Post Office 

Titel der deutschsprachigen Übersetzung „Der Mann mit der Ledertasche“ – mit „Post Office“ also verbinden Kenner der Social-Beat-Szene der 70er-Jahre einen Mann, einen Begriff: Charles Bukowski. Er schrieb diesen Roman – sein Erstlingswerk – innerhalb von drei Wochen in einem Stück herunter und schrieb sich in ihm seinen Frust und seine Demütigungen, die ihm der amerikanische Paradebetrieb „U.S. Mail“ in mehr als einem Jahrzehnt zugefügt hatte, von der Seele.

Ja, ja, Charles „Hank Chinaski“ Bukowski war lange Jahre Angestellter der amerikanischen Post, war Briefsortierer und Zusteller und gleichzeitig Säufer und Nuttenbetreuer oder ließ sich von ihnen betreuen. So genau weiß man das heute nicht mehr. Und den hart gesottensten Hund, den ich kenne, schaffte dieser Job innerhalb von zehn Jahren. Die Aufseher, die monotone Arbeit an den Sortierkästen, die Einteilung der Zustellrouten, von denen er immer die längsten, steilsten und schlimmsten zugewiesen bekam, die einsamen Hausfrauen, die im Negligee hinter der Eingangstür mit der immer gleichen Frage „Haben sie keinen Brief für mich heute, Postmann?“ auf ihn warteten, die beißwütigen Hunde, die ihm die Post abjagten und ihre Schnauze von hinten in seinen Schritt bohrten, all das brachte ihn oft nicht nur an den Rand des Wahnsinns. Nein, es machte ihn über weite Strecken dieser Zeit wirklich irre.

Wie gut hat es ein Angestellter des gleichen Unternehmens dagegen heute! Eine starke staatenübergreifende Gewerkschaft, ein angenehmes Betriebsklima, eigene Postfahrzeuge in Hülle und Fülle, eine geregelte Arbeitszeit und vieles mehr versüßen heute den Postleralltag. Davon wagte vor ein paar Jahrzehnte unser Henry Chinaski nicht einmal zu träumen. Im Gegenteil. Knapp bevor sie ihn wirklich in die Klapsmühle eingeliefert hätten, kündigte er den sicheren Staatsjob und zog es vor mit der durch und durch unsicheren Schriftstellerei zu beginnen. Anfangs ohne Erfolg, ohne Geld ohne alles.

Heute hätte er es bei der gleichen Institution – wie gesagt – viel komfortabler, würde mehr verdienen und würde nicht von allen Seiten angeschissen werden.

Nur eines: Er hätte das gesundheitliche Risiko zu tragen, Briefe zuzustellen, die eventuell das tödliche Anthrax – besser bekannt unter Milzbranderreger - beinhalten.

So gesehen: sei froh Charles, dass du seit 1994 unter der Erde bist. Diese zusätzliche Belastung hätte Dich nämlich mit Sicherheit um den Verstand gebracht.

(Gewidmet den vielen Postangestellten der USA, die seit dem 11. September 2001 unter steter Lebensgefahr ihren Dienst versehen . . . müssen.)

nach oben          home

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Verdient 

Der Souverän hat entschieden – Scheißwahl!
Wenn sie nachher doch machen
was sie wollen – und nicht wie wir eigentlich wählten

Klare Mehrheit – knapp 80 Prozent - für „schwarz-rot“
und was machen die daraus?
Hauchdünne Mehrheit für „schwarz-blau“
die der eigentliche Grund für die vorgezogene
Scheiß-Neuwahl war, wird als Neuauflage prolongiert

Alles wird empfindlich teurer
aber die Zustände und die Qualität werden schlechter

Eine neue – natürlich teurere – Kraftstoffsorte
kommt auf´n Markt
erst nicht flächendeckend – zum frühest
möglichen Zeitpunkt -  dann doch wieder flächendeckend
Autobahn fahren wird wieder teurer
Mauten hier, Abgaben da, Abfangjäger dort!
Jede Briefmarke, alle Pakete, jeder Furz kostet mehr

Entlassungen und Arbeitslose sind nicht
in den Griff zu bekommen
Die Höhe der Pensionen wird neu
nach unten überdacht
Durchrechnungszeiträume auf die gesamte
Lebensarbeitszeit ausgedehnt
Man denkt flankierende Maßnahmen an – fein!

Andenken kann man ja – verpflichtet zu nichts

Ja, und Gesundheit ist unser höchstes Gut –
gewesen!
Jetzt nicht mehr!

Ab 60 keine Organtransplantationen mehr
Wozu auch? Ab in die Kiste mit unwürdigem Leben!
Hatten wir das nicht schon mal? Viel früher?

Und künstliche Gelenke werden mehrmals verwendet
(Das ist kein Witz, wird in Europa schon praktiziert!)
Was heißt das im Klartext? Hmm?

Jeder, der mit einem Kunstgelenk
das Zeitliche segnet, wird vorher fein säuberlich
von metallenem Ballast befreit, wieder zugeklebt,
bekommt seinen letzten Anzug drüber gezogen
und ab in Kiste oder Urne

Das entnommene Nirosta-Teil wird gesäubert
und fein poliert, und das bekommst Du dann
in deine kaputte Hüfte rein
Naja, dann geh ich halt mit dem Knie oder der Hüfte
meiner Oma spazieren – schlecht?

An Spitalsbetten, Ärzten, Schwestern, Medikamenten usw.
kann enorm gespart werden -
Aber anders, als der einfache Mitbürger denkt!
Wir geben den Spitalsleuten weniger zu tun,
indem wir die Anzahl der Kranken- und Pflegefälle
zu Gunsten der Toten reduzieren, hmm. Kapiert?

Länger arbeiten, härter schuften, weniger Geld,
mehr Stress, mehr Streit zu Hause …
Das verkürzt die Lebenszeit nämlich wirklich,
fördert Infarkte, Krebs und Wahnsinn
und drückt vehement auf die Zahl der Pensionisten.
Die freuen sich auf die Kiste und trachten freiwillig
möglichst schnell das leidige Leben gegen den
ewigen Frieden einzutauschen.
Es wird endlich wieder während der Arbeitszeit gestorben.
So läuft´s!

Aber ich verlier´ mich hier in unscheinbare Details, wo ich mich doch auf die wirklich großen Brocken konzentrieren wollte - die da wären:

USA ist die einzige Supermacht und nicht grad die
mit Intelligenz und Umsicht überproportional ausgestattete
Leider!

Wir werden noch lang – Jahrzehnte, wenn nicht noch länger - 
an dieser Kriegsmacht zu leiden haben.

WASSER ist der Zankapfel der nächsten Generationen
und das weltweit!
Die werden sich um den letzten guten Tropfen – nicht Wein! –
die Schädel und sonst was einschlagen.

KLIMA bedroht den ganzen zivilisierten Teil des Globus –
und den nicht zivilisierten genauso!
Wir – nicht wir persönlich – werden wie anno dazumal
auf höher gelegene Gebiete ausweichen.
Ganze Slums werden ersaufen, ob sie nun Venedig,
San Francisco oder New York heißen, ist egal.

Ihr fragt „Haben wir uns das verdient?“

Wir haben!

nach oben          home

 

 

 

 

 

 

 

 


Moab 

Dieses Wort steht für drei Begriffe
und ich will den Spagat versuchen
diese drei zu verbinden 

Chronologisch:
Moab – biblische Stätte (Jesaias 15,3 ff.)
Moab – Ort in Utah (4800 Einwohner)
Moab – Mother of All Bombs (Eglin Airforce Base)

Dazu einen Überbegriff finden?

Moab wurde über Nacht verwüstet, ging zugrunde
Bis nach Jahaz ist die Stimme zu hören
Darum zittern die Krieger von Moab
Ihre Seele verzagt
Mein Herz schreit auf wegen Moab

Moab wäre es ein kleines unbedeutendes Zentrum
läge es nicht dort, wo es liegt
So aber liegt es genau zwischen
zwei Nationalparks und ist ein wichtiges
touristisches Zentrum

Moab ist die Abkürzung für
Massive Ordnance Air Blast
praktisch die „Mother of All Bombs“
Was Mutterschaft mit Bomben zu tun hat
muss mir erst einer mal erklären
Aber gut: so iss sie, die Bush-Administration 

Moab ist zerschmettert
seine Geringen haben lautes Geschrei erhoben
und die Auswahl seiner Jünglinge
ist zur Schlachtung hingestürzt,
spricht Jehova, der König der Heerscharen

Moabs Umgebung besteht aus nichts
und liegt am Highway 191
Nicht weit ist es zum Arches National Park
aber auch der Canyonland Park liegt nah
Die Natural Bridges sind weltweit bekannt
Budget und andere Autoverleiher verdienen gut
die Hotellerie boomt

Moabs erste Explosion wurde von Fernsehteams gefilmt
Kopien an irakische Offiziere geschickt
So soll ihnen im Ernstfall das Kapitulieren leichter fallen
Psychologische Kriegsführung
im 21. Jahrhundert nennt man das
In 40 km Entfernung wackeln Türen nur mehr leicht

Moabs Verderben steht nahe bevor
und sein Unglück eilt sehr.
Beklaget es, ihr seine Umwohner alle
und alle, die ihr seinen Namen kennt
Und der Herr spricht:
Auf allen Dächern Moabs und in seinen Straßen
ist lauter Klage

Moabs Einwohner und Offizielle machen sich Sorgen
Seit es eine Superbombe gleichen Namens gibt
kommen weniger Touristen, bleiben die
Fremdenzimmer leer, die Geländewagen in den Garagen
Man schreibt erzürnte Briefe nach Washington
verlangt von Bush, seine Superbombe
doch umzubenennen
Andernfalls droht man mit Klage

Moab wird am zweiten Tag des Irakkrieges
im März des Jahres 2003 über einem der
Paläste des Schurken Saddams abgeworfen
Es ist ein präziser Krieg mit Satellitensteuerung,
mit Kameras an der Spitze einer jeden Bombe,
eines jedem Marschflugköpers
Bush, Cheney und Rumsfeld wollen
die Kollateralschäden möglichst gering halten
Die Fernsehbilder schreiender Kleinkinder
mit verbranntem Gesicht und durchlöcherten Gliedern
bleiben meinem Gehirn eingebrannt -
sie sind eine furchtbare Klage

nach oben          home


 

 

 

 

 

 

 



Möge Gott

Wieso lassen sich Erwachsene von ihm
in den Krieg schicken um dort im Sandsturm auf einem
riesigen Ölfleck mit einem Schrapnell
den Arsch aufgerissen zu bekommen?
Und dazu noch häufig von den eigenen Leuten!
“Friendly Fire“ – ha!

