|
Vater |
|
Er ist seit
knapp 30 Jahren tot und ich hab ihm damals keine einzige Träne nachgeweint Er war ein mieser Tyrann hat Mutter und mich stets angeschrieen und verdroschen Er war hassenswert und Furcht erregend Mutter hat ihn gefürchtet ich ihn gehasst Er war nicht immer so will mir heute scheinen der Krieg hat ihn zum Tyrannen gemacht Er hat mir ein einziges Mal von dieser Tyrannei erzählt als er in Russland zum Einsatz kam Er hat sie schreien hören, die Jungen um ihn herum, als sie zum ersten Sturmangriff getrieben wurden Er hat für mich ihre Schreie nachgemacht: “Muuuutaaa, Muuutaaa…“ während das Blut die Gräben tränkte Er hat auch die zerfetzten Leiber gesehen hat die Hundemarken von ihren toten Hälsen gerissen und die eine Hälfte nach Hause geschickt Er wurde von einem Russen ins Kreuz geschossen – von Tausenden überlebt nur einer so etwas Er hat überlebt – körperlich seelisch jedoch war er seither tot ein toter Tyrann, der nicht anders konnte Sie haben ihm die besten Jahre seines Lebens genommen und ihn dann weggeworfen Heute hasse ich ihn lange nicht mehr Heute fehlt er mir bei allen wichtigen Dingen Heute lebt er in mir weiter … oder ich in ihm © Helmut Schida, Wien - E-Mail: helmut.schida@chello.at
|
|
Verlage, die Interesse an Werken von
Helmut Schida haben, bitten wir um Kontaktaufnahme unter:
|