|
Ersatzbus |
|
Ich seh’s am
Armaturenbrett: das reinste Feuerwerk. Der Bus macht’s nicht mehr lang.
Und mir im Nacken sitzen dreißig fröhliche Rentner, meist alte,
klapprige Omas, die alle gratis in Graz essen und trinken wollten und
danach fast eine jede ein Kopfkissen aufgeschwatzt bekommen hat. Auch
zwei uralte Männer habe ich an Bord, sie gehen in der Masse der Damen
jedoch völlig unter. „Der Motor ist stark überhitzt und schafft es tatsächlich nicht mehr weiter, aber ein Ersatzbus aus Wien ist unterwegs und wird uns hier bald abholen.“ Genauer leg ich mich nicht fest. Dann marschiert die zweite Vierergruppe los.“Der unfreundliche Arbeiter hätte uns fast nicht mehr aufs Klo gelassen“, feixt eine von den zurückkommenden Alten. Ich schicke das nächste Quartett los. Alle zappeln sie auf das Klo zu; die schnellste Oma verschwindet sofort in dem Blechkasten. Da sehe ich, wie sich ein Schatten aus dem Abstellplatz löst und von hinten auf das Klo zufährt. Es ist ein Gabelstapler. Der Mann beherrscht sein Gefährt. Blitzschnell schiebt er die Gabel unter das Mobil-Klo, hebt es samt seinen Inhalt ein paar Meter hoch und gibt Gas. Aus dem Klo dringen gellende Hilferufe. Der Oma scheint es gar nicht gut zu gehen. Erst nach etwa 200 Metern stellt der Stapler das Häuschen wieder auf den Boden und fährt davon. Zaghaft öffnet sich die Tür. Den Rock bei den Knöcheln und in Unterhosen wankt die Oma heraus. Ihren Hut hat sie nicht mehr auf dem Kopf. Inzwischen sind die anderen drei bei uns angelangt. “Sie haben die Angela samt dem Klo entführt!“ “Stimmt nicht, meine Damen. Angela kommt gleich wieder. Sie hat nur einen kleinen zusätzliche Ausflug unternommen.“ Angela hat inzwischen ihre Kleidung halbwegs in Ordnung gebracht und hastet über Stock und Stein in Richtung Bus. Nie und nimmer hätte ich der rüstigen Achtzigerin dieses Tempo zugetraut. Etwas außer Atem kommt sie bei uns an. “So eine Frechheit! Hat der nicht gesehen, dass da noch jemand drinnen ist?“ Hat er sicher. Nur wollte er sich sein privates Baustellen-Klo nicht von einer ganzen Reisegruppe zuscheißen lassen. Schon eigenartig, dass die restlichen eineinhalb Stunden bis zur Ankunft des Ersatzbusses niemand mehr aufs Klo musste! © Helmut Schida, Wien - E-Mail: helmut.schida@chello.at
|
|
Verlage, die Interesse an Werken von
Helmut Schida haben, bitten wir um Kontaktaufnahme unter:
|