GUTES KOMMT VON OBEN


Hinter Bad Honnef, auf
dem Drachenfels, da hockten
wir und hatten den Muckekasten
zu unseren Füßen.

Dick aufgedreht und schön
dazu geschunkelt, während sich
das müde Tal vor unseren
Augen auskotzte und alles
Erdenkliche tat, um uns die
Augen zu blenden.

Eine Woche Besinnungstage,
ein Teil der Lehre, die wir
als Heilerziehungspfleger hinter
uns bringen mussten.

Uns stank der ganze Scheiß.
Wir hatten uns schön verpisst
und ließen die Elite des Lehrjahrs
alleine zurück. Unten, ganz
unten, wo sie den Lehrmeistern
und Rednern schöne Augen
machen wollten.

Es war egal, dass uns der
lange Fußmarsch bis hierhin
die Knie gefickt hatte und dass
uns die Lunge zwischen
den Klöten hing.

Es hatte sich gelohnt.
Fernab vom Geschwafel der
religiösen Orientierung spuckten
wir Schleimbrocken aus,
hebelten Bierflaschen auf,
glucksten stilles Wasser und
schossen Schreie raus.
Lauter, besinnlicher, heilender
als jedes Gebet.

Papst waren wir schon.
Doch jetzt, hoch oben auf dem
Drachenfels fühlten wir uns alle
wie Gott.

Und wir hatten guten Grund dazu.

 

Kontakt zum Autor: Marcus Mohr - strassenfeger-fanzine@web.de
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