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Seit Mai 2009
texte und zeichne ich nun auch für die Online-Zeitschrift "Der
Skorpion".
Hier eine kleine Chronologie meiner Beiträge, die ich stets aktuell
halte. |
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Mai 2009 |
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Gemälde: "Im Sinkflug" von Helmut Schida (www.oelbildgalerie.at)
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Die totale Überwachung
Westliche
Parlamentarier verdienen im Allgemeinen nicht schlecht. Auf jeden Fall
besser als Bauern, Lehrer, Priester und Krankenschwestern, wage ich zu
behaupten. Daher mache ich mir über die finanzielle Situation unserer
Abgeordneten, Minister und Kanzler wirklich keine Sorgen.
Aber ihr leibliches Wohl liegt mir seit kurzem doch sehr am Herzen. Lese
ich doch in einer unserer Tageszeitungen, von einer massiven
Bombendrohung, die unser Hohes Haus erreicht haben soll. Genau werden
Zeit und Ort des Wahnsinns durchgegeben: Die Bombe befindet sich bereits
im Innern, in einem der Sitzungssäle eben.
Danach erst
einmal Aufatmen. So gesehen hat man alles im Griff, denn vor knapp einem
Jahr wurde um horrende Summen – Steuergelder eben – im gesamten Hohen
Haus ein extrem ausgeklügeltes Überwachungssystem mit 112 Kameras,
vielen Monitoren und Aufzeichnungsgeräten installiert. Da die Tat noch
keine 24 Stunden zurückliegt, müssen der oder die Täter unzählige Male
schön scharf porträtiert auf den feuerfest gelagerten Bändern zu sehen
sein. Keine Maus entkommt den sich überschneidenden Blickwinkeln der
Kameras im Innern und Äußeren unseres Parlaments!
Die Gesichter werden jedoch gleich viel länger, als man die Bänder
abspielen möchte. Sie sind komplett leer, zeigen nicht einmal ein
Flimmern. Der Grund: Das Parlament hatte das Gesetz zum Einschalten der
Anlage noch nicht verabschiedet. Seitdem ist die Anlage zwar
installiert, aber noch keine einzige Minute gelaufen. Oha!
Und gerade richten wir die EM 2008 aus. Aber unterdessen haben wir alles
bestens im Griff!
H. Schida, 2009
www.superschida.com/ |
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Juni 2009 |
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Gemälde: "Goldrausch 2009" von Helmut Schida (www.oelbildgalerie.at)
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Goldrausch
Sie hatten uns das Haus
weggenommen
einfach unterm Arsch weggezogen
wegen so einer Kreditgeschichte.
Dazu die drei Brände in den letzten fünf Jahren.
Der Ort lag genau auf einer Bruchlinie
typische Erdbebenzone.
Es rumpelte oft in der Nacht,
die Gläser klirrten im Wandschrank,
die Scheiben krachten in den Fensterrahmen,
manchmal fiel ein Bild von der Wand.
Und jetzt macht noch das Werk dicht – arbeitslos.
Alles total trostlos, so beschissen,
dass wir das ganze Zeug auf den Hänger laden
und uns des Nachts davonmachen.
Nach Norden, 170 km bis Sacramento.
Unterwegs schließen sich uns an:
Verzweifelte, Verrückte, Verbrecher
und sonstige Verdammte.
Hunderte kommen jeden Tag am Fluss an,
stecken ihre Claims ab und beginnen
den harten, lehmfarbenen Boden zu durchwühlen.
Wir suchen alle verzweifelt nach Gold
an den Ufern des Sacramento-River.
Kaum einer erwischt ein Metallkorn,
kein einziger wird reich, etliche verrecken im Wasser
oder in den Schächten oder bekommen in der
Dunkelheit ein Messer rein.
