Texte von Helmut Schida:

Der smarte Typ
Er steht bei der Speisekarte des Strandrestaurants 
und sucht die Spalte in seiner Sprache. 
Auf den ersten Blick kommt er mir wie ein 
sympathischer Geschäftsmann auf Urlaub vor. 
Auf den zweiten auch noch. 

Ein netter Zeit­genosse eben, der sich und seine 
Belange unter Kon­trolle hat, 
in einem intelligenten Job ausgezeichnet verdient, 
ein oder zwei Kinder und eine brave Frau zu Hause hat.

Hier irrt der Betrachter.

Denn in dem Moment tritt eine 
Walküre von einem Weib aus dem Schatten
sie ist fast zwei Köpfe größer als er, 
und wenn sie sich zwischen ihn und die Sonne stellt, 
dann wird es dunkel um ihn herum

Dieses Monster tritt also hinter ihn, 
dreht ihn mit einer Hand 
von der Tafel mit den Speisen weg, 
dass er beinahe stolpert 
und schon zappelt er neben ihr her.

Und plötzlich sieht er nicht mehr 
wie der smarte Ge­schäftsmann 
und glückliche Familienvater aus. 
Enttäuscht drehe ich mich zum Tresen, 
wo gerade mein nächstes Bier ankommt.

© h.schida, 2000
 

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