Hochzeit in Las  Vegas

VITAMINE  sind im Wüstenklima von Las Vegas sehr wichtig!
Besonders dann, wenn man vor hat, hier zu heiraten!

Ich habe vor nicht allzu langer Zeit in Las Vegas geheiratet: meine zweite Frau. Und zwar in der Kapelle, in der auch Elvis Presley seinen Bund fürs Leben mit Priscilla Beaulieu eingegangen ist. Ich hoffe nur, dass dieser Bund bei mir länger hält als bei ihm.
 

Da die Hochzeit für den 10. April angesetzt ist, fliegen Andrea und ich bereits am 8. vom New Yorker Flughafen John F. Kennedy hinüber an die Westküste der Vereinigten Staaten.
 

Wir beziehen im obersten Stockwerk des Flamingo Hilton ein fantastisches Zimmer mit vielen Extras - schließlich heiraten wir ja nicht alle Tage in Las Vegas. Dazu muss man wissen, dass jedes Hotel hier auch gleichzeitig ein Mega-Casino darstellt. Eigentlich müsste es umgekehrt heißen: jedes Casino bietet auch die Möglichkeit zu einer oder mehreren Übernachtungen.
 

Hier sind wir also recht komfortabel untergebracht (letztes Stockwerk, zweites Fenster von rechts), und nachdem die Klamotten halbwegs verstaut sind, fahren wir mit einem der vielen Lifte hinunter ins Erdgeschoss, das mit Hunderten von einarmigen Banditen ausgestattet ist. An jedem der Automaten versucht ein Tourist sein Glück, indem er Münzen aus einem Plastikbecher in den Schlitz der Maschine steckt, einmal an dem Hebel zieht und im selben Moment nach der nächsten Münze greift. Nach ein paar Minuten verschmelzen Mensch und Maschine zu einer Einheit und es fällt schwer, den Sinn der Sache zu durchblicken.
 

Alle Hotels sind äußerst komfortabel eingerichtet und versuchen einander mit immer besseren und größeren Attraktionen den Rang abzulaufen. Ist das eine Hotel ein tadellos funktionierender Zirkus (Circus-Circus), das andere eine lebendige Nachbildung eines Römer-Palastes (Cesars-Palace), so trifft man im dritten auf eine echte Seeschlacht mit Piraten (Treasure-Island) usw.
 

Eine ganz besondere Spezialität in Sachen Hotelbau stell das "Luxor" dar. Es ist total auf Ägypten getrimmt und besteht aus einer riesigen, schwarzen, hohlen Glaspyramide. Die Zimmer befinden sich hinter den schwarz getönten Scheiben, der innen liegende Hohlraum ist Einkaufszentrum, Spielcasino und Vergnügungsviertel in einem. Den ersten Tag nach unserer Ankunft verbringen Andrea und ich draußen auf dem "Strip", indem wir von einem Hotel zum anderen schlendern.
 

Im "Mirage" wartet auf den Gast eine ganz besondere Spezialität. Hier arbeiten Siegfried und Roy täglich zweimal mit ihren weißen Tigern. Las Vegas hat den beiden Stars unweit vom Hotel ein eigenes Denkmal gesetzt. Es ist durch und durch aus Plastik.
 

Spät abends begrüßt uns dann wieder unser rosafarbener Flamingo, das "Wappentier" der gleichnamigen Hotelkette. Es wird die letzte Nacht vor unserer Hochzeit. Noch ist nichts entschieden!
Und am nächsten Morgen - nach einem ausgedehnten Bad im zimmereigenen Whirlpool - sind wir bereit für den bevorstehenden Schritt ins gemeinsame Leben. Ein 10 m langer weißer Cadillac holt uns vom Hotel ab und der livrierte Fahrer bringt uns zu allen amtlichen und kirchlichen Stellen, die für so eine Trauung in Las Vegas zuständig sind. Er ist uns beim Ausfüllen der Formulare behilflich, streut dezent kleine Erklärungen für Ausländer ein und ist überhaupt rundum ein äußerst netter Bursche. Gekonnt steuert er den Schlitten durch den regen Stadtverkehr und bringt uns schließlich pünktlich zu unserer Trauungskapelle beim "Circus-Circus".
 

Sollten Sie auch mit dem Gedanken einer Heirat in Las Vegas spielen, dann darf ich Ihnen nicht verschweigen, dass schon einige Formalitäten lang vor dem eigentlichen Ereignis in der Heimat zu erledigen sind. Am besten setzt man sich mit dem Wohnsitz-Standesamt und mit der Botschaft in Verbindung. Die Zeremonien vor Ort gehen dann viel reibungsloser und auch schöner von statten. Die Hochzeit in Las Vegas hat ja den einen immensen Vorteil, dass man normalerweise nicht die ganze Verwandtschaft zu dem Ereignis einladen kann. Wir waren überhaupt nur zu zweit - und wir haben es genossen.

Dazu erhalte ich heute (13. Juli 2007) per EMAIL vom neuen Konsul die aktuellsten Heiratsunterlagen und Gebühren zugesandt, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. HIER sind sie als pdf-File zu lesen.
 