Weltwirtschaftskrise, Goldrausch
Kalifornien, Frühjahr 2009
H. Schida, 2009
www.schida.at/ |
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Juli 2009 |
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Gemälde: "Cafés in Paris" von Helmut Schida (www.oelbildgalerie.at)
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Mitleid
In letzter
Zeit immer mehr von diesen
beschissenen Todesnachrichten.
Freunde verlassen mich für immer,
Bekannte sind mit einem Schlag unbekannt verzogen,
Hunde werden unheilbar krank eingeschläfert,
Fremde und Feinde werden mir aus dem Weg geräumt,
Philanthropen und Mutter Teresas trifft es ebenso
wie Bankiers und andere Halsabschneider.
Ungeziefer
kommt und vergeht
seit Menschengedenken.
Das schlägt
mir gehörig auf den
ohnehin angegriffenen Magen,
da mit jedem dieser Tode
das Singen der Sense
auch für mich deutlicher hörbar,
lauter und schneidender wird.
Und ich hab‘
kein Mitleid mit den Toten -
nur voraus eilendes Selbstmitleid.
Amen.
Weitere Texte von Helmut
Schida:
http://www.superschida.com/literatur/ |
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August 2009 |
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Gemälde: "Regen vorm Fenster" von Helmut Schida (www.oelbildgalerie.at)
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Feuerwalze
Wie jedes Jahr brennen auch heuer im Sommer wieder die Wälder an
Kaliforniens Küste. An 1000 Stellen gleichzeitig, angefacht von den
stürmischen Winden um diese Jahreszeit.
Ein paar entstehen durch Blitzschlag oder weggeworfene Zigaretten, die
meisten sind jedoch gelegt. Von der Mafia, die damit die
Grundstückspreise manipuliert. Dabei gehen millionenschwere Villen der
Filmstars, Politiker und Waffenschieber drauf, aber auch etliche arme
Teufel werden obdachlos. Kein Sender redet mehr davon, was an uralten
Bäumen, wichtigen Heilpflanzen und Tieren dabei draufgeht.
Und heuer isses ganz makaber. Die Feuer sind nicht mehr unter Kontrolle
zu bringen, die Winde drehen mehrfach, keiner weiß, wo zuerst zu
evakuieren wäre. Feuerwehren werden vom Feuer eingeschlossen, die
Löschflugzeuge und Hubschrauber können selten starten, Chaos bricht aus.
Und viele Einheimische und Touristen fliehen nur mit dem, was sie am
Leib haben, aufs offene Meer hinaus, als sie die Feuerwalze vom
Landesinneren vor sich hertreibt.
Und irgendwo reiben sich ein paar Familien und deren Paten insgeheim die
Hände – sie haben bei der Aktion Millionen eingestreift.
Jetzt ist die Zeit der Feuersbrünste vorbei, das Wetter hat
umgeschlagen, die Gewinne sind aufgeteilt und schon werden die
Brandmarken für‘s Jahr auf den Landkarten abgesteckt.
Mehr vom Autor
Helmut Schida:
http://www.universalgenie.com/ |
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September 2009 |
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Gemälde: "Pizza-Pilz" von Helmut Schida (www.oelbildgalerie.at)
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Analog
imitiert
Jetzt serviert
man uns bereits
Attrappen zum Frühstück
Dem Käse
ähnlich kommt die Analogie
mittags auf dem Pizzaboden daher
Verhältnismäßig schimmlig in
Geschmack, Geruch und Aussehen
Aus Wasser,
Eiweiß und Pflanzenfett
ohne einen Tropfen Milch
Nachbildungen
aus Wasser und
schnittfähigem Stärke-Gel
Knorpel- und
Schinkenreste vermengt und in Form
gebracht - ähnlich dem Schinken von früher
Was hab ich
damals Schinken-Käse-Toasts verdrückt?
Noch kürzlich Pizzas mit echtem Belag verspeist?
Die Zeiten
sind wohl für immer vorbei
bleibt nur noch ein‘s zu sagen: Mahlzeit!
