Carpe diem ...
(... für Nicht-Lateiner: Nütze den Tag / Nütze die Zeit)

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Ich erzähle hier nicht meine Krankengeschichte, ich erzähle die Geschichte meiner Krankheiten mit dem Ziel, Leidensgenossen ein wenig Halt zu geben, damit sie nicht gleich verzweifeln. Die Seite will und kann natürlich nicht heilen, den Arzt ersetzen oder sonst etwas in dieser Richtung. Sie soll einigen meiner Mitmenschen vielleicht in ihrer Mutlosigkeit wieder Hoffnung geben. Sie sollen erfahren, dass man nicht gleich aufgeben muss, egal wie schwer das Schicksal auch zugeschlagen haben mag. O.K.?

Und noch etwas: Die Seite ist in Tagebuchform geschrieben. Je weiter du nach unten scrollst, desto tiefer dringst du in die Vergangenheit meiner persönlichen Leiden, Erfolge und Rückschläge vor.

Wenn ich die Eintragungen nach so vielen Jahren selbst wieder lese, vermeine ich, in das Tagebuch eines Fremden zu schauen. Und doch bin ich es, der all das erlebt, gefühlt und gelitten hat. Allerhand!

 
 
September 2016: Der Graue Star und seine Folgen -  Aug' um Aug'
 
Wenn du mal die Überkopfwegweiser auf der Südosttangente erst aus einer Entfernung von unter fünfzehn Metern entziffern kannst und dabei dein Auto auf der Autobahn auf unter 50 herunterbremsen musst, dann wird’s langsam Zeit etwas zu unternehmen. Die Fahrer hinter dir glauben nämlich, du bremst ohne Grund, fahren bis auf wenige Zentimeter an dich heran und hupen wie verrückt. Sie haben einfach kein Verständnis für deine Lage. Mistkerle!

Der letzte Besuch beim Augenarzt liegt auch schon fast ein Jahrzehnt zurück, und damals war schon die Rede von einem beginnenden Grauen Star, den man in spätestens 2 Jahren wird operieren müssen. Mit dem Problem trete ich an meinen Hausarzt heran, der mich vorsichtig darauf hinweist, dass alle Augenärzte im Bezirk Wartezeiten von 6 Wochen aufwärts hätten, und nur diese könnten mir nach eingehender Untersuchung eine Überweisung in eine entsprechende Klinik ausstellen. Das sieht nicht gut aus, besonders dann, wenn man schon so wenig sieht wie ich die letzten Monate. Erkenne ich doch Menschen auf der Straße erst wieder, nachdem sie mich gegrüßt haben und längst an mir vorbeigerannt sind. Langsam hält man mich für einen ungehobelten und überheblichen alten Trottel.

Mit viel Glück kann ich die Wartezeit erheblich verkürzen, und sitze schon am nächsten Tag in der Ordination einer profunden Kennerin der Materie gegenüber, bekomme die Augen eingetropft, blicke durch verschiedene Geräte, die an kleine Fernrohre erinnern und bekomme sofort eine Überweisung zu einer Augenchirurgin am Rande der Stadt, und bei dieser dann nach abermaliger kurzer Inspektion meiner Augen sofort einen Op-Termin. Eigentlich sind es zwei Termine. Zuerst kommt das schlechtere Auge dran und eine Woche danach das andere. Die hübsche Endvierzigerin erklärt mir alles, was sie vorhat an mir und meinen Augen zu verändern - und das ist gar nicht wenig -, lässt mich ein paar Papiere unterschreiben und ersucht um rasche OP-Freigabe durch meinen Hausarzt oder einen Internisten. Auch das bringe ich hinter mich, und am nächsten Mittwoch fährt mich eine Kollegin von früher in die Klinik. Selbst darf ich kein Auto mehr fahren, hätte ich doch ohnehin mit dieser Sehleistung nie und nimmer hingefunden.