Ich hab’s auch nicht beim alten Adolf verstanden
Aber damals hab ich ja noch gar nichts mitgekriegt
außer, dass die Trockenmilch nach jedem
Fliegerangriff sandiger schmeckte
und dass mein alter Herr danach
jahrzehntelang mit einem Steckschuss im Kreuz
von einem russischen Scharfschützen rumlief.
Nicht operabel! 

Als Korea dran war, ging ich in die Grundschule,
beim Debakel des CIA in der Schweinebucht
quälte ich mich durch die Matura
und während der Vietnam-Schlappe
hatte ich meine Sorge mit den Weibern,
Schwangerschaften, Kindern und dem Broterwerb
und konnte mich um fremde Kriegsschauplätze
nicht auch noch kümmern

Heute bin ich alt und stelle fest, dass sich in der Welt
in Bezug auf Feindseligkeiten und Krieg
nichts zum Besseren gewendet hat – überhaupt nichts!
Wir leben zwar seit geraumer Zeit im 21. Jahrhundert,
und dennoch: die Bushies beginnen
den Irakkrieg Nummer 2.
Ich fasse es nicht!

Kinder und Frauen werden verstümmelt;
entsetzliches Leid wird mutwillig auf Befehl verursacht,
junge Männer verbluten und kommen
nach wenigen Tagen  in einfachen Särgen
um die halbe Welt nach Hause geflogen,
Sandstürme, Hinterhalte, brennende Ölgräben,
Mega-Super-Bomben neuester Bauart, Bakterien,
Chemie, schmutzige Atombomben, Anthrax,
Massenvernichtungswaffen, brennende Ölfelder,
Tarnkappenbomber, unvorstellbare Not, Hunger, …
Lügen, Lügen und wieder Lügen
Bush, Blair, Rumsfeld und Cheney –
und besonders Cheney!

Möge ein Gott ihnen verzeihen!

nach oben          home

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Im Bett mit Cheney und Rumsfeld

Wenn es dunkel wird im Land er einzigen
Supermacht dieser Erde und die
ersten Lichtstrahlen der selben Sonne
das Horrorszenario im Irak beleuchtet,
dann ist für Amerika „Showtime“.

Die US-Patrioten gehen nach der Arbeit
pünktlich nach Hause, denn ihr Krieg
kommt gleich zur besten Sendezeit
auf allen Kanälen.
Es ist die größte Reality-TV-Show
in der Geschichte des Fernsehens.

In den Sendungen von ABC, CBS, NBC, Fox
und CNN geht es zu wie bei einer
Sportgroßveranstaltung in Konferenzschaltung.
Der Bildschirm ist in vier Teile geteilt,
damit nur ja kein Einschlag verpasst wird.
Die Kommentatoren kennen nur Superlative:
die präzisesten Waffen, die härtesten Marines.
der schnellste Vorstoß, die zerstörerischste Megabombe.

Sie senden live von Flugzeugträgern,
aus dem rollenden Panzer,
im Sandsturm aus der Wüste
und aus Bagdad, der brennenden Stadt.
"Was für eine herrliche Explosion,
welch ein gigantischer Rauchpilz“
ruft der CNN-Sprecher euphorisch.

"Fantastische Bilder", jubiliert der Kollege
von der kuwaitischen Grenze, als sich der Himmel
orangerot verfärbt,
„ich habe so etwas noch nie gesehen!“
“Das ist einmalig“, meldet sich ein anderer
Reporter aus einem Panzer
"noch nie hat man im Fernsehen
einen Panzerangriff durch die Sehschlitze
des an die Front vorrückenden Tanks erlebt.
Und Sie zu Hause sind live dabei."

"Embedding" heißt so viel wie „eingebettet“ oder
„mit jemandem im Bett sein“.
500 Journalisten, davon 400 aus den USA,
sind also stellvertretend für die an den Schirmen
mit der Cheney-Rumsfeld-Bande im Bett!
Und sie bekommen nur die Lustschreie
ihrer Helden beim Vergewaltigen zu sehen.

Die von der Vergewaltigung blutgetränkten
Bettlaken zeigt man ihnen nicht!
Aber wir im alten Europa sehen sie
und wir sehen auch das unendliche Leid,
das Verbrechen und den Wahnsinn.
Und wir erkennen auch die Gier der Mächtigen,
die hinter all dem zu stehen scheint
und durchschauen als Unbeteiligte
die Machenschaften der Bande leichter
als jene, denen man „America at War“ täglich
als erfolgreiches TV-Spektakel verkauft.

nach oben          home


 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bereit ?

HIV, Ebola, SARS, …
Ist es schon soweit mit uns?
Wir haben es geschafft,
dass sich der ganze Globus gegen
seinen Peiniger Mensch
verschworen hat
und jetzt zurückschlägt.

Als nun zuletzt SARS
die gefährliche Lungenkrankheit auftauchte,
hab ich sogleich gewusst:
kriegen die das nicht rasch
in den Griff, dann gute Nacht!

Kurze Zeit nach dem ersten „Fall“
sind weltweit bereits über 2000 Menschen
in mehr als 15 Ländern infiziert –
bei weit höherer Dunkelziffer -
Und täglich sterben mehr daran.
Bis heute sind es 65.

Ganze Hochhäuser und menschliche
Düsenjetladungen werden unter
Quarantäne gestellt
In vielen Ländern werden
die Atemschutzmasken knapp
und es ist kein Abwehrmittel in Sicht.

Die tollste Ausrede eines WHO-Meschen
hab ich gestern gehört:

Wir wollen gar kein Gegenmittel herstellen
Viel besser wäre es, durch Quarantänen
die Krankheit dorthin zurückzutreiben
woher sie gekommen ist. Mhm!?

Ich finde, solche Aussagen sind ein
schlechtes Zeichen – ein ganz schlechtes!
Aber Österreich hat vorgesorgt:
Jeder, der in Schwechat aus Asien kommend
landet, erhält gratis ein Merkblatt,
auf dem Symptome und Verhaltensregeln
für den Ernstfall aufgedruckt sind.
Ob das reichen wird, darf ich wohl bezweifeln!

In Verbindung mit der verheerenden
Weltwirtschaftslage, dem wahnsinnigen
Krieg im Irak, der dramatischen
Klimaverschlechterung –
um nur ein paar Fakten zu nennen –
kann SARS der Auslöser
zum Jüngsten Gericht sein!

Ich weiß nicht, ob wir alle darauf vorbereitet
und geistig dazu bereit sind
Das macht mir schon noch Sorgen!

nach oben          home

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Counter

Iraq Body Count
Du liest richtig! Im Netz gibt es einen Zähler, der die
zivilen Todesopfer im Irakkrieg  von D. Rumsfeld
und W. Bush penibel auflistet.
(www.iraqbodycount.net)

Aber nicht nur das!
Zu jedem Toten oder jeder Gruppe
von getöteten Kindern, Frauen und Männern
werden genauest vermerkt:
Wann? Wo? Genaues Ziel,
mit welchem Waffensystem
und aus welcher Quelle diese Info stammt.
Danach folgen zwei rote Zahlen.
Heute – 2. April 2003 – kann man lesen:
MIN: 565      MAX: 724
Bedeutet: vergleicht man alle einkommenden
Meldungen über Tote, so kommt man mindestens
auf  565 und höchstens auf  724 zivile Opfer!
Die Zahlen werden mehrmals am Tag aktualisiert!

Und diese Page hat mehr Zugriffe
als Michael Jackson’s Skandale
Wolfgang Goethe’s gesammelte Werke
oder alle Baywatch-Superbusen zusammen.

Was sind wir doch ein blutgeiles, verkommenes Pack!
Wir haben endgültig und für immer das Recht verwirkt
uns die „Krone der Schöpfung“ zu nennen!

nach oben          home

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Sie reden zu mir

Zwischen 2h49 und 3h50 habe ich ausgeschlafen zu sein
Hängt nur von der Jahreszeit und von der Helligkeit ab
ob sie zum Frühtermin starten oder nicht:

meine beiden Kater, Tigi, knapp ein Jahr
und Petzi, zweieinhalb Jahre alt.

Der ältere der beiden läuft draußen frei herum
zu jeder Tages- und Nachtzeit.
Er ist groß, er ist erwachsen, ich kann mich
auf ihn verlassen -
soweit man das von Katzen überhaupt behaupten kann.
Der bullige, rot-weiß gefleckte Bursche
der eher langsam und auch geistig etwas
behäbig wirkt, ist durch und durch gutmütig,
lässt sich gern verwöhnen und wenn er gut drauf ist
von allen Kindern der Umgebung kraulen
und herumschleppen, ohne dass er auch nur
ein einziges Mal zugebissen oder seine Krallen
in fremdes Fleisch geschlagen hätte.

Doch kann er auch flink und sprungfreudig sein,
was man ihm nie zutrauen würde.
Er springt aus dem Stand über einen Erwachsenen
oder rast in Windeseile auf den nächsten Baum
wenn er dort Beute vermutet oder auch nur um
seine Ausgelassenheit und Überlegenheit
demonstrieren zu können.

Er hat in mir seine Bezugsperson gefunden -
er hat sich mich dazu ausgesucht, nicht ich
habe ihn zu meinem Haustier erwählt -
mich akzeptiert er, mich liebt er, in mir
sieht er seinen Ernährer, zu mir kommt er,
wenn es draußen für ihn gefährlich wird.

Er gibt kaum einen Laut von sich, sein
größtes Unbehagen tut er mit einem
leisen Fauchen kund, das fast wie
ein menschlicher Seufzer klingt – mehr nicht.

Der kleine – er ist mein Tiger und
heißt auch so – verfügt hingegen über einen
ungeheuren Wortschatz,
den er auch ununterbrochen
und lautstark einsetzt, um sich bei mir Gehör,
Interesse und ungeteilte Aufmerksamkeit
zu verschaffen.

Das klingt dann wie zaghaftes Rufen,
lautes Wehklagen, mahnendes Erinnern, ja
ganze Dialoge mit verschiedenen Wortfolgen
ringen wir einander gegenseitig ab.
Es mag für einen Außenstehenden eigenartig,
ja vielleicht sogar leicht befremdlich aussehen,
wenn wir zwei mehrmals am Tag unsere
Zwiegespräch abhalten

Und ich bin sicher, er versteht mich dabei sehr gut
wie auch ich natürlich jede seiner Äußerungen
aufmerksam quittiere.
Dabei kann es schon manchmal vorkommen,
dass wir einander ins Wort fallen
oder uns dieses auch abschneiden.
Wichtig bei diesen Gesprächen ist,
dass wir Augenkontakt haben,
denn mehr als die Hälfte seiner miauten
Äußerungen wird erst eindeutig verständlich,
wenn man dabei seine Körperhaltung, die Lage
seines Köpfchens, die Haltung der Ohren und
des Schwanzes mitbekommt.

