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Die
Autoren:
Hans Brakhage
Walter Kiesenhofer
Gerd Schleusner
Adriana & Anneliese Wipperling
Textauszug 1:
Hans Brakhage
Zeit
Die harte Erde hat geblüht
sie schmückte sich
mit Glocken und Schlüsseln
durch die Straßen
die wir ziehen
nenn ich dunkel deinen Namen
er wird mit viel Sand
eingeschrieben sein
mit viel Zeit
wenn wir schweigen
stirbt der Bruder gegen den Bruder
...
Textauszug 2:
Walter Kiesenhofer
Kosmische Mahlzeit
Da sitzen sie
um den kreisrunden Tisch
und verzehren friedlich alte Zeiten,
nehmen Paprikaspeck
zu weißglühenden Gasbällen
und naschen
Eiszeiten am Stiel
mit großer Begeisterung
zwischen den einzelnen Gängen.
Als klein Lisa,
nachdem sie sich artig den Mund
von einigen griechischen Dichtern
abgewischt hat,
nach dem nächsten Urknall verlangt,
lacht Papa laut schallend auf
und einige glitzernde Tage
kollern ihm fröhlich über die Wangen.
Für eine Weile stimmen sie
allesamt in sein Gelächter ein.
Textauszug 3:
Aus
„Kindermund“ von Adriana Wipperling
...
Tenarak beeindruckt das alles wenig. Sie zeigt auf einen vorübergehenden
Rotarkaner mit königblauer Haut und quietscht begeistert: „Mama, Mama,
blauer Mann mit Löffeln auf dem Kopf!“
„Das sind keine Löffel, Schätzchen, sondern Fühler“, erkläre ich
geduldig. „Er ist ein Rotarkaner und kann damit riechen.“
„Rota...“ Sie schafft es nicht, das schwere Wort auszusprechen. Dann
strahlt sie. „Fühler!“
Oh nein, ich kenne diesen Blick! Wie sie dem Rotarkaner hinterher starrt
und dabei ungeduldig an meinem Arm herumzerrt. Sie hat sich schon wieder
eine fixe Idee in den Kopf gesetzt! Wahrscheinlich will sie die Fühler
anfassen.
Was auch immer, ich halte ihre Hand so fest ich kann.
Denn wenn ich mir das Gewühle auf der Straße ansehe ... Meine Kleine
wird sich hoffnungslos verirren und ich werde sie nicht wieder finden!
Dann muss ich wohl oder übel die Ordnungshüter rufen.
Wenn ich das hier überstanden habe, pflanze ich Tenarak einen
Transponder ein oder lege sie ganz einfach an die Leine.
Die Passkontrolle bittet um meinen Kreditchip, ich greife in meine
Handtasche. Das kleine Biest nutzt die Ablenkung sofort und reißt sich
los.
„Tenarak, bleib stehen – sofort!“ brülle ich ihr verzweifelt hinterher.
Natürlich hört sie nicht auf mich. Einige Passanten drehen sich
neugierig um, der Beamte – ein kleiner, dicker, algenfarbiger
Bürokratentyp – hebt lediglich beide Augenbrauen.
„Warten Sie bitte einen Augenblick, mein Kind ...“
„Ihren Chip bitte“, fordert er ungerührt.
„Aber machen Sie schnell!“ fauche ich ihn an.
Oh, dieser Volltrottel
Ich sehe Tenarak nicht mehr, sie ist in der Menge verschwunden.
Wie kann sie auf ihren kleinen Beinchen nur so flink sein?
Das ist mir ein Rätsel.
Also halte ich Ausschau nach den Fühlern des Rotarkaners.
Da!
Zu dumm, dass ich in diesem langen, engen Kleid, das ich für den Empfang
angezogen habe, nicht vorwärts komme! In einem plötzlichen Geistesblitz
hole ich ein Armeemesser aus meiner Designer-Handtasche, schlitze den
Rock rechts und links bis zu den Hüften auf. Egal, ob diese Varaillianer
mich nachher schief angucken. Eigentlich haben sie nicht einmal Augen.
