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Post Office |
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Titel der
deutschsprachigen Übersetzung „Der Mann mit der Ledertasche“ – mit „Post
Office“ also verbinden Kenner der Social-Beat-Szene der 70er-Jahre einen
Mann, einen Begriff: Charles Bukowski. Er schrieb diesen Roman – sein
Erstlingswerk – innerhalb von drei Wochen in einem Stück herunter und
schrieb sich in ihm seinen Frust und seine Demütigungen, die ihm der
amerikanische Paradebetrieb „U.S. Mail“ in mehr als einem Jahrzehnt
zugefügt hatte, von der Seele. Ja, ja, Charles „Hank Chinaski“ Bukowski war lange Jahre Angestellter der amerikanischen Post, war Briefsortierer und Zusteller und gleichzeitig Säufer und Nuttenbetreuer oder ließ sich von ihnen betreuen. So genau weiß man das heute nicht mehr. Und den hart gesottensten Hund, den ich kenne, schaffte dieser Job innerhalb von zehn Jahren. Die Aufseher, die monotone Arbeit an den Sortierkästen, die Einteilung der Zustellrouten, von denen er immer die längsten, steilsten und schlimmsten zugewiesen bekam, die einsamen Hausfrauen, die im Negligee hinter der Ein-gangstür mit der immer gleichen Frage „Haben sie keinen Brief für mich heute, Postmann?“ auf ihn warteten, die beißwütigen Hunde, die ihm die Post abjagten und ihre Schnauze von hinten in seinen Schritt bohrten, all das brachte ihn oft nicht nur an den Rand des Wahnsinns. Nein, es machte ihn über weite Strecken dieser Zeit wirk-lich irre. Wie gut hat es ein Angestellter des gleichen Unterneh-mens dagegen heute! Eine starke staatenübergreifende Gewerkschaft, ein angenehmes Betriebsklima, eigene Postfahrzeuge in Hülle und Fülle, eine geregelte Arbeitszeit und vieles mehr versüßen heute den Postleralltag. Davon wagte vor ein paar Jahrzehnte unser Henry Chinaski nicht einmal zu träumen. Im Gegenteil. Knapp bevor sie ihn wirklich in die Klapsmühle eingeliefert hätten, kündigte er den sicheren Staatsjob und zog es vor, mit der durch und durch unsicheren Schriftstellerei zu beginnen. Anfangs ohne Erfolg, ohne Geld ohne alles. Heute hätte er es bei der gleichen Institution – wie gesagt – viel komfortabler, würde mehr verdienen und würde nicht von allen Seiten angeschissen werden. Nur eines: Er hätte das gesundheitliche Risiko zu tragen, Briefe zuzustellen, die eventuell das tödliche Anthrax – besser bekannt unter Milzbranderreger - beinhalten. So gesehen: sei froh Charles, dass du seit 1994 unter der Erde bist. Diese zusätzliche Belastung hätte Dich nämlich mit Sicherheit um den Rest deinesVerstands gebracht. (Gewidmet den vielen Postangestellten der USA, die seit dem 11. September 2001 unter steter Lebensgefahr ihren Dienst versehen . . . müssen.) © Helmut Schida, Wien - E-Mail: helmut.schida@chello.at
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