sonne  singt 

großes kind
apfelpflückend
abends
und an roten
morgen 

barfuß
bebend
das gras ist hoch und
trocken
sonne singt
wasserlieder 

deine augen
dein gesicht 

zwei tage
nach dem landesteg
ist ostern
wasserstaub
zu grauen dünen gerieselt 

deine schritte weinen leise
und dann stehst du
vor dem haus
und vater redet im garagentor
und mutter
geht am klavier vorbei
und der mond
steht ganz nah bei dir 

großes kind
apfelpflückend
abends

und an roten
morgen 

ich habe dich nicht verstanden


© walter kiesenhofer; walkie@aon.at
 

abgeträumt

die wiesen abgeträumt
über dem gänseruf turnt
mein gedanke zwischen
ersten kristallenen flocken
am erlenbaum wartet der winter

graue worte wiederholend
die großen himmelsbeeren
drüben in der stadt
zieht ein pfarrer seinen kirchturm
singend durch die strassen 

in verlorenen schneckenhäusern
will man keine
fuge von bach hören
der fleischermeister ruft
seine schäfchen zusammen 

erster reif setzt sich
in den irdenen krügen der bauern
die freundlichen birken
warfen lang schon 
ihre wörter von sich 

die kinder basteln
an ihren
zimtsternen

© walter kiesenhofer; walkie@aon.at
 

Cafe Bazar 

träg treibt dieser sommernachmittag
unter den wachsenden schatten
unserer gespräche die salzach hinab. 

kuchen, torten, kaffee, ober zahlen,
erste lichter der festlichen stadt
funkeln durch unsere gebärden.

da neigen sich mit einem male
meine staubgefäße deinem
blütenkelch zu.

du aber, in deine traumufer
sicher geborgen,
strebst weiter
wartenden meeren
entgegen.

 © walter kiesenhofer; walkie@aon.at

wird fortgesetzt

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