Texte von Helmut Schida: |
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| Geflügel | ![]() |
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Sie ist keine 18, langbeinig, schlecht auf
blond getrimmt, steckt in einem ehemals weißen Arbeitskittel und steht etwa
eine Handbreit vor einer glühend heißen Maschine, in der sich aufgespießte
Vögel drehen. Hühner und Enten auf zehn Eisenstangen, fünf Stück auf jeder.
Vor ihr sind sie in Zweierreihen angestellt, um noch so einen Vogel zum Mittagessen zu ergattern: Kids mit zu wenig Geld in den kleinen Fäusten, Alte, die sich an ihren Rollwagen klammern, Besoffene, die wankend um ein weiteres Bier anstehen. 5.40 kostet ein ganzes Huhn, 2.80 ein halbes, steht an den Seitenwänden der knapp 2 mal 2 Meter großen Bude. Enten sind etwas teurer, weil sie schwerer zu erlegen sind. Der winzige Seiteneingang zur Box ist mit vollen und leeren Bierkisten verstellt. Alle 30 Sekunden wandert ein halbes oder ganzes Geflügel über den Ladentisch – die Kasse klingelt im gleichen Intervall. Alexa, so heißt die arme Blonde, steht von 9 bis 20 Uhr vor dem glühenden Ofen. Jede Stunde kommt ihr Chef im Kombi vorbei, bleibt im Halteverbot stehen, knallt ihr neue Spieße unter die Budel, leert die Kassa und düst zum nächsten Stand ein paar Häuser weiter. Alexa reicht mir ein Bier herüber: „Ich träume schon von aufgespießten Hühnern, ob sie’s glauben oder nicht!“ Ich glaub’s ihr und zwinkere ihr zu - sie lacht zurück. Dann lege ich ein kleines Trinkgeld neben die Kasse – sie freut sich. Der Chef hält sie eh viel zu kurz – weit unter Kollektivvertrag. Wir haben alle nichts zu lachen!
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