Ich bin heute in der Lage, fast alle seine Laute
richtig zu deuten und sinngemäß und für ihn
verständlich darauf zu antworten.
Dabei kommt es weniger auf den genauen Wortlaut
umso mehr aber auf die Tonmelodie und meine
Stellung und Haltung der Hände zu ihm an.
Die Gespräche mit ihm stellen für uns beide jeden Tag
die kommunikativen Höhepunkte dar.

Dabei hat alles recht einfach begonnen.
Zuerst war ich erstaunt, dass er recht bald
beim Nennen seines Namens darauf reagierte.

Er hob seinen Kopf und kam – zwar nicht sofort
aber nach geraumer Zeit - auf mich zu.
Später genügte bereits ein Ruf in seine Richtung
und er antwortete mit einem gurrenden Laut
von knapp einer Sekunde, der am Ende höher wurde
Wenn er sich also irgendwo im Raum aufhält
genügt das etwas lautere Aussprechen seines Namens
und er antwortet mit dem erlernten Ton.

Das ging nicht aufs erste Mal, das musste gehörig
trainiert werden und machte uns beiden Spaß!
Klappte es, wusste ich ihn sofort mit einer Geste
oder einem ihm angenehmen Körperkontakt zu belohnen.

Auch er kann jederzeit zu mir Kontakt aufnehmen.
Dabei stößt er einen ganz bestimmten Laut aus,
bei dem ich weiß, er sucht mich oder
zumindest meine Aufmerksamkeit.
Natürlich gebe ich mit einem  etwas in die Länge
gezogenes „Jaa“, das ebenfalls am Ende mit der
Melodie hinaufgeht, Antwort.
Treffe ich den richtigen Ton, den richtigen Klang,
entspinnt sich sofort ein längeres Gespräch,
in dessen Verlauf er sich mir nähert und meine
Hand oder meine Beine sucht.

Meist halte ich ihm schon meine Hand
in seiner Kopfhöhe entgegen, die er auch prompt
ansteuert, um sich von ihr streicheln
oder kraulen zu lassen.
Eine Zeitlang geht unser Gespräch dann noch so weiter
und es ist ein untrügliches Zeichen für mich,
dass er sich rundherum wohl fühlt,
wenn er sich langsam zur Seite fallen lässt,
und den Kopf in die Höhe reckt,
um sich am Hals streicheln zu lassen.

Da fällt mir sofort das Sprichwort ein,
das auch für mich zutrifft:
Seit ich die Menschen kenne,
habe ich die Tiere lieben gelernt!

nach oben          home

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Pardon! 

Jetzt hab ich knapp 40 Jahre lang für wenig Geld die Kinder fremder Leute beaufsichtigt und unterrichtet, damit die lieben Eltern zusammen mehr Kohle machen konnten, doch ich kam damit kaum zu Rande. War der pure Stress, das könnt ihr mir glauben. Aber ich schweife vom Thema ab.

Im Kern geht es darum, dass besagter Stress auch sein Gutes für mich hatte.

Treffe ich nach Jahren einen ehemaligen Schüler wieder; es muss Ende der Sechziger Anfang der Siebziger gewesen sein. Wir feiern unser Wiedersehen und frischen alte Erinnerungen in einer Kneipe bei etlichen Bieren auf. Und irgendwie – nach Sex und den Weibern – kommt die Rede auf Literatur.

“Kennst Du die Zeitschrift PARDON?“ fragt er mich.
“Nein, sollte ich?“
“Und Bukowski sagt dir demnach auch nichts, was?“
“Nein.“
“Mensch, den solltest Du aber mal lesen“, meint mein Ex-Schüler etwas geringschätzig. Klar, weiß er doch jetzt mal etwas, was sein Lehrer nicht weiß. So etwas baut auf.

Ich hab die Zeitschrift und den Dichter längst vergessen, als mir Wochen später beim Zahnarzt im Wartezimmer ein Exemplar von PARDON in die Hände fällt: Rotes Titelblatt, schwarzer Teufelskopf mit zwei Hörnern und Hut drauf und in krakeliger Schrift das Wort PARDON. Sofort erinnere ich mich an meinen Exschüler und seinen versteckten Vorwurf. Ich blättere die etwas provokante Zeitschrift durch und im Inneren treffe ich auf ihn: C. Bukowski.  

Titel und Inhalt der Story sind mir heute längst entfallen, aber eines weiß ich ganz genau: ab diesem Zeitpunkt änderte sich mein Leseverhalten grundlegend.

Dieser Schriftsteller hieb mich um, Wort für Wort, Satz für Satz! Der konnte schreiben, wie keiner von denen, die ich vorher gelesen hatte. Und das waren nicht wenige – klar, als Lehrer! Ich kannte sie alle, von Ovid bis Shakespeare, von Pearl S. Buck bis Goethe, von Heine bis Nabokow. Auch Hemingway, Miller, Joyce und James Jones hatte ich verschlungen. Damit war ab sofort Schluss. 

Im Laufe der Zeit kaufte ich mir alles, was von diesem wahnsinnigen, frauenfeindlichen, saufenden, grobschlächtigen, brutalen, um sich schlagenden und doch so einfühlsamen und die Frauen liebenden Bukowski in die Buchhandlungen kam. Und als ich alles durch hatte, fing ich wieder von vorne zu lesen an. Manche seiner Bücher habe ich mehr als zehnmal gelesen. Sie sind mir wichtiger als Schiller, die Mathematik und die gesamte Kernphysik. Denn BUK hatte seine Doktorgrade auch nicht in diesen universitären Wissenschaften erworben. Seine stammen aus den Schlachthöfen, den Ausnüchterungszellen und den Bordellen, wie er mehrfach selbst betonte.

Besessen wartete ich auf jede Neuerscheinung von ihm, die ich dann viel zu schnell verschlungen hatte. Begann eines der Bücher durch meine Lesewut zu zerfleddern, kaufte ich es mir unverzüglich nach. So habe ich 20 Jahre lang nichts anderes gelesen als BUK. Was sonst?

Und dann das Unfassbare: gibt der alte Sack doch noch vor mir den Löffel ab! Scheiße, was tue ich jetzt?!  

Immer wieder von vorne lesen, aber das wird mir zu wenig.
Nachdem ich alle Bibliotheken Wiens durch hab, durchforste ich das Internet, werde Mitglied der Charles Bukowski-Gesellschaft und treffe dort auf einen jungen Menschen, der mir erzählt, dass demnächst ein tausendseitiger Band mit alten und unveröffentlichten Texten von Charles rauskommt. Und er wird mir ein Exemplar besorgen, gleich wenn es erschienen ist. 

Es hat sich gelohnt, dass ich ein Leben lang so guten Kontakt zu den Jungs hatte. Ich bin gerettet!

nach oben          home

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Der Freund 

Weit über 70 ist er und lässt sich von mir noch erklären, wie ein PC funktioniert. So was geht nicht an einem Nachmittag, und so bin ich nun oft bei ihm und dabei erzählt er mir von seiner beschissenen Kindheit vorm Weltkrieg und der noch beschisseneren Jugend und davon, dass er in den Wirrnissen zu Kriegsende zweieinhalb Jahre in Graz gesessen hat.

Er hat keinen Schulabschluss, keinen erlernten Beruf, hat fallweise Hilfsarbeiten angenommen und in den Fünfzigern den Goldenen Handschuh erboxt. Ein Freund bringt ihn im psychiatrischen Krankenhaus unter, wo er Hilfspfleger wird und so Fuß langsam fassen kann.

Die nächsten Stationen: Ehe, C-Beamter, eigene Wohnung, Rassehündchen und die Vespa tauscht er gegen einen kleinen Gebrauchtwagen. Er hat es doch noch geschafft. Bald kennt man ihn auf den Tennisplätzen und in den Spielcasinos. Mal gewinnt er, dann wieder geht alles den Bach hinunter. Schulden, Frauengeschichten und Urkundenfälschung führen zur Scheidung.

Doch noch einmal fängt er sich, findet eine neue Liebe für die späten Jahre, erhält sich seine Gesundheit bis ins hohe Alter und weiß genau, dass er ein famoser Glückspilz ist.

Und dann bin da noch ich, sein Freund, mit dem er sogar noch das Internet erobern wird. Ha!

nach oben          home


 

 

 

 

 

 

 

 

 

Keine Chance! 

Seuchengefahr rund um den Globus. Und das zu Beginn des dritten Jahrtausends! In einer Welt, in der wir doch alles längst im Griff haben sollten.

Haben wir aber nicht, weil wir zu blöd dazu sind. Ganz einfach: zu wenig Hirn in zu vielen Schädeln! Eine klare Feststellung mit fatalen Folgen.

Es beginnt mit einem Husten in einem asiatischen Bergdorf – und schon ist es um die Menschheit geschehen. Bis Kanada und Afrika, bis Deutschland und Südamerika breitet sich das Virus rasend schnell aus.  

Und die Regierungen? Arbeiten wieder einmal viel zu langsam, rennen der modernen Pest entsetzt hinterher. Ganze Flugzeuge werden zu Quarantänestationen, Wolkenkratzer abgesperrt, Millionen Menschen rennen mit kleinen Tüchern vorm Mund in Todesangst durch die Straßen. 

Und in den Fernsehbildern aus diesen Gegenden kommt so richtig die Angst vorm Jüngsten Gericht rüber. Isses schon so weit? Wird es mich heute erwischen. Hab ich das Scheißding schon eingeatmet? Hat es mein Partner schon? Meine Kinder gar vielleicht?

Das Gesundheitswesen wird natürlich voll aufm falschen Fuß erwischt. In manchen Großstädten gibt es oft nur zwei Betten, die über eine wirklich dichte Quarantäne mit Behandlungs- und Forschungsmöglichkeit verfügen. Die meisten der Millionenstädte haben nicht einmal das!

Bis die WHO eingreift, sind bereits in 12 Ländern Infizierte aufgetaucht; Peking und Toronto erwischt es am schlimmsten. Jeden Tag werden mehr Tote gemeldet.

Noch immer wird nach dem Erreger gesucht; tollste Theorien und Vermutungen kommen hoch: Ein aus einem Bio-Waffenlabor entsprungener Stamm? Ist das Virus einer Geflügelpest plötzlich mutiert und hat den Menschen befallen?

Camus Pest wird wieder verstärkt in den Buchhandlungen nachgefragt. In den Medien wird die Liste der Länder aufgezählt, wo SARS noch nicht aufgetreten ist. Sie wird jeden Tag kürzer. Mediziner glauben, dass wir diese heimtückische Lungenkrankheit nicht mehr in den Griff bekommen können – zuviel Zeit wurde kurz nach ihrem Ausbruch vergeudet.

Ganze Nationen stöhnen auf, wenn in ihrem Land der erste SARS-Fall protokolliert wird. Die Wirtschaft verzeichnet enorme Rückschläge, der Fremdenverkehr bricht zusammen, Fluglinien gehen in Konkurs.