Weitere Texte von Helmut
Schida:
http://www.universalgenie.com/ |
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Oktober 2009 |
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Gemälde: "Afrikanerin" von Helmut Schida (www.oelbildgalerie.at)
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Und singen kann sie!
Schon bevor ich bei Ghirardelli
um die Ecke biege
kann ich sie hören
Eine raue krächzende Stimme
die dir durch die Knochen
direkt ins Hirn knallt
und gleich darauf ist sie da
die Faust im Magen
Ich komme um die Ecke
Da stehen sie
Sie, eine kleine zarte Schwarze
er, alt und grauhaarig
zentimetertiefe Furchen im Gesicht
Den kleinen Verstärker
haben sie an die Autobatterie
ihres uralten Chevy geklemmt
Die Motorhaube steht offen
Langsam dämmert der versinkende Tag
blauviolett von Golden Gate herüber
"Hit The Road Jack" röhrt die Kleine
ins Mikro
während der Alte sie auf der Gitarre
und einer Mundharmonika
die er mit einem Drahtgestell
um den Hals trägt begleitet
Schnell sammeln sich zehn bis fünfzehn Leute
um die beiden herum
ab und zu fällt eine Münze
worauf der Alte jedes Mal mit dem Kopf nickt
Sowas von Gesang hab ich bisher nur
auf den alten Platten von Bessie Smith
oder Mahalia Jackson gehört
Sie bringen noch ein paar Lieder rüber
dann machen sie eine Pause
Sie sammelt die Münzen ein
während er aus dem Motorraum
des 68er-Chevy eine kleine Gaslampe
mit Glühstrumpf holt und sie anmacht
Er muss etliche Male pumpen
und jedes Mal wird das matte Licht
um eine Spur heller
So eine Lampe hab ich zuletzt als Kind
kurz nach dem Krieg gesehen
Jetzt stellt er sie auf den Luftfilter
greift sich die Gitarre
klimpert ein wenig darauf herum
während seine Partnerin von einem Fuß
auf den anderen stampft
und sich in die Handflächen haucht
Es weht nämlich sofort bitterkalt
von der Bucht herein
wenn einmal die Sonne weg ist
Und urplötzlich legen die beiden mit
"I´ ve Got A Woman" los
Ich schrecke direkt hoch
so rau und hart klingt ihre Stimme jetzt
Ich stelle den Kragen meiner Jacke hoch
und während ich die Steigung
zum Russian Hill-Park hinaufklettere
höre ich die beiden noch immer
und werde ihre Lieder kaum mehr los
Mehr vom gleichen Autor:
http://www.universalgenie.com/
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November 2009 |
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Gemälde: "Serengeti" von Helmut Schida (www.oelbildgalerie.at)
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Thai-Paradies
Während der
Monteur den neuen Herd in meiner Küche anschließt, erzählt er mir von
einem Thaimädchen, das sich sein verwitweter Vater vor ein paar Jahren
von dort aus‘m Urlaub mit nach Hause gebracht hat. Zwei kleine Kinder
haben die beiden auch schon, mein Monteur somit zwei kleine
Halbgeschwister und eine Thai-Stiefmama, die kaum älter ist als er
selbst.
Der Herd ist
inzwischen angeschlossen, er dreht an den Schaltern, leises Summen, ein
Ventilator dreht sich, die Kochfelder leuchten rot auf. Man kann sie
trotzdem gefahrlos angreifen. Jaja, die Technik heutzutage hat’s in
sich.
Und während er
den Herd an die Wand schiebt, die Abdeckleiste wieder anschraubt und
sein Werkzeug langsam verstaut, erzählt er mir so nebenbei, dass vor
zwei Wochen sein Vater plötzlich verstorben ist, und sich nun er
die Thaifrau, seine Stiefmutter, unter den Nagel reißt – und nicht nur
unter diesen.
