Einführung in die Meditation


Wenn man Zeit hat, wie auf einer Kur, macht man die unmöglichsten Sachen. Andere suchen sich einen oder mehrere Kurschatten. Sodass es kein Wunder ist, wenn es hier in diesem Tal  immer dunkel und finster ist.

Es gibt aber auch noch "normale" Leute, so wie ich, die aus lauter Langeweile einfach mal das Angebot ausprobieren, an einem Meditationskurs teilzunehmen.

So betrete ich also völlig unvoreingenommen diesen Raum, wo schon mindestens 10 andere Leute im Kreis sitzen und sich gegenseitig versuchen nicht anzustarren. Dieses "Nicht-Anstarren" kann schon anstrengend genug sein und die ersten Teilnehmer haben bereits Schweißperlen auf der Stirn.

Dann taucht auch endlich der Meditations-Coach auf, so wie es amtlich heißt und zieht erst mal gemütlich seine Schuhe aus. Natürlich wurden vorher gerade erst die Fenster geschlossen. Hoffentlich kommen nicht noch andere auf den Gedanken, dachte ich mir, und tun es diesem Kerl nach. Ansonsten würde man ja von dem Unterricht nichts mehr mitbekommen, weil die totale Käsefüße-Narkose sofort zuschlägt. Oder lieben sie etwa auch den Duft von stinkenden Turnschuhen? Na dann sollten sie sich aber mal schämen und den nächsten Altkleider-Container aufsuchen, um ihre Lust zu befriedigen. Aber ich drifte vom Thema ab. So sind wir also versammelt in der geselligen Runde und unser Psycho-Heini macht erst mal Werbung für sich und seine Veranstaltungen, die außerhalb des Kurheimes sind. Gnädigerweise verteilt er noch seine Visitenkarten und weist auf seine Homepage hin, ooohm, der große Manitu hat gesprochen. Dafür benötigte er von den angesetzten 45 gut und gern 15 Minuten. Nach seiner persönlichen Werbeveranstaltung geht es dann endlich los.

Wie es so anscheinend üblich ist, muss sich jeder im Sitzkreis vorstellen. Ich hätte hier schon losbrüllen können. Fühlte ich mich doch sofort an Rüdiger Hoffmann erinnert. Fast wäre mir ein: "Ja, hallo erst Mal" rausgerutscht, aber ich konnte es gerade noch verhindern, wobei mich der Kerl schon erzürnt anglotzte. Wahrscheinlich konnte er Gedanken lesen, oder er wusste selber, dass diese Show, die er abzog, unheimlich blöd war. Nachdem sich jeder hier im Kreis geoutet hatte, durften wir uns dann endlich von den Stühlen erheben und auf den Gymnastik-Matten hinlegen.

Jetzt sollte es endlich losgehen. Ich spürte schon einen Hauch von Erleuchtung, nein, das war der verdammte Windzug, weil meine Matte direkt vor der Tür lag. So lagen wir nun am Boden und warteten auf die Erleuchtung der Meditation. In mir stieg aber nur der Duft der Schweißfüße des Lehrers in die Nase. Dabei gab er noch die Anweisung, dass wir uns Sonnenlicht und Strand vorstellen sollten. Mir kam dabei immer noch keine Erleuchtung. Eher machte sich in mir ein leichter Würgereiz breit. Auch konnte ich nicht entspannen, weil ich inzwischen schon Nackensteife von der Zugluft hatte. So meditierten wir also 15 Minuten vor uns hin. Fast hätte ich es geschafft und wäre eingeschlafen, wenn nicht Lehrer-Stinkefuß seine Biowaffen in meine Nasenrichtung gedreht hätte. Geschockt riss ich beide Augen auf und meine Einschlaf-Meditation war dahin. Danach durften wir wieder aufstehen und auf unseren Stühlen Platz nehmen. Der Häuptling der Schweißfüße machte dann ganz auf Sabine Christiansen und wollte von jedem noch ein persönliches Feedback haben. Dafür sollten wir uns jetzt noch 10 Minuten anschweigen. Damit wir in 10-minütiges Schweigen verfielen, durften wir auch noch ein von ihm selbst gedichtetes Gedicht anhören, was mir persönlich den Rest gab. Das war keine Meditationsübung, das war schon Folter. Ich fragte mich langsam, ob er evtl. nicht schon vorher diese Übungen auf Guantanamo Bay veranstaltet hatte.

Nach 5 Minuten wurde die Todesstille jäh unterbrochen. Böse Blicke gingen durch die Runde à la: "Wer ist der Täter". Doch erst dann merkte Schweissfuß, dass es sein eigenes Handy war, das klingelte. Ooohm, also 5 weiter Minuten vor sich hindösen und nur nicht die anderen anstarren. Ooohmmm, die Zeit war vorbei.

Ein Schlag auf seine Klangschale erlöste uns von der Starre. Als Dank für die Teilnahme wurden wir mit Glasperlen beschenkt, wie sie auch schon im frühen Mittelalter als billiges Tauschmittel eingesetzt wurden. Die restlichen Meditations-Jünger waren dadurch so begeistert, dass natürlich kein böses Wort über diese Übungsstunde fiel. Eher im Gegenteil, sie schleimten sich noch bei Käsefuß, dem alten Stinker, ein. Ich reihte mich in die Schlange seiner neu gewonnen Jünger ein und schüttelte ihm zum Abschied auch die Hand, wobei ich krampfhaft versuchte nicht wild darauf loszulachen. Ich schloss dann als Letzter die Tür hinter mir und spurtete mit Tränen in den Augen los. Am liebsten hätte ich gebrüllt vor Lachen.

Und die Lektion von dieser Geschicht’: Meditation lohnt sich - aber immer nicht :-)

 

Tino Dittrich - Kontakt zum Autor: Tino@tinodittrich.de
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