Und nach nicht einmal einem halben Jahr ist alles vergessen. So wie die Seuche aufgetaucht ist, so ist sie auch verschwunden, nachdem sie zahllose Tote als Mahnung mitgenommen hat.

Doch was kratzt uns das? Wir sind die Erfolgsgeneration! Wir fürchten weder Tod noch Teufel und schon gar nicht so kleine unsichtbare Krankheitserreger.

Sie lernen nichts mehr dazu! Sie rennen lachenden Auges ins offene Messer. Wie meinte BUK so richtig?
Menschheit, du hattest von Anfang an keine Chance!

nach oben          home

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Löwenzahn 

Ich hab in letzter Zeit Probleme mit meinen Augen. Sie tränen, Schleier überziehen das rechte der beiden, wo besonders am Morgen auch so gelbes Zeug austritt.

Vielleicht liegt’s an der Brille oder an den 60 Jahren, die ich auf’m Buckel hab. Egal.

Unlängst sitz’ ich in dem Lokal an der Ecke, der Ober im verschwitzen grünen Hemd mit der schwarzen Lederschürze bringt mir das erste Bier und die Karte. Ich blättere zu den Steaks auf der vorletzten Seite, da zieht sich von oben her ein heller Schleier über mein rechtes Auge. Blitzschnell.

Der Schreck fährt mir in die Hose, mein Hirn rast: ist er jetzt da, der Star? Erblinde ich von einem Moment auf den anderen?

Ich reiß mir die Brille runter, dass fast ein Ohr am Bügel hängen bleibt. Und aus dem Zwischenraum zwischen Auge und Brillenglas schwebt er davon: der Samen eines Löwenzahns mit seinen vielen hauchdünnen sternförmig angeordneten Strahlen, in dessen Zentrum eine winzige Spinne sitzen soll. Das hab’ ich zumindest jahrelang meinen Schülern erzählt, wenn in Biologie wieder mal die Rede auf den Löwenzahn kam.

Das T-Bone mit der Pfeffersoße und den Bratkartoffeln schmeckt dann noch ausgezeichnet.

nach oben           home

 


 

 

 

 

 

 

 

 

Der Keiler 

Er steckt in einem roten T-Shirt mit der Aufschrift ‚Minus 50%’, sieht stark nach Inder aus und spricht mich direkt vor der Bank an:

“Kennen sie schon das Telefonieren um 50% billiger?“
“Klar, hab ich doch schon zu Hause – iss’n prima Ding!“
“Und müssen sie noch Null und Eins vorwählen?“
“Ach woher, das geht bei mir längst ohne Vorwahl.“ 

Sein ruhiger Inderblick wird ein wenig trauriger. Sicher denkt er: ‚Wieder kein Geschäft zu machen’.

“Aber jetzt hab ich mal eine Frage: Wann kann man denn bei euch auch endlich mit’m Handy um 50% billiger telefonieren?“

Sein Blick hellt sich schlagartig auf:
“Das geht doch schon. Kommen sie, unterschreiben sie gleich hier bei mir.“
“Nur langsam, ich will aber meine alte Nummer behalten.“

Verzweifelt kneift er die schwarzen Augen zusammen:
“Das sollte man schon längst können, aber immer wieder heißt es ‚nächsten Monat’. Aber ich kann ihnen sofort eine neue Nummer geben.“
“Davon hab ich doch nichts. Was mach ich denn mit meinen Visitenkarten, dem Stempel und den Briefköpfen? Nein, nein, dann warte ich noch so lang, bis ich meine Nummer mitnehmen kann. Aber wie sieht es mit’m Internet aus? Seid ihr da auch um die Hälfte billiger? Aber ich hab eine High-Speed-Anbindung, die muss ich aus Geschäftsgründen unbedingt behalten.“

Damit schaffe ich ihn vollends. Er reicht mir beide Hände zum Abschied, will mich möglichst schnell loswerden. Ich kann’s verstehen. Hat er doch geglaubt, mit mir leichtes Spiel zu haben.  

Ich setz’ mich an einen der kleinen Tische des Eissalons, wo ich den Eingang zur Bank im Blickfeld behalte und bestelle mit Handzeichen ein Bier. Drüben bückt sich mein 50 Prozent-Inder und holt eine Coladose unter dem Stein vor der Bank hervor. Er nimmt einen tiefen Schluck daraus, blickt auf seine Uhr, schüttelt den Kopf, legt seine Werbezettel unter den Stein und verdrückt sich in seine wohlverdiente Mittagspause.

Es ist 10 vor 12, als endlich mein Bier ankommt.

nach oben          home

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Geflügel 

Sie ist keine 18, langbeinig, schlecht auf blond getrimmt, steckt in einem ehemals weißen Arbeitskittel und steht etwa eine Handbreit vor einer glühend heißen Maschine, in der sich aufgespießte Vögel drehen. Hühner und Enten auf zehn Eisenstangen, fünf Stück auf jeder.

Vor ihr sind sie in Zweierreihen angestellt, um noch so einen Vogel zum Mittagessen zu ergattern: Kids mit zu wenig Geld in den kleinen Fäusten, Alte, die sich an ihren Rollwagen klammern, Besoffene, die wankend um ein weiteres Bier anstehen. 5.40 kostet ein ganzes Huhn, 2.80 ein halbes, steht an den Seitenwänden der knapp 2 mal 2 Meter großen Bude. Enten sind etwas teurer, weil sie schwerer zu erlegen sind.

Der winzige Seiteneingang zur Box ist mit vollen und leeren Bierkisten verstellt. Alle 30 Sekunden wandert ein halbes oder ganzes Geflügel über den Ladentisch – die Kasse klingelt im gleichen Intervall.

Alexa, so heißt die arme Blonde, steht von 9 bis 20 Uhr vor dem glühenden Ofen. Alle paar Stunden kommt ihr Chef im Kombi vorbei, bleibt im Halteverbot stehen, knallt ihr neue Spieße unter die Budel, leert die Kassa und düst zum nächsten Stand einige Blocks weiter.

Alexa reicht mir ein Bier herüber: „Ich träume schon von aufgespießten Hühnern, ob sie’s glauben oder nicht!“
Ich glaub’s ihr und zwinkere ihr zu - sie lacht zurück.

Dann lege ich ein kleines Trinkgeld neben die Kasse – sie freut sich. Der Chef hält sie eh viel zu kurz – weit unter Kollektivvertrag. Wir haben alle nichts zu lachen!

nach oben          home


 

 

 

 

 

 

 

 

 

Scotch 

Joe betrat das Lokal und musste sich gleich bei der Tür an einem Rollstuhl, der 2/3 des schmalen Ganges verstellte, vorbeizwängen. In ihm hockte zusammengesunken eine etwa 60-jährige, die sich mit der einen noch intakten Hand an der Tischplatte des runden Kaffeehaustisches anklammerte.

Neben ihr ein etwa gleichaltriger Mann in einem schlichten, grauen Anzug, der an Kragen und Ärmeln bereits deutlich abgewetzt war. Außer den beiden, vor denen je ein Glas mit einem grünen Getränk stand, war kein Mensch in dem Lokal, dennoch ließ Jo zwei Tische zwischen dem ungleichen Paar und sich frei, bestellte seinen Scotch mit Wasser und nahm in der Ecke mit dem Gesicht zur WC-Tür Platz.

Als der Kellner mit dem eingefallenen Gesicht das Glas vor Jo auf den Tisch stellte, hatte dieser bereits mit dem Sortieren der Briefe aus seiner Rocktasche begonnen. Er kam jedoch nicht weit.

Die Rollstuhlfahrerin setzte nämlich noch vor dem zweiten Brief zu einem immensen Hustenanfall an. Zuerst klang es, wie wenn Blech aufeinander schlägt, dann mischte sich zu dem Lärm ein pfeifendes Rasseln, das nur ab und zu von heiseren Schreien und dem stoßweisen Ringen nach Luft unterbrochen wurde. Spucke und zäher Schleim kamen hörbar hoch, ein Schwall löste den nächsten ab. Es war grausig anzuhören.

Jo wusste, warum er diesen Platz und keinen anderen gewählt hatte und war froh, das Drama nicht in seinem Blickfeld zu haben. Er öffnete den nächsten Brief und zwang sich, den Inhalt zu verstehen. Es ging um ein Geburtstagsgeschenk, das ihm der Chef eines Ladens, wo er Stammkunde war, persönlich überreichen wollte.

Und immer wieder wurde er von den gleichermaßen quälenden wie qualvollen Erstickungsgeräuschen zwei Tische weiter aus seinen Gedanken gerissen. Er musste jeden Satz dreimal lesen. Wann kommt denn endlich der Notarzt oder der Leichenwagen! 

„… und nehmen Sie Ihre Bonuskarte vom letzten Jahr mit, denn diese muss von Ihnen beim Empfang des großzügigen Geschenkes vorgelegt werden.“

Wo hatte er diese Karte bloß? Er konnte sich nicht entsinnen, je eine solche Karte besessen zu haben. Auch in seiner Brieftasche konnte er sie nicht finden. Der nächste Brief enthielt die Zweimonatsrechnung seiner Telefongesellschaft. Die wollten auch jedes Mal mehr von ihm, obwohl er, wie er sicher wusste, keine drei Anrufe im Monat tätigte.

Dann war da noch eine Mahnung seiner Exfrau. Bei ihr war er 2 Monate mit den Alimenten in Rückstand. Aber deswegen gleich mit dem Anwalt zu drohen? Er verstand die Welt nicht mehr – oder die Welt ihn? Egal!

Er trank sein Glas aus und ließ ein paar Münzen auf die Tischplatte fallen. Dann erhob er sich. Und beim Hinausgehen fiel es ihm erst auf: Die erstickende Alte in ihrem Rollstuhl war verschwunden – und ihr Begleiter auch. Wo die jetzt wohl sein mochten?

Wir haben es heute alle nicht leicht, über die Runden zu kommen und manche erleben den nächsten Frühling nicht. Einige nicht einmal den nächsten Sonnenaufgang.

nach oben           home

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Sahara 

Es war Samstagabend, die Hitze war unerträglich, und Joe betrat die kleine Bar in der Raxstraße oben am Laaerberg, der eigentlich kein Berg sondern nur ein kleiner Anstieg der Autobahn war, wenn man Wien vom Süden her anfuhr. Jo war hier eigentlich nur stehen geblieben, weil es seine Blase bis in den Osten der Stadt, wo er sein Zimmer hatte, nicht mehr ausgehalten hätte. Er bestellte sein Bier und trat durch die Hintertür auf den kleinen Hof. Die Luft stand hier steif und fest und man konnte sie fast wie Seide greifen. Sie legte sich wie ein heißer Schleier über alles. Jo fand das Klo, erledigte sein Geschäft und machte sich auf den Rückweg ins Lokal.

