Warum drei Viertel der Menschheit hungert
 


Hungerndes Kind, Mexiko

 

Sokrates weist bereits im 4. Jahrhundert vor Christus in seinen Reden über den Staat darauf hin, dass dieser nur dann gesund zu erhalten sei, wenn man die Menschen vegetarisch ernährt. Er warnt, dass mehr Weideland benötigt werde, sobald die Menschen begännen, den Tierbestand zu erhöhen, um zusätzlich Schlachttiere zu halten. Sokrates meinte: "Und das Land, das ursprünglich groß genug war, um all seine Bewohner zu versorgen, wird auf einmal zu klein sein, und so werden wir in den Krieg ziehen müssen."

Es ist wirklich erstaunlich, dass Sokrates nicht nur die ethischen und gesundheitlichen Nachteile des Fleischessens bekannt waren, sondern offensichtlich auch die ökonomischen. Er weist mit Recht darauf hin, dass die Erde genug Nahrung für all ihre Bewohner hervorbringt, dass aber ein Fehlverhalten von nur wenigen Menschen schon weittragende Folgen haben kann. Die Wirklichkeit hat seine Vorahnungen weit übertroffen.

Der Teufelskreis, der durch den Konsum von Fleisch ausgelöst wird, ist wahrscheinlich das schlimmste Beispiel für das Zusammengehen von menschlicher Unvernunft und blinder Zerstörung.


Bettler in Chile

 

Fleisch hat den großen Nachteil, dass es nur wenige Menschen auf Kosten vieler ernährt. Denn für die Produktion von Fleisch wird wertvolles Getreide, das die hungernden Menschen direkt ernähren könnte, an Tiere verfüttert. Laut amtlicher Angaben der USA werden über 90% des in der Vereinigten Staaten angebauten Getreides an Tiere (Rinder, Schweine, Lämmer, Hühner usw.) verfüttert. Das bedeutet, dass an die Schlachttiere Amerikas mehr Getreide verfüttert wird, als die Bevölkerung von Indien und China zusammen zur Ernährung bekommt! Diese Art der Umwandlung hochwertiger pflanzlicher Nahrungsmittel in Fleisch ist im höchsten Maß verschwenderisch. Um ein Rind ein Jahr lang zu füttern benötigt man 0,5 ha Weideland. Nach einem Jahr erhält man von diesem Tier 300 kg essbares Fleisch.

Hätte man auf dieser Fläche ein Jahr lang Kartoffeln oder Getreide angebaut, hätte man 3.000 kg Getreide oder 20.000 kg Kartoffel ernten können. Das heißt: Ein Steak von etwa 220 Gramm enthält so viel Pflanzenenergie, dass man damit rund 40 Menschen einen Tag lang vor dem Hungertod bewahren könnte!

Und diese Verschwendung geschieht willentlich und aus knallharter Profitgier. Seit dem Zweiten Weltkrieg haben finanzstarke Konzerne begonnen, zahllose kleine Agrarbetriebe aufzukaufen, sie in gigantische Monokultur-Farmen umzufunktionieren und die Erträge mit modernster Technologie, chemischen Düngern und jetzt auch mit Hilfe von Gentechnik zu vervielfachen. Die Folge davon ist ein unvorstellbar großer Getreideüberschuss. Um zu verhindern, dass durch die Überproduktion die Preise sinken, gibt es nur zwei Alternativen: die Vernichtung des Getreides oder die Umwandlung des wertlosen Getreides in Fleisch, das dann mit hohen Gewinnen verkauft werden kann. Wie sich die Wirtschaft entschieden hat, ist klar. Dabei ist das Rind noch die effektivste Getreidevernichtungsmaschine. So entspricht ein Kilogramm Rindfleisch 16 Kilogramm Getreide oder Sojabohnen. Die restlichen 15 Kilogramm - das sind 94% - sind für die Menschheit verloren. Die Fleischwirtschaft ist also maßgeblich für die Vernichtung von Nahrungsmitteln in gigantischem Ausmaß verantwortlich. Und dennoch wird die Fleischproduktion immer wieder durch neue Gesetze mit riesigen Subventionen gefördert, und gleich zweifach auf Kosten des Konsumenten: Zum einen werden mit ihren Steuergeldern in Form von Subventionen die Schlachttierhalter unterstützt. Zum anderen erhöhen sich zwangsläufig die Preise für die gesunden Nahrungsmittel wie Brot, Milch, Gemüse und Obst. Während also Fleisch künstlich billiger angeboten wird, steigen die Brot- und Milchpreise! Diese Taktik der Großkonzerne führte und führt weiter zu einem explosionsartig gesteigerten Fleischangebot, und so musste dem Volk der wachsende Fleischberg irgendwie schmackhaft gemacht werden. Über eine groß angelegte Werbung und "wissenschaftliche" Propaganda wurde verkündet, Fleisch sei gesund und wichtig, der Mensch brauche viel Protein, pflanzliches Protein sei minderwertig, Vegetarier hätten Mangelerscheinungen usw. Leider wird dieser werbetechnische Unsinn auch heute noch von vielen Ärzten, Medizinprofessoren und -studenten geglaubt und verkündet.


Fischerboot mit Ureinwohnern

 

Dabei hungert die Dritte Welt in einem Ausmaß, das wir "satten Westler" uns nicht vorstellen können. Dort sterben nämlich täglich rund 38.000 Kinder an den Folgen der Unterernährung, und weltweit verhungern jährlich 20 Millionen Menschen. Stellvertretend für all jene, die diese skandalösen Zusammenhänge erkannt haben, sagt der Schweizer Nationalrat und Drittewelt-Experte Prof. Jan Ziegler: "Diesen fürchterlichen Massenmord will ich nicht mehr mitmachen. Kein Fleisch zu essen ist ein minimaler Anfang."

Solche Tatsachen bewogen Wirtschaftsexperten, darauf hinzuweisen, dass das Welthungerproblem im Grunde nur von wenigen Menschen, nämlich den Fleischessern in den Industrieländern, verschuldet wird. Nicht die angebliche Überbevölkerung ist die Ursache der Nahrungsmittelknappheit, unter der heute fast drei Viertel der Erdbevölkerung leiden, sondern der

Missbrauch von Nahrungsmitteln.Wir produzieren im Grunde mehr als genug Nahrungsmittel für alle Menschen auf unserem Planeten, doch wir verteilen sie ungerecht, indem wir sie verschwenden, sie an Schlachttiere verfüttern oder auch tonnenweise ins Meer kippen, um den Preis stabil zu halten.

Daten und Texte stammen zum überwiegenden Teil aus dem Buch "Vegetarisch leben" aus dem Govinda-Verlag.

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Vitamine und Nahrungsergänzung

 

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