Um Punkt 10 Uhr ziehe ich im Spital ein, bekomme ein Bett in Zimmer 114a zugewiesen, dazu ein hinten offenes Nachthemd und Einmal-Socken mit Gumminoppen, um nicht auszurutschen. Und schon heißt es „Ab ins Bett“.

Das nun folgende Prozedere zieht sich und kommt mir sehr lang vor. Nach einer Stunde kommt eine Schwester und legt uns mit einer Pinzette je eine kleine Tablette in das für die OP vorgesehene Auge.

„Jetzt bleibt ihr alle ruhig liegen, schließt die Augen und ja nicht reiben! Die Frau Doktor wird gleich kommen.“

Sie kommt dann auch tatsächlich knapp vor 12, spricht zu jedem ein paar aufmunternde Worte, macht mit einem Filzstift ein Kreuz über dem zu operierenden Auge und verschwindet wieder. Bald danach wird der “Erste Fall“ mit seinem Bett hinaus geschoben. Aha, es geht also los. Jede OP wir etwa eine halbe Stunde dauern. Jetzt wäre es gut zu wissen, wann man selbst an die Reihe kommt. Es sind nämlich 10 Operationen vorgesehen. Im schlimmsten Fall kommt man erst in etwa 5 bis 6 Stunden dran. Natürlich bin ich der „schlimmste Fall“.

Das hat aber auch einen Vorteil. Ich kann mir die Burschen, wenn sie aus dem OP zurück ins Zimmer gerollt werden, genau ansehen. Sie sehen etwas derangiert aus, haben alle ein Auge dick verklebt und bleiben mal eine knappe Stunde reglos in ihrem Bett liegen. Darauf achtet die Schwester besonders streng. Danach dürfen sie sich ankleiden und bekommen eine Kleinigkeit zu essen und zu trinken. Jeder macht, dass er schnell wegkommt.

Dann bin ich an der Reihe. Der Pfleger, der mein Bett schiebt, erklärt mir, dass ich für heute der letzte Patient bin und möchte wissen, ob ich denn aufgeregt sei. Mannhaft verneine ich, wobei ich versuche das unkontrollierbare Zittern meiner Beine zu unterdrücken. Inzwischen sind wir im Vorraum zum OP angekommen, wo ich vorerst eingeparkt werde. Ich muss von meinem Bett auf ein anderes Bett klettern und mit diesem schiebt man mich endlich in den OP.

Frau Doktor - ich erkenne sie an ihren leuchtenden Augen auch unter ihrer Gesichtsmaske und ihrer blendenden Figur - tritt an mich heran, wir grüßen einander, dann werde ich auch schon komplett mit einer grünen Plane abgedeckt, mein Kopf wird fixiert, meine Arme mit einem Riemen an den Körper gebunden, sodass ich mich kaum mehr rühren kann. Die Beine haben noch etwas Spielraum, aber das hilft sehr wenig.

Ein Ring wird auf mein rechtes Auge gepresst und eben dort ein Loch in die Abdeckung geschnitten. Und schon rinnt Flüssigkeit in mein weit aufgespreiztes Auge. Eine grelle Lampe richtet sich direkt in mein fixiertes Auge, das ich nicht mehr bewegen und auch nicht schließen kann.

„Blicken sie starr und ruhig auf einen der drei leuchtenden Punkte über ihnen.“

„Ich kann aber nur zwei helle Punkte erkennen, Frau Doktor.“

„Dann suchen sie sich einen der beiden aus und fixieren sie diesen die ganze Zeit über.“

„OK, ich versuche es.“

„Ich mache jetzt hier außen rechts einen kleine Schnitt und schiebe ein winziges Instrument in ihr Auge.“ Sie erklärt doch tatsächlich jeden Schritt, den sie unternimmt.

„Wir spülen ununterbrochen ihr Auge mit einem Narkotikum, das hält das Auge unempfindlich. Jetzt schiebe ich von rechts ein kleines Instrument in ihr Auge. Sie werden es gleich sehen.“

Tatsächlich wandert eine Spitze von rechts in mein Gesichtsfeld. Nur kommt mir das Instrument keineswegs klein vor. Klar, ist es doch direkt vor der Linse im Auge.