Es war gerammelt voll, die Getränke rollten in Wellen über die Theke und die Ventilatoren schnitten die gelbheiße Luft mehr als sie Kühlung verschafften. Seit zehn Wochen war in der Stadt kein einziger Tropfen Regen mehr gefallen. Alte und Kranke fielen um wie die Fliegen. Und wenn man dem Wetterbericht glauben schenkte, dann würde es auch noch bis in den September und den halben Oktober hinein so bleiben.

Obwohl es knapp vor Mitternacht war, hatte es auf dem Digitalthermometer neben der Türe noch immer 38 Grad Celsius. Unter tags hatte es die letzten Wochen schon etliche Male 45 und mehr Grade gehabt.

“Laß doch noch ein Bier auffahren“, orderte Jo seine nächste Flasche Pils und blickte wie beiläufig durch die Runde. Die meisten Mädels hatten nur mehr Bikinis oder Shirts an, fast alle Männer saßen mit bloßem Oberkörper in der stickigen Luft. Alle rauchten ihre Filterlosen – Camel und Lucky Strike waren die bevorzugten Marken hier drinnen – und allen rann der Schweiß in Strömen über Oberkörper und die Oberarme und von den Handgelenken tropfte er auf die Tischplatte.

An die Ozon- und sonstigen Warnstufen, die über Radio regelmäßig angesagt wurden, hatte man sich längst gewöhnt, auch daran, dass die Gewaltverbrechen in den letzten Wochen sprunghaft zugenommen hatten. Alles eine Folge der Klimaänderung, die nun doch schneller vorankam, als die Meteorologen-Heinis uns vorausgesagt hatten, als sie meinten, dass in 50 oder 100 Jahren in Europa die Wüste Platz greifen würde. Auf die vom Wetterdienst war eben auch kein Verlass mehr.

Nach dem dritten Bier war für Jo wieder mal ein Besuch der WC-Anlagen fällig. Als er die Tür zum Hof aufstieß, fühlte er einen schwachen Widerstand – als ob jemand dagegen hielt – nur war da niemand. Endlich hatte er die Tür so weit offen, dass er auf den dunklen Hof schlüpfen konnte. Unter seinen Schuhsohlen knirschte es ein wenig. Es war noch immer unmenschlich heiß.

Jo bückte sich: Sand! Es war tatsächlich feinster, heller Sand, der in kleinen Wellen, den Betonboden überzog. Leicht benebelt öffnete Jo den Zipp seiner Hose, erledigte sein Geschäft und trat noch einmal auf den kleinen Hof. Gelblich glitzerte der Sand auf der Erde. Jo ging nicht mehr ins Lokal zurück, sondern trat durch einen Seitenausgang hinaus auf die Straße wo er seinen VW geparkt hatte. Unwillkürlich blickte er hinauf zum Himmel und erschrak: Kein Stern blinkte dort oben, obwohl es seit Wochen keine Wolken mehr gab. Verdammt, wo waren die Sterne? An ihrer Stelle zogen helle Schwaden, wie Nebel durch die Luft. Nur dass der Nebel aus Myriaden von Sandkörnern bestand.

Endlich hatte er sein Auto gefunden. Es war mit einer fingerdicken Schicht Sand überzogen, wie auch die Straßen, die Gehsteige, die Laternen und alles andere auch. Dazu kam nun noch leichter Wind aus Süden auf.

Jo stieg in sein Auto, startete und als er auf die Stadtautobahn auffuhr, kräuselte der Sand bereits in kleinen Dünen über die Fahrbahn. Er hatte noch eine Dreiviertelstunde bis nach Hause.

Der Wind wurde von Minute zu Minute stärker, die Sicht schlechter und zu beiden Seiten der Fahrbahn konnte man liegen gebliebene Fahrzeuge erkennen. Der feine Sand hatte begonnen Vergaser und andere empfindliche Teile der Autos lahm zu legen. Auch mussten ein paar Raser auf dem feinen Sand von der Fahrbahn gekommen sein.

Er drehte das Radio auf und suchte seinen Klassik-Sender. Nichts! Er drehte an den Knöpfen und stellte den Schlagersender ein: Wieder nichts! Der sollte doch stets 24 Stunden lang senden. Irgend etwas musste passiert sein.

Da wurde auch Jos Auto langsamer, nahm nicht mehr so richtig Gas an. Obwohl er das Pedal schon ganz durchgetreten hatte, zeigte der Tacho kaum mehr 40 km/h an. Und dann übersah er auch noch den Tankzug, der wie in Zeitlupe die Böschung herunter und direkt auf seinen fast zum Stillstand gekommenen VW zurollte. Im letzten Moment trat er noch ein paar Mal wie verrückt das Gaspedal, zerrte verzweifelt am Lenkrad und wurde Sekundenbruchteile später das erste Opfer der mitteleuropäischen Sahara.

nach oben          home

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Trinkwasser 

So einen schönen Herbst hatten wir schon lange nicht mehr gehabt. Jo war zeitig in der Früh mit seinem VW bis an den Rand des Wasserschutzgebietes gefahren hatte neben der Talstation geparkt und mit der Gondel auf knapp 2000 m herauf gefahren. Es war angenehm kühl, und Jo wollte sich einmal ordentlich die Beine vertreten. Als Großstadtmensch kam man ohnehin viel zu wenig dazu etwas für seine Lungen und den Kreislauf zu tun.

Um diese Zeit war hier kaum jemand unterwegs. Jo schritt tüchtig aus und legte erst nach zwei Stunden auf einer Lichtung mit einigen Baumstümpfen die erste Rast ein. Er verspeiste sein mitgebrachtes Brot und leerte seine Plastikflasche zur Hälfte, bevor er wieder aufbrach.

Nach einer knappen Stunde entdeckte er am Wegesrand eine frische Quelle, er labte sich, leerte seine Flasche und füllte sie mit dem frischen, köstlichen Nass. Bald kam er an einen Zaun, den er entlang schritt, bis er zu folgender Blechtafel kam:

Betreten des Wasserschutzgebietes bei Strafe verboten. Darunter waren eine Zahl und eine Behörde vermerkt. Jo benützte die Pause und trank wieder aus seiner Flasche. Dann marschierte er weiter.

Nach abermals einer halben Stunde kam Joe an einen kleinen Stausee, der hinter dem Zaun lag. Da niemand zu sehen war, fasste er sich ein Herz, warf seinen Rucksack über den Zaun und kletterte hinterher. Kaum war er ein Stück am Ufer entlang gegangen, erblickte er zwei Gestalten, die sich am anderen Ende der Staumauer zu schaffen machten. Jo suchte hinter einer Hecke Deckung, holte sein kleines Fernglas aus dem Rücksack und blickte durch. Und was er hier zu sehen bekam, verschlug ihm fast den Atem.

Die beiden Kerle öffneten zylindrische Plastiktonnen, die gelb und rot angestrichen waren und auf deren Stirnseiten schwarze Totenköpfe prangten, und kippten deren Inhalt seelenruhig ins Wasser. Auf diese Weise mussten bereits zehn oder mehr Fässer entleert worden sein.

Sofort erfasste Jo die Situation. Die Verbrecher waren dabei, das Trinkwasser der nahe gelegenen Hauptstadt zu vergiften. Und während er überlegte, wie er am klügsten vorgehen sollte, erfasste ihn eine nie gekannte Übelkeit. Er wollte aus seinem Versteck hervor treten, wollte weglaufen und Hilfe holen.

Daraus wurde nun nichts mehr. Und im Zusammensinken verfluchte er den Moment, an dem er an der Quelle seine Flasche mit vermeintlich frischem Wasser gefüllt hatte.  

nach oben          home

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Vor der OP 

Endlich bin ich an der Reihe. Ich leg ihm die Befunde
und die Röntgenbilder auf’n Tisch

“Ganz klar, das ist nur ein kleiner Eingriff, Herr Schida.
Das machen wir bei uns am Klinikum am Tag dreimal.“

“Soso?!“

“Und am dritten oder vierten Tag gehen sie nach Hause,
fahren 3 Wochen zur Kur und kommen frisch und stark
wie nach einem Urlaub wieder heim.“

“Hmhmm?“

“Klar, doch!
Zuerst machen wir schon mal ambulant alle Checks
für die Operation: Herz, Lunge, Kreislauf, Gefäße.
Ich schätze in zwei Wochen könnte es dann schon
losgehen!“

“Ich überleg mir’s noch Doc
und sag ihnen telefonisch Bescheid. O.K.?“

“Klar geht das, aber lassen sie sich
nicht zu lange Zeit – man kann nie wissen!“

Dass diesen „kleinen Eingriff“ nur knapp 30 Prozent
überstehen, davon sagt er mir kein Wort!

nach oben           home

 

 

 

 

 

 

 

 


Was bleibt 

Er war vor kurzem sechzig
und irgendwie ist das schon eine deutliche Marke,
eine Wende, ein vorläufiger Schlusspunkt.

30, 40 ja sogar noch 50, da kann man sich
irgendwie auf die zweite Hälfte, die einem
noch bevorsteht, rausreden. Aber 60?
Das werden viele nicht mal mehr!

Und das zehrt an den Nerven.

Besonders dann, wenn nun Schlag
auf Schlag neue Wehwehchen auftreten
und sich die Beschwerden häufen.

Die Augen werden nun doch merklich wässriger,
der Blick nicht mehr klar, die Bilder unschärfer.

Die Beine tun weh, Adern quellen an den
unmöglichsten Stellen hervor, hier und da
muss gesalbt und gespritzt werden.

Die Verdauung ist wie ein Zug aufm Abstellgleis
und die Hämorrhoiden brennen wie Feuer im Arsch.
Manchmal färbt sich das WC-Papier schon rot.
Hellrot – dunkelrot bis schwarz wäre noch schlimmer!

Er regt sich nun nicht mehr über die Weiber oder
die Kids so sehr auf, und wenn ein Schnürsenkel reißt
oder die Kupplung eingeht – pffft, was soll’s?
Alles muss mal eingehen.

Bleiben ihm noch die Katzen und die Leute, die vor seinem
Fenster oft Radau machen – und ab und zu mal die Post.

nach oben            home

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Der Ersatzbus 

Ich seh’s am Armaturenbrett: das reinste Feuerwerk. Der Bus macht’s nicht mehr lang. Und mir im Nacken sitzen dreißig fröhliche Rentner, meist alte, klapprige Omas, die alle gratis in Graz essen und trinken wollten und danach fast eine jede ein Kopfkissen aufgeschwatzt bekommen hat. Auch zwei uralte Männer habe ich an Bord, sie gehen in der Masse der Damen jedoch völlig unter.

Da steigt dichter, schwarzer Qualm aus dem Motorraum, während ich mich krampfhaft auf die Suche nach einer Abstellmöglichkeit für mein Gefährt mache. Vorne ist eine Baustelle in Sicht. Ich fahre auf den verbotenen Streifen, durchbreche eine provisorische Absperrung und lasse den Bus unter einer halbfertigen Brücke ausrollen.