„Es klappt
alles vorzüglich mit ihr“, tönt er, „und ihre Rechnung macht 612 Euro
aus“.
Ich geb ihm
650 - er wird’s wohl brauchen.
Mehr vom Autor
Helmut Schida:
http://www.superschida.com/
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Dezember 2009 |
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Grafik: "Schlipsträger sind extrem verseucht" von Helmut Schida (www.oelbildgalerie.at)
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H1N1 und die Schlipsträger
Pandemiealarm 2009! Solche Sachen darf man nicht verniedlichen, die sind
gefährlich, können ganze Kontinente erfassen, ja die halbe Menschheit in
den Abgrund stürzen. Das Virus mit dem schönen Namen H1N1 hat erstmals
im April dieses Jahres auf der Erde zugeschlagen – besser gesagt, da hat
man es entdeckt. Bei zwei Menschen – unabhängig voneinander infiziert –
in den USA. Schnell hat man auch einen Namen für den kleinen Teufel
gefunden: „Schweinegrippe“. Fragt mich nicht warum, denn schon hat ein
Bauer seine gesamte Schweineherde mit H1N1 angesteckt. Alle Tiere wurden
gekeult, der Bauer nicht. Die Schweine werden das Virus wohl
„Menschengrippe“ nennen. Ich könnt’s verstehen.
Aber ich schweife vom Thema ab. Die WHO sagt uns, dass eine Pandemie
nicht mehr zu stoppen sei. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden in allen
Ländern der Erde vermehrt Menschen von dieser grippeartigen Krankheit
befallen werden, viele von ihnen sterben. Besonders am Ende der
Urlauberwelle, wenn die Populationen gut durchgemischt sind. Es ist so
weit. Fast alle sind wieder daheim, auf allen Flugplätzen werden
Fiebernde in Quarantäne genommen. Die Produktion eines umstrittenen
Impfstoffs läuft weltweit an. Keiner kann sagen, ob der was helfen wird.
Naja, wenigstens geht es der Pharmaindustrie besser.
Und natürlich gelingt keine weltweite Koordination der Einsatzpläne
gegen die Krankheit, nicht einmal in der EU. Die schiebt die
Verantwortung an die einzelnen Mitgliedsländer ab, und diese reagieren
höchst unterschiedlich. Vielerorts tauchen die Gesichtsmasken der
letzten überstandenen Grippewelle wieder auf, ein Staat verbietet ganz
einfach jede Art von Massenveranstaltungen, wo anders wird auf
vermehrtes Waschen gedrängt, Schulklassen werden geschlossen,
unterrichtet wird übers Internet, in Italien wird das Küssen auf
öffentlichen Plätzen verboten, man zeigt uns im Fernsehen, wie man
Türgriffe vor deren Benützung effektiv desinfiziert, in etlichen Ländern
wird die Vorsorge jedem einzelnen Bürger überlassen, Spitäler sollen
lieber nicht aufgesucht werden, Bettruhe für eine Woche zu Hause sollte
in den meisten Fällen genügen.
Aber für mich schießt Frankreich mit einer grotesken Verordnung den
Vogel ab: Chefs, Direktoren, Managern, Beamten usw. – also allen
Schlipsträgern – soll das Tragen von Krawatten verboten werden. Ein
entsprechender Antrag wird mit der Begründung, dass dieses
Kleidungsstück viel zu selten gereinigt wird und daher eine
Übertragungsquelle höchster Gefahrenstufe darstellt, eingebracht.
Ich hab seit mindestens 20 Jahren kein solches Halsband getragen, und
die eine schwarze Krawatte – für den letzten Ernstfall – wandert sofort
in den Ofen. Jetzt bin ich absolut sicher!
Mehr vom gleichen Autor:
http://www.schida.at/ |
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Verlage, die Interesse an Werken von
Helmut Schida haben, bitten wir um Kontaktaufnahme unter:
schida@web.de oder
helmut.schida@chello.at |