Hier sind wir soeben vor der "Wedding-Chapel" angekommen und müssen noch ein Weilchen warten: das Paar vor uns ist noch nicht ganz getraut. Die Wartezeit kommt mir recht gelegen, kann ich doch noch ein paar Fotos schießen, ein paar Gebühren entrichten, ein entsprechendes Schmuckformular für die Heiratsurkunde aussuchen und noch ein paar Kleinigkeiten finanziell abklären. Während wir drinnen getraut werden, füllt eine Schreibkraft unsere Heiratsurkunde von Hand mit Zierschrift aus. So kleine Zusatzdienste müssen natürlich auch zusätzlich entlohnt werden - und nicht zu knapp.
 

Die Kapelle selbst ist sehr klein und aus Holz gebaut. Ihr Anstrich leuchtet weiß, vermutlich wird er jedes Jahr fein säuberlich erneuert oder ausgebessert. Aus dem kleinen Zeremonienraum dringt nun laute Orgelmusik nach draußen, ein Zeichen dafür, dass drinnen alles dem Höhepunkt zustrebt. Und tatsächlich, schon nach wenigen Minuten öffnet sich das kleine Tor und unsere Vorreiter kommen uns vermählt entgegen. Inzwischen ist auch schon jenes Paar eingetroffen, das nach uns getraut werden möchte. Die Leute sind Texaner in Jeans und T-Shirt, und sie fragen uns, ob sie bei unserer Trauung wohl zusehen dürften. Wir haben nichts dagegen.
 

Dann betreten wir den winzigen Innenraum, Musik von einem CD-Player brandet auf, ein Greis mit einem Fotoapparat wieselt um uns herum, blitzt ab und zu und vorne unter dem großen Ventilator wartet in eine schwarze Robe gehüllt unsere Frau Reverend. Sie wird die Trauung vornehmen. Daran besteht kein Zweifel.
 

Dieses Bild wird unmittelbar nach dem Ja-Wort geschossen. Es ist unser offizielles Hochzeitsfoto. Während der Trauung ist mir nicht so fröhlich zu Mute, muss ich doch viele Sätze in englischer Sprache nachsagen, von denen ich kaum ein Wort verstehe. Mehrmals unterbricht die Reverendin und lässt mich von vorne beginnen, bis ihr meine nachgeplapperte Textpassage halbwegs passt. Es scheint nie enden zu wollen - langsam sehe ich bunte Kreise vor meinen Augen. Aber irgendwie schaffen wir es dann doch.
 

Diese Rechnung wird mir beim Ausgang dann noch nebst vielen guten Wünschen für die bevorstehenden Ehejahre in die Hand gedrückt. Aus Pietät blende ich die angeführten Preise und Leistungen aus - irgendwo beginnt auch für mich die Privatsphäre.
 

Das Kalenderblatt und das Deckblatt für die amtliche Trauungsurkunde kann ich aber ohne schlechtes Gewissen hier veröffentlichen. Auf der schwarz-weißen Reproduktion schaut die Kirche viel größer als auf den Fotos aus. Aber schön und erlebnisreich war es allemal.
 

Wir bleiben noch 2 Tage in Las Vegas und bummeln nun frisch vermählt den Strip entlang. Das "Treasure Island" habe ich schon erwähnt. Täglich um 17 Uhr findet auf dem riesigen Gelände vor dem Hotel eine Seeschlacht statt. Das Hotel selbst steht im Wasser und ist nur über Landungsstege und eine künstlich angelegte Mole zu erreichen. Und in dem künstlichen Meer steuern jeden Tag um Punkt fünf zwei Schiffe aufeinander zu, Kanonen donnern, Feuer blitzt auf und es kracht ganz fürchterlich. Matrosen und Piraten springen von einem Schiff aufs andere, meucheln einander mit Pistolen und Säbeln, verschleppen Jungfrauen und Schatztruhen - und nach 10 Minuten ist der Spuk vorbei. Im Wasser laufende Stahlseile ziehen die Schiffe in ihre Ausgangspositionen zurück, wo sie für ihre nächste Schlacht fit gemacht werden. Die Piraten vertauschen ihre Maskerade wieder mit ihren Kochmützen, die Jungfrauen verwandeln sich flugs in Zimmermädchen, und der Strom der Touristen vor dem Hotel beginnt sich langsam aufzulösen.
 

Noch viel gäbe es über Las Vegas zu erzählen. Vielleicht die traurige Tatsache, dass wir an keinem der Spieltische auch nur einen einzigen Dollar gewonnen haben, dass es uns auch nicht geglückt ist, einen dieser zahllosen Automaten zu knacken, und auch bei den Karten oder Würfeln haben wir vergebens auf das große Los gewartet.
 

Das wirklich große Erlebnis haben wir dann am letzten Tag unseres Aufenthaltes in Las Vegas. Wir fliegen mit einer kleinen Maschine in den Grand Canyon und verbringen am Rand dieser einmaligen Schlucht wohl einen der schönsten Tage unseres Lebens. Der Canyon ist das gewaltigste Naturdenkmal, das ich in meinem Leben bisher gesehen habe. Und ich hab schon ein paar Dinge zu Gesicht bekommen; das können Sie mir glauben!

An dieser Stelle endet mein Bericht über Las Vegas. Aber wir sind von hier gleich nach San Francisco geflogen und haben dort unsere Flitterwochen verbracht. Machen Sie mit? 

Oder steuern Sie doch ein anderes meiner beliebten Reiseziele an.
 
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