Ich ziehe die Bremse an, das Geschnatter im Bus verstummt schlagartig und ich schnapp’ mir das Mikro:

“Meine Herrschaften, wir sind noch nicht am Ziel. Bleiben sie auf ihren Plätzen, ich muss nur mal nach dem Motor schauen.“

Fragen schwirren durch den Bus, während ich schon draußen die Haube öffne und mich hinter dem Deckel – für meine Fracht unsichtbar – verschanze. Mit dem Handy bekomme ich den Boss zu sprechen:

“Chef, die Mühle ist hinüber. Sie müssen den Kurt mit dem Ersatzbus schicken.“

“Bist du verrückt? Der ist doch für das Kinderschwimmen unterwegs. Wo stehst du denn überhaupt? Und was fehlt der Kiste eigentlich?“

Ich schildere ihm die Situation in knappen Worten und er verspricht, einen Bus zu schicken.

“Kann aber dauern“, schreit er ins Telefon, dann ist die Verbindung unterbrochen.

“Herr Schofför, was ist denn los? Warum halten wir auf freier Strecke? Wann geht es endlich weiter? Können wir die Pause nicht zum Aussteigen nützen? Ein paar von uns müssen nämlich ‚für kleine Mädchen’.“

Die im grünen Mantel mit dem zerknautschten braunen Hut ist mir schon beim Einsteigen aufgefallen. Eine echte Rädelsführerin ist das.

“Da vorne sehe ich nämlich eine Baustelle und ein aufgestelltes Klo-Hütterl. Das wäre direkt ideal für uns.“

“Wie viele müssen den unbedingt auf den Topf?“

Ein Dutzend Hände geht zögernd in die Höh’. Ich lasse die erste Vierergruppe raus.

“Was geschieht jetzt mit uns, nachdem der Bus offenbar nicht mehr fähig ist Fahrt aufzunehmen?“ meint einer der beiden männlichen Klugscheißer. Muss wohl mal Techniker gewesen sein, bei der messerscharfen Kombinationsgabe. 

„Der Motor ist stark überhitzt und schafft es tatsächlich nicht mehr weiter, aber ein Ersatzbus aus Wien ist unterwegs und wird uns hier bald abholen.“ Genauer leg ich mich nicht fest.  

Dann marschiert die zweite Vierergruppe los.

“Der unfreundliche Arbeiter hätte uns fast nicht mehr aufs Klo gelassen“, feixt eine von den zurückkommenden Alten.

Ich schicke das nächste Quartett los. Alle zappeln sie auf das Klo zu; die schnellste Oma verschwindet sofort in dem Blechkasten.

Da sehe ich, wie sich ein Schatten aus dem Abstellplatz löst und von hinten auf das Klo zufährt. Es ist ein Gabelstapler. Der Mann beherrscht sein Gefährt. Blitzschnell schiebt er die Gabel unter das Mobil-Klo, hebt es samt seinen Inhalt ein paar Meter hoch und gibt Gas. Aus dem Klo dringen gellende Hilferufe. Der Oma scheint es gar nicht gut zu gehen.

Erst nach etwa 200 Metern stellt der Stapler das Häuschen wieder auf den Boden und fährt davon.

Zaghaft öffnet sich die Tür. Den Rock bei den Knöcheln und in Unterhosen wankt die Oma heraus. Ihren Hut hat sie nicht mehr auf dem Kopf. Inzwischen sind die anderen drei bei uns angelangt.

“Sie haben die Angela samt dem Klo entführt!“

“Stimmt nicht, meine Damen. Angela kommt gleich wieder. Sie hat nur einen kleinen zusätzliche Ausflug unternommen.“

Angela hat inzwischen ihre Kleidung halbwegs in Ordnung gebracht und hastet über Stock und Stein in Richtung Bus. Nie und nimmer hätte ich der rüstigen Achtzigerin dieses Tempo zugetraut. Etwas außer Atem kommt sie bei uns an.

“So eine Frechheit! Hat der nicht gesehen, dass da noch jemand drinnen ist?“

Hat er sicher. Nur wollte er sich sein privates Baustellen-Klo nicht von einer ganzen Reisegruppe zuscheißen lassen.

Schon eigenartig, dass die restlichen eineinhalb Stunden bis zur Ankunft des Ersatzbusses niemand mehr aufs Klo musste!

nach oben            home

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wirtshaus im 10ten

 

Ich hab noch eine Stunde Zeit und seit einem Tag nichts Ordentliches gegessen. Daher trete ich durch die schmale Tür in die Gaststube. Zigarettenqualm und laute Musik aus den 70ern umwabern mich augenblicklich.

Keine zehn Leute halten sich hier drinnen auf; Wirt und Kellner schon mitgezählt. Alle Blicke wandern kurz zu mir und wenden sich genauso schnell wieder ab. 

Ich steuere rechts den zweiten Tisch an. Der gleichermaßen dicke wie schmuddelige Wirt folgt mir unmittelbar. Im Hinsetzen ordere ich ein Krügel Bier und bekomme die Karte ausgehändigt. Sie besteht aus einem Blatt Papier, das beidseitig bedruckt und in Folie eingeschweißt ist. 

Drei verschiedene Suppen, drei Fleisch- und eine Fischspeise neben ein paar Kleinigkeiten sind vorne aufgelistet, die Auswahl an Getränken auf der Rückseite ist wesentlich umfangreicher.  

An der Theke stehen zwei alte Süffel und halten sich an ihren Gläsern fest. Ich bestelle den Fisch und lehne den Salat, den mir der Kellner vorschlägt, kurz ab.

Da betritt ein asiatischer Typ mit einem großen Apparat mit Schläuchen und Kabeln das Lokal:

“Ich sauge dir den Boden hier ganz gratis und ganz schnell!“

“Nein“, sagt der Wirt, „lass das, das mache ich jeden Tag in der Früh selbst. Hau ab!“

Der Gelbe tut, als ob er nicht verstanden hätte, und steckt sein Gerät an die Steckdose gleich neben dem Türstock. Lärm brandet auf, der die Musik mit einem Schlag verschluckt. 

Mit einem Sprung, den ich dem beleibten Mann nie zugetraut hätte, ist der Wirt an der Tür und reißt den Stecker aus der Wand. Mit einem Tritt in den Hintern befördert er den Gelben aus der Tür, sein Kasten mit den Schläuchen und Düsen fliegt hinterdrein.

Hier bin ich richtig, scheint mir.

Und dann kommt auch schon mein Essen, das vorzüglich zubereitet ist und auch so schmeckt. Würde ich hier in der Nähe wohnen, wäre das sicher mein Stammlokal. Das zweite Krügel kommt an und ich verfolge die Gespräche der beiden Schluckspechte an der Theke: Es geht über Fernsehen, Fußball bis zur Tagespolitik und wieder zurück.

Und im Radio singt Aznavour über die Liebe in Paris und die Seine und das ganze andere Theater.

nach oben            home
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Weisung

Mordsbalgerei in der 4a
Zwei Jungs polieren einander ordentlich
die Fresse
Das Fliegengewicht knallt gegen
die Tafel
mit der Rechenaufgabe
Dann geht alles blitzschnell
und er liegt erschlagen unter der Tafel
Hat sich aus der Verankerung
im Mauerwerk gelöst
In den Medien heißt es
10jähriger von Schultafel erschlagen
Unsachgemäße Montage?
Schlechte Wartung?
Keine Pausenaufsicht in der Klasse?

Dabei war die Tafel erst vor drei Wochen
durch die Herstellerfirma kontrolliert worden
Der Bub wird unter Anteilnahme der Schule
und der gesamten Stadtverwaltung begraben
die Eltern von den Versicherungen
großzügig abgefunden

Und dann reagiert die Schulbehörde

- und wie!?

Mittels landesweiter Weisung
wird allen Schulwarten nachweislich
zur Kenntnis gebracht
dass sie nun täglich vor Schulbeginn
und vor dem Eintreffen der ersten Kinder
durch alle Klassen zu gehen und
an jeder Tafel den Rütteltest *)
vorzunehmen haben!

Das schließt natürlich auch in Zukunft
einen solch tragischen Unfall nicht aus,
aber auf jeden Fall hat man dann
den schuldigen Schulwart sofort
am Arsch
denn der hat ja nun schwarz auf weiß
unterschrieben
Somit kann er im Ernstfall sofort entlassen
und zivilrechtlich belangt werden und
die Schulbehörde iss fein raus

Bravo und Hallelujah Frau Minister!

*) Ich bin am Tag nach dem Erscheinen dieser Weisung mit einem Schulwart durch die Klassen gegangen und habe ihm beim Rütteln zugesehen. Es ist ein Witz!

nach oben            home

 

 

 

 

 

 

 


 

Echte Menschen 

Vielleicht findest du unter

30 Ärzten – einen, der sein Handwerk versteht
30 Priestern – einen, der kein Kind gezeugt hat
30 Malern – einen, der wirklich begabt ist
30 Frauen – eine, die es wert ist geliebt zu werden
30 Männern – einen, der kein Lump ist
30 Süchtigen – einen, der überlebt
30 Autofahrern – einen, der weiter fahren sollte
30 Lehrern – einen, der nicht pädophil ist
30 Dichtern – einen, der schreiben kann
30 Köchen – einen, Essbares auf den Tisch bringt
30 Huren – eine, die nicht klaut
30 Kindern – eines, das nicht jahrelang nervt
30 Spitälern – eines, in das man sich legen kann
30 Ländern – eines, in dem sie leben möchten
30 Farben – eine, die sie täglich sehen können
30 Biersorten – eine, die wirklich gut schmeckt
30 Piloten – einen, der mit der Maschine verwächst
30 Politikern – keinen, der nicht korrupt ist – und unter
1000 Leuten – einen echten Menschen

maximal!

nach oben            home

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Nachbessern 

Sie sollten die Fakten zum 11. September 2001 endlich offen legen, aber in etwas nachgebesserter Form, sodass sie ein wenig mehr der Wahrheit entsprechen. Zu viele Ungereimtheiten und Lügen haben sie uns bisher aufgetischt. Allein was die vier Boeing-Maschinen betrifft: 

1. Die „19 Iraker Bin Ladens“, die die vier Maschinen mit Teppichmessern in ihre Gewalt gebracht haben und die dann die Maschinen in ihre Ziele gelenkt haben sollen. 

Dabei leben heute noch mindestens sechs von ihnen, haben nachweislich nichts mit den Anschlägen zu tun und haben sich bei Verwandten oder Bekannten verkrochen, da sie noch immer auf den Fahndungslisten von FBI und CIA stehen. Wieso? 

2. Die wenigen offiziellen Berichte, die oft erst Wochen und Monate nach dem Verbrechen veröffentlicht wurden, sind im Nachhinein mehrmals korrigiert worden, was Zeitpunkte, Telefonate aus den Maschinen und Fluglotsenaussagen betrifft. 