Nun kann ich endlich rennen!
Jetzt drehen sich die Leute erst recht nach mir um und schütteln ihre
grün schillernden Köpfe. In der hakanischen Hauptstadt ist man wohl
nicht an den Anblick von Menschen gewöhnt, vor allem nicht, wenn sie wie
die aufgescheuchten Hühner durch die Fußgängerzonen flattern und jeden
beiseite schubsen, der ihnen im Weg steht.
Tenarak steht, wie erwartet, vor dem Rotarkaner und streckt ihr kleines
Händchen nach ihm aus. Er lächelt amüsiert auf sie herab und sein
Lächeln wird noch breiter, als er mich angehetzt kommen sieht. Aber
jetzt ist es kein Ausdruck des Entzückens mehr, sondern der
Schadenfreude.
Textauszug 4:
Aus
„Der Gedankendieb“ von Anneliese Wipperling
...
Die Albatros, ein schrottreifer Billigraumer der Standardroute
Heyla´Thur – Paris-Orly, hat soeben die Plutobahn überquert. In einer
Stunde ist mein Frauchen bei mir. Vermutlich schläft sie gerade.
Typisch Heylaner! Immer schön ruhig bleiben, alles griffbereit haben und
keinen Moment zu früh aufstehen!
Die tun so überlegen und organisiert!
Das ist vielleicht widerlich!
Aber hey! Ich habe endlich wieder mentalen Kontakt! Gelly pennt
tatsächlich. Erst empfange ich nur ein diffuses Rauschen.
Aber jetzt! Sie träumt. Hurra! Futter für meine organische Festplatte!
Faszinierend! Wenn auch nicht gerade schmeichelhaft:
Gelly besteht seltsamerweise nur aus riesigen Augen, haarigen Ohren,
einer spitzen Nase, dem grünen Mund. Mehr sehe ich nicht. Ein
vollständiges Abbild von mir liegt splitternackt in malerischer Pose im
Treppenhaus unserer Pariser Wohnung. Es schläft fest und sie glotzt es
irgendwie hungrig an. Sicher bewundert sie meinen liebevoll getrimmten
Waschbrettbauch und vor allem meinen prächtigen Lümmel.
Plötzlich spüren wir beide, dass sich schräg hinter ihr etwas regt.
Die Augen wirbeln hastig herum: Der Deckel des Müllschluckers hebt sich
ganz langsam. Mehrere rosige, mit Saugnäpfen versehene Tentakel kriechen
darunter hervor.
Brrr! Was für ein ekliges Zeug!
Gelly beobachtet mit krankhafter Neugier, wie die Fangarme sich witternd
aufrichten und mit widerwärtigen Schlängelbewegungen meinem reglosen
Körper nähern. Als sie ihn berühren, wacht mein anderes Ich schreiend
auf und beginnt ungeschickt um sich zu schlagen.
Es nützt rein gar nichts. Innerhalb von Sekunden liegt da nur noch ein
wohl verschnürtes zuckendes Bündel.
Als sich ein wurmförmiger, besonders dicker Fortsatz des Abfallmonsters
energisch in seinen weit offenen Mund zwängt, wird es abrupt still. Mein
allseits bekannter Charakterkopf färbt sich scheußlich violett, die
glutvollen spanischen Augen hängen aus den Höhlen, sorgfältig manikürte
Finger greifen verzweifelt ins Leere,
Dann ist es vorbei.
...
Farbcover: Adriana Wipperling
Illustrationen: von den Autoren
Seitenzahl: 197 DIN A 4
Preis: 5,00 €
Altersbeschränkung: ab 16 Jahre
Bezug: XinXii beta – Der elektronische Marktplatz
Download:
http://www.xinxii.com
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