Texte von Helmut Schida:

Keine Chance!

Seuchengefahr rund um den Globus. Und das zu Beginn des dritten Jahrtausends! In einer Welt, in der wir doch alles längst im Griff haben sollten.

Haben wir aber nicht, weil wir zu blöd dazu sind. Ganz einfach: zu wenig Hirn in zu vielen Schädeln! Eine klare Feststellung mit fatalen Folgen.

Es beginnt mit einem Husten in einem asiatischen Bergdorf – und schon ist es um die Menschheit geschehen. Bis Kanada und Afrika, bis Deutschland und Südamerika breitet sich das Virus rasend schnell aus.  

Und die Regierungen? Arbeiten wieder einmal viel zu langsam, rennen der modernen Pest entsetzt hinterher. Ganze Flugzeuge werden zu Quarantänestationen, Wolkenkratzer abgesperrt, Millionen Menschen rennen mit kleinen Tüchern vorm Mund in Todesangst durch die Straßen. 

Und in den Fernsehbildern aus diesen Gegenden kommt so richtig die Angst vorm Jüngsten Gericht rüber. Isses schon so weit? Wird es mich heute erwischen. Hab ich das Scheißding schon eingeatmet? Hat es mein Partner schon? Meine Kinder gar vielleicht?

Das Gesundheitswesen wird natürlich voll aufm falschen Fuß erwischt. In manchen Großstädten gibt es oft nur zwei Betten, die über eine wirklich dichte Quarantäne mit Behandlungs- und Forschungsmöglichkeit verfügen. Die meisten der Millionenstädte haben nicht einmal das!

Bis die WHO eingreift, sind bereits in 12 Ländern Infizierte aufgetaucht; Peking und Toronto erwischt es am schlimmsten. Jeden Tag werden mehr Tote angegeben.

Noch immer wird nach dem Erreger gesucht; tollste Theorien und Vermutungen kommen hoch: Ein aus einem Bio-Waffenlabor entsprungener Stamm? Ist das Virus einer Geflügelpest plötzlich mutiert und hat den Menschen befallen?

Camu’s Pest wird wieder verstärkt in den Buchhandlungen nachgefragt. In den Medien wird die Liste der Länder aufgezählt, wo SARS noch nicht aufgetreten ist. Sie wird jeden Tag kürzer. Mediziner glauben, dass wir diese heimtückische Lungenkrankheit nicht mehr in den Griff bekommen können – zuviel Zeit wurde kurz nach ihrem Ausbruch vergeudet.

Ganze Nationen stöhnen auf, wenn in ihrem Land der erste SARS-Fall protokolliert wird. Die Wirtschaft verzeichnet enorme Rückschläge, der Fremdenverkehr bricht zusammen, Fluglinien gehen in Konkurs.

Und nach nicht einmal einem halben Jahr ist alles vergessen. So wie die Seuche aufgetaucht ist, so ist sie auch verschwunden, nachdem sie zahllose Tote als Mahnung mitgenommen hat.

Doch was kratzt uns das? Wir sind die Erfolgsgeneration! Wir fürchten weder Tod noch Teufel und schon gar nicht so kleine unsichtbare Krankheitserreger.

Sie lernen nichts mehr dazu! Sie rennen lachenden Auges ins offene Messer. Wie meinte BUK so richtig?

Menschheit, du hattest von Anfang an keine Chance!

 

© h.schida, 2003

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