Hier haben höchste Stellen – vielleicht die allerhöchste – viel zu verbergen. Auch wird gelogen, dass es sogar den einfachen Leuten auffällt. Warum? 

3. Die betroffenen Lufträume wurden sofort gesperrt, hunderte Maschinen umgeleitet. Die Sperre wurde laufend ausgedehnt, bis sie schließlich für die gesamten Vereinigten Staaten galt. 

Dabei gibt es bei 3 der vier Einschlagstellen unabhängig voneinander Zeugen, die jeweils ein weiteres Flugzeug (dem Typ Herkules ähnlich) in der Nähe der Boeings gesehen haben wollen. Ihre Aussagen wurden tot geschwiegen, nie veröffentlicht und in keinem offiziellen Bericht erwähnt. Weshalb? 

Nun,  da die Wahrheit wahrscheinlich nie ans Tageslicht kommen wird, weil sich die leitenden Beamten auf die nationale Sicherheit berufen, müssen wir leider weiter im Dunklen tappen – wie auch immer noch im Kennedy-Mord – und sind auf Spekulationen angewiesen.  

Und dabei kommt man auf ganz schlimme Vermutungen, die nicht notwendig wären, gäben die offiziellen Stellen endlich alle Passagierlisten, Unterlagen, Tonbandaufzeichnungen usw. heraus. 

Eine solche Vermutung geht dahin: Die „Begleitmaschinen“ vom Typ Herkules oder ähnlich waren in der Lage die Boeings ferngesteuert in ihre Ziele zu fliegen. Dazu mussten vorher die Hand- und Autopilotensteuerung ausgeschaltet werden. Dass es solche Fernsteuerungen bereits seit Jahren gibt – sie haben eine maximale Reichweite von 10 km – wissen einige Piloten und Fachleute auf der ganzen Welt.  

Ich denke, man hat unbedingt einen Grund für den Angriff auf den Irak gebraucht und hat so dieses schreckliche Verbrechen selbst inszeniert.  

Allein ein solcher Gedanke scheint derart unvorstellbar und krankhaft zu sein, dass man ihn gar nicht zu Ende denken möchte. Leider tun die Behörden und die Verantwortlichen nichts, um die Bevölkerung wirklich aufzuklären – ich denke, sie können es gar nicht tun. Eine Lynchjustiz sondergleichen wäre die unausweichliche Folge. 

So werden Bin Laden, Saddam, die moslemischen Fundamentalisten und der Irak als die Auslöser des Verbrechens in die Geschichtsbücher auf der ganzen Welt eingehen, während die wahren Schurken ungestraft bleiben. Aber unsere Geschichtsbücher sind ohnehin schon so überfüllt mit Lügen – Hitler, Pearl Harbour, Falkland usw. – da kommt es auf die eine mehr auch nicht mehr an. 

Oder?

nach oben            home

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Verpasst 

Bei ihm vollzieht sich der Zusammenbruch auf Raten. Zuerst kippt ein Zahn nach dem anderen aus dem Kiefer, dann lassen kaum merklich die Augen nach – aber das lässt sich alles mit Geld ausgleichen: eine Brücke da, ein Gleitsichtglas dort und die Arztbesuche häufen sich, wie die Anzahl des Wasserlassens pro Tag. Und all das gleichsam in Zeitlupe. 

Und erst die Beine! Immer mehr Zehennägel ringeln sich ein, verursachen Schmerzen – nicht nur beim Gehen – und müssen von Spezialisten regelmäßig herausgefräst werden. Dazu Hühneraugen, rissige Fußsohlen und Krampfadern bis rauf zum Knie; einstweilen. 

Körpereigene Flüssigkeiten trocknen immer mehr aus: Tränen, Speichel und sonstige Schmieren  versiegen – natürlich langsam. Die Potenz lässt nach – nicht so langsam, das geht eher schlagartig.

Aber es gibt ja Pillen, Salben und Sprays. Und seit gestern auch Gummistrümpfe, die die Venen im Zaum halten sollen.

Die Hände zittern kaum merklich - aber doch! Und nach zehn Stufen wird die Luft knapp, sodass er immer häufiger unterwegs Pausen einlegen muss.

Eines ist sicher: Er hat den richtigen Zeitpunkt für einen ehrenvollen Ausstieg aus der Todesspirale endgültig verpasst!

nach oben            home

 

 

 

 

 

 


 

Terror am Heldenplatz 

Ich komm heute zufällig wieder einmal
am Heldenplatz vorbei.
Schicksalsträchtig – nicht nur
wegen Thomas Bernhards Stück.

Der Bronzegaul des Prinzen
von Savoyen und der andere
des Erzherzogs Carl blicken
einander stumm an: Angriffspose
6 Meter hoch - mindestens.

Aber was ist da heute mit’m Gaul
von dem Erzherzog los?
Ist es krank?
Oder spielt mir der Restalkohol
wieder einen Streich?

Auf einem kleinen Gerüst
beim Arsch des Rosses
turnt einer mit einem Rohr
in der Hand. Jetzt versucht er,
das Rohr in den Pferdearsch
zu stecken. Schaut verdammt
nach Koloskopie aus!

Beim Näherkommen verschwindet
das Ding grad hinter dem
Schließmuskel – nur ein langes
Kabel ist noch sichtbar;
es führt zu einem Kombi,
der beim Sockel der Statue parkt.

Das ist eine Zündschnur!
Die wollen den Carl in die Luft jagen,
schießt es mir blitzschnell durch den Kopf.
Vorsichtig ziehe ich mich zurück.
Der Typ klettert vom Gaul und
verschwindet im Auto.
Auf dem Weg zum Theseustempel
treffe ich einen Polizisten.

“Hey, Mann, jeden Augenblick
kann’s krachen. Sie sprengen das
Reiterstandbild des Erzherzogs!“

Ungläubig blickt mich der Grüne an.
Ich muss ihn am Ärmel seiner
Uniform ziehen. Endlich nimmt er
Fahrt auf – überholt mich sogar -
ich lasse mich zurück fallen.
Als er bei den Terroristen ankommt,
gehe ich hinter einer großen Kiste
mit Streusalz in Deckung.

Vorsichtig beobachte ich die Szene
aus sicherer Entfernung.
Mit der Waffe in der Hand
treibt er zwei wild gestikulierende Typen
aus dem Auto.

Wortfetzen weht der Wind zu mir herüber:
…baufällig …Denkmalamt … Magistrat …
Einsturzgefahr … Kamera …
Innenaufnahmen … restaurieren …

Da habe ich mich auch schon vorsichtig
aus dem Staub gemacht. Jeden Strauch
als Deckung benützend erreiche ich wieder
die schützenden Säulen des Theseustempels.

Der Cop blickt sich um, schaut in die
Richtung der Kiste am Wegrand.
Kein Zweifel: er sucht mich.

Verschwitzt erreiche ich das Burgtheater
und verschwinde erleichtert in der Menge.
Eine weitere Nacht in der Ausnüchterungszelle
hätte ich nämlich nicht verkraftet.

nach oben            home

 

 

 

 

 

 

 




 


 

Dumm gelaufen 

Durch eine Riesenschweinerei – er hat seinen Geschäftspartner umbringen lassen und ist mit den gesamten Firmengeldern in die Schweiz abgehauen – ist er mit einem Schlag reich, wirklich reich,
s e h r  reich.

Nahe dem Hauptbahnhof verschwindet er mit dem Alukoffer in der Filiale der Zürcher Bank und legt die 20 Mille in zwei gleich großen Tranchen auf getrennte anonyme Nummernkonten.

Mit zwei unscheinbaren Zetteln verlässt er nach einer knappen halben Stunde die Bank.

Der Direktor oder Geschäftsführer hat ihm noch dringlich empfohlen, die Nummern ja auswendig zu lernen und sämtliche Notizen sofort zu vernichten. Doch beim besten Willen: er kann sich die beiden neunstelligen Kombinationen nicht merken. 345AK67W3 und 115PO48UZ - unmöglich!

Eine Gasse weiter betritt er eine Telefonzelle, kramt einen Bleistift aus seiner Tasche und kritzelt die beiden Nummern an die Wand der Zelle: eine links neben dem Apparat, die andere rechts davon. Nochmals vergleicht er mit dem Zettel, dann ist er auch schon wieder draußen. 

Genüsslich versenkt er die zerschnipselten Zettel in der Kanalisation und besteigt seinen Zug Richtung Vaduz, wo er sich ein kleines Anwesen mit Häuschen über einen Strohmann zugelegt hat. Auch eine junge Blonde hat er sich zugelegt, die ihm die viele Freizeit, die er nun ja hat, versüßen wird. Hat ja alles prächtig geklappt.

Nach einem halben Jahr geht sein Bargeld zu Ende. So fährt er wieder in die Schweiz und sucht seine Telefonzelle nahe der Bank auf. Der Schreck lähmt ihn für die ersten fünf Minuten. Alle Wände der Zelle sind mit Zahlen und Namen übersät. Telefonnummern ohne Ende. Wie soll er da seine beiden dämlichen Kombinationen ausfindig machen. Draußen hämmern nach einer halben Stunde die ersten Ungeduldigen an die Tür, da hat er die Nummer neben dem Apparat gefunden – die andere ist nicht mehr erkennbar. Er schreibt sich seine Kombination auf den Rand seiner Zürcher Allgemeinen und verlässt unter wüstem Geschimpfe die Zelle.

Zehn Millionen sind futsch! Bleich betritt er die Bank und hebt mit der gottlob richtigen Kombination sein restliches Vermögen ab. Nochmals sucht er seine Zelle auf - vergeblich: die zweite Kombination ist nicht auszumachen. 

Inzwischen hat er sich eine kleine Bootshütte am Gardasee gekauft, dazu eine Jacht und alles was dazu gehört. Dorthin zieht er sich nun zurück - ohne seinen blonden Schatz. Das gehört zu seinem Plan. Mit einem Teil seines Vermögens hat er sich schon vor Jahren hoch gegen alles Mögliche versichern lassen. Über die Versicherung möchte er sich nun die verlorene Hälfte seines Vermögens zurückholen. Wäre doch gelacht!

Es muss wie ein Unfall mit der Jacht aussehen. Er wird das Boot draußen auf einer Sandbank zum Kentern bringen. Seine Leiche wird man nie finden. Nach einiger Zeit wird er für tot erklärt und sein Blondengel wird die Versicherungssumme kassieren.

An einem nebligen Abend fährt er hinaus. Er hat sich die Stelle genau angesehen. Jetzt setzt er seinen Kahn unsanft auf die kleine Insel. Er hilft ein wenig nach, lockert zwei oder drei Bretter im Unterboden, damit das Wasser schneller einströmen kann und sich der Kahn flott auf die Seite dreht. Da kommt er mit seinem rechten Arm unter die Ankerkette, die ihn in Sekundenschnelle im Boden einklemmt. Und schon kippt das Boot über ihm und drückt ihn unter die Wasserlinie.

Am nächsten Tag finden sie seine Leiche eingeklemmt im Boot und nach zwei Wochen kassiert seine Freundin ohne Schwierigkeiten die respektable Versicherungssumme von knapp neuneinhalb Millionen.

nach oben            home

 

 

 


 

 


 

Privatdetektiv 

Es war ein kalter Sonntagmorgen, und wenn ich gewusst hätte, was in wenigen Minuten mit mir passieren würde, wäre ich sicher im warmen Bett - mit der Decke über beide Ohren - geblieben.

Aber so stand ich nun schon hier in der großen Vorhalle des Gare de l’Est und schlenderte mit meiner Canon 300D die großen Tafeln der Fernzüge entlang. Ich wusste, auf einer stand „Orientexpress, Ankunft 6h44“. Dieser Zug hat es mir schon seit meinen Kindertagen angetan. Ich hatte ihn schon mit der alten Voigtländer meines Vaters fotografiert, danach mit der Kodak-Instamatic und später dann mit verschiedenen Modellen der Canon-Serie. So lang ich denken kann, kommt er um diese Zeit hier in Paris an – nur die Bahnsteige haben im Lauf der Jahre ein paar Mal gewechselt. In letzter Zeit fährt der mit etlichen in Dunkelblau und Dunkelrot gehaltenen Schlaf- und Speisewagen versehene Zug stets auf Gleis 19 ein.  

Es ist 6 Uhr 40. Ich trete auf den Bahnsteig hinaus, nehme den kleinen schwarzen Deckel vom Objektiv, ein 80 bis 200er Zoom, und schlendere dem Zug, der noch gar nicht zu sehen ist, entgegen.  

Wie oft bin ich hier um diese Zeit aus Ungarn oder Österreich kommend schon in Paris eingefahren. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern. Meist habe ich mich sehr auf meine Wohnung oben am Mont Martre gefreut, auf meine Eltern, später dann auf meine kleine Freundin, Maggy, aus dem Marais. Danach auf meine Frau, die Kinder, den zotteligen Bernhardiner. In der Erinnerung waren es unzählige Abschiede, Abfahrten, Ankünfte, Sehnsüchte, ja echtes Aufgehobensein zu Hause, falls so etwas in der heutigen Zeit überhaupt noch verstanden wird.

Und diesmal bin ich im Spätwinter am Bahnsteig und erwarte wieder einmal meinen Zug; nur um ihn in dieser kalten, leicht dampfenden Morgendämmerung digital festzuhalten. 

In meiner kleinen Wohnung oben am Berg, gleich neben Sacré Coeur, lagern so viele Fotos, dass sich die SNCF für die nächsten hundert Jahre bei mir mit Bildern und Plakaten eindecken und auf ihre eigenen Werbefotografen leicht verzichten könnten.  

Längst habe ich die wenigen Wartenden, die Besucher oder Verwandte vom Zug abholen, hinter mich gelassen und komme in den Bereich des Bahnsteigs, wo dieser nicht mehr überdacht und auch nur mehr spärlich beleuchtet ist. Ich erkenne bereits die endlosen Lichter der Weichen und Signallampen außerhalb des Bahnhofs, wo sich die Zahl der Gleise schlagartig vervielfacht. Und zwischen ihnen rollt gemächlich mein Express heran. Ich schieße die Lok und die ersten Waggons mit der längsten mir möglichen Brennweite, die die langen Waggons schon ganz gehörig staucht, wenn diese durch eine schmale Kurve biegen. Das Licht ist knapp, kann sein, dass es zu deutlichen Verwischungen führt, wenn ich mit einer Zehntelsekunde Belichtungszeit auskommen muss.  

Jetzt kreischt die helle Lok mit der flachen Nase, in der der Führerstand untergebracht ist, an mir vorbei. Ein paar dunkle Waggons, der Speisewagen, wieder Waggons. Es müssen an die dreißig sein.  

Ich betätige fast pausenlos den Auslöser. Da alle Bilder ja ohnehin elektronisch in einem kleinen Chip zwischengelagert werden, hat man sich heute wenigstens nicht mehr mit Filmmaterial und teurer Ausarbeitung im Laden herumzuschlagen. Im Gegenteil: am PC lassen sich auch nicht so vollkommen gelungene Fotos mit einer guten Bildsoftware noch zu tollen Bildern umarbeiten.

Kreischend greifen die Bremsen des Stahlmonsters, Türen schwingen auf, Lautsprecher heißen die Ankommenden in drei Sprachen willkommen, Koffer purzeln auf den Bahnsteig, Kinderwagen werden herausgehoben, Paare falle einander in die Arme. Ich eile am anderen Rand des Bahnsteigs, wo noch kein Zug steht, entlang zurück ins Innere des Bahnhofs. Der Zähler meiner Canon zeigt mir, dass ich bereits mehr als 100 Aufnahmen im Kasten habe.

Noch das eine oder andere Bild von der Imbissbude am Kopf des Zuges, den schwarzen Zeitungsverkäufer, der mit Journalstapeln aus mindesten 100 Ländern umgeben ist und darin wie ein Dirigent arbeitet, um seine Blätter an die Ankommenden zu verscherbeln. 

„Sie haben uns soeben fotografiert, mich und meine Frau“, werde ich von hinten angesprochen, als ich gerade auf einen Stapel „Paris Soir“ scharf stellen möchte.

“Ich habe den Zug und nicht sie fotografiert“, erwidere ich fast erschrocken einem jungen Typen mit Irokesenschnitt, der nur mit Hemd und Hose bekleidet ist. Und das bei kaum 5 Grad. Doch es bleibt nicht viel Zeit für Erklärungen.

“Ich will den Film, und du sollst es nicht umsonst machen. Hier sind 2000 Euro“, wird der Ton etwas barscher und auch lauter, wie mir scheint. „Weiß eh, dass du ein Privatschnüffler bist, den ihre Eltern angeheuert haben.“

Jetzt bin ich aber wirklich aus der Fassung geraten. Er hält mich doch tatsächlich für einen Privatdetektiv. Dazu sollte man wissen, wie alt ich bin und wie ich aussehe und vor allem, was ich wirklich bin. Das versuche ich ihm jetzt auch zu erklären. Auch ich bediene mich jetzt des einfacheren Du – bei dem Altersunterschied! Der Typ ist keine 25 Jahre alt!

“Hör mal, ich bin weder Privatdetektiv, noch kenne ich irgendeine Schwiegermutter – schon gar nicht deine – und ich bin auf dem Bahnhof, weil ich als alter pensionierter Lehrer das Recht habe, hier Züge und Bahnanlagen zu fotografieren …“ 

„3000 Euro und sofort den Film aus der Kamera!“

“Tut mir leid, aber in der Kamera ist überhaupt kein Film.“

Das war blöd von mir. Was mache ich, wenn der Typ noch nichts von einer Digitalkamera gehört hat – so sieht er nämlich aus – dann glaubt er sicher, dass das die dümmste Ausrede ist, die sich einer, der pausenlos knipst, ausdenken kann. Daher schiebe ich schnell nach „Denn das ist eine Digitalkamera, da werden die Fotos auf einem Chip gespeichert.“ Ob das besser war?

Ein junges Mädchen mit einem kleinen Kind, eingewickelt in eine blaue Decke, tritt an uns heran. „Was ist mit ihm? Hast du den Film endlich? Vergiss nicht, wir sind auf der Flucht und müssen weiter.“

“Ich hab ihm eh drei Kilo geboten, er gibt den verdammten Film aber trotzdem nicht her!“

“Moment, hier ist mein Dienstausweis, ausgestellt von der Pariser Schulbehörde. Hier steht, ich bin Lehrer an der École Elémentaire, eigentlich war ich es, denn nun bin ich endlich in Pension. Und hier mein Führerschein auf den gleichen Namen. Aus beiden Dokumenten geht hervor, dass ich morgen 62 Jahre alt werde. Und ihr glaubt, ich wäre ein Schnüffler. Sehe ich so aus?“

Sie wird ein wenig ruhiger, was mich betrifft, blickt sich aber alle paar Sekunden um wie eine dürre, nervöse Wüstenspringmaus nach der Klapperschlange, als fühle sie sich beobachtet, ja verfolgt oder gar gehetzt.  

„Wir sind auf der Flucht aus Österreich. Meine Eltern wollen uns das Kind wegnehmen. Und alles nur, weil er einmal eine Riesendummheit gemacht hat und aus der U-Haft ausgerissen ist. Und sie sind sicher nicht von meinen Eltern angeheuert?“

“Fräulein, ich habe ja Verständnis für eure Lage, aber ich bin nicht das, wofür sie mich halten. Ich bin rein zufällig auf diesem Bahnhof und knipse Bilder für mein Eisenbahnalbum. Aber ich wünsche euch dreien für die weitere Flucht alles Gute. Soll ich euch die Bilder zur Beruhigung nachschicken?“

War echt idiotisch, diese Ansage, wie mir seine blökende Antwort sofort beweist.

“Ja, ja, wir fahren weiter nach Bordeaux zu meinem Onkel. Jean Malreux, Rue de la Gare 17. Ha, ha!“

Hält er mich nun richtigerweise für senil oder glaubt er, dass dies mein letzter Versuch als Privatdetektiv war, ihnen auf den Fersen zu bleiben? Ich weiß es nicht und werde es auch nie mehr erfahren, denn schon tauchen die beiden grußlos mit ihrem blauen Bündel in der Menge unter.

Ich bleibe noch ein paar Sekunden wie angewurzelt stehen, aufs Fotografieren habe ich total vergessen, da werde ich von hinten brutal an den Armen gefasst, an beiden Gelenken klicken Handschellen, und zwei baumlange Kerle der Pariser Polizei nehmen mich in ihre Mitte. Fast tragen sie mich zu dem vor dem Bahnhof geparkten schwarzen Citroen. Wie im Leerlauf schwebend tripple ich mit.

“Wir wissen alles über sie. Endlich haben wir den letzten der Hintermänner dieser internationalen Bande, die mit Kleinkindern handelt. Sie sind verhaftet, alles was sie aussagen, kann gegen sie verwendet werden. Haben sie das verstanden?“ 

„Ja“. Ich habe verstanden.  

Und Montag am späten Vormittag komme ich nach einer Nacht in der Zelle und einer gemurmelten Entschuldigung des Diensthabenden vom 10ten Arrondissement müde, dreckig und ausgehungert in meiner kleinen Wohnung oben am Mont Martre wieder an. Den Chip aus der Canon haben sie beschlagnahmt – da hätte ich ihn 2 Minuten früher doch lieber um 3000 Euro verkaufen sollen, ich Idiot! 

nach oben            home

 

zurück

Start

Autor

Literatur

Wien

Colitis

Reisen

Musik

Fotokunst