„Jetzt werde ich mit dem Instrument mit einem Schlag ihre Linse zertrümmern.“
Gesagt, getan. Blitzartig zerfällt das grelle Licht und ich sehe eine Vielzahl von gezackten Splittern.

„Und jetzt saugen wir die vielen Splitter aus dem Auge. Sie werden es ein wenig rauschen hören“.

Ich höre es nicht rauschen, aber die vielen Splitter verschwinden langsam nach rechts aus meinem Gesichtsfeld und es wir einheitlich grau. Im Moment bin ich so etwas wie blind.

„Und jetzt schieben wir durch den kleinen Spalt die neue Linse in gefaltetem Zustand in ihr Auge.“

Es wird wieder hell, sehr hell! Viel Flüssigkeit fließt, der helle Fleck in meinem Auge nimmt verschiedene Regenbogenfarben an, besonders gelb ist dominant. Helles Gelb und Gold mit viel hellem Licht. Die helle Linse wird bewegt, bewegt sich, wird verschoben, gedreht, wahrscheinlich in die richtige Position gebracht. Das muss eine sehr heikle und gefühlvolle Arbeit sein, stelle ich mir vor. Und der Vorgang dauert lang, zieht sich in die Länge. Ich werde nervös, kann mich aber kaum bewegen. Darf mich auch nicht bewegen, sonst gefährde ich noch den Erfolg der Operation. Nur meine Zehen kann ich bewegen - und diese ziehe ich auch langsam ein, bis sie fast verkrampfen. Jetzt fühle ich mich äußerst ungut.

„Jetzt verankern wir die Linse an zwei Stellen noch in ihrem Auge, dann sind wir gleich fertig“.

Tatsächlich dauert es auch nicht mehr lange, dann werden die Spülungen eingestellt, die Abdeckung meines Kopfes verschwindet, das rechte Auge wird aus der Umklammerung befreit und sofort fachmännisch zugeklebt.

„Auf wiedersehen, Herr Schida, morgen in meiner Ordination nehme ich ihnen den Verband ab“.

„Auf wiedersehen, Frau Doktor“.

Als ich auf mein Zimmer komme, zieht sich mein Vorgänger eben an, bekommt noch Suppe und ein belegtes Brot. Ich selbst darf mich noch nicht rühren - hab auch gar keine Lust dazu. Nach einer halben Stunde taste ich nach meinem Handy, rufe meine nette Kollegin an, die wieder den Schofför spielt und gebe ihr die ungefähre Zeit an, zu der ich beim Ausgang der Klinik auftauchen werde.

Alles klappt wir geplant, und am Ende bin ich mit der netten Schwester allein. Ich darf mir aussuchen, was ich denn vor meinem Abgang essen möchte. So bestelle ich mir guten Kaffee, den ich auch sehr flott serviert bekomme. Es geht auf halb 6 zu, die Schwester hat sicher schon Dienstschluss und möchte ja schließlich auch nach Hause. Wer nicht!

Vorsichtig und einäugig taste ich mich zum Ausgang vor. Draußen wartet schon meine Kollegin mit dem Auto. Sie bringt mich heim, wo ich bald danach ermattet ins Bett falle.

Und nächsten Mittwoch passiert die gleiche Prozedur - aber mit dem anderen Auge.

Stand September 2016

 
Mai 2015: Eine weitere "kleine" OP steht an
 

Meine Herzoperation ist knapp 9 Monate her - da merke ich schon, dass neue Wolken auf dem Gesundheitshimmel heraufziehen. Nicht so lebensbedrohlich, doch auch sehr unangenehm. 

Als alternder Mann sucht man natürlich ein- bis zweimal im Jahr seinen Urologen auf, um auch nur ja nichts zu verpassen. Jetzt ist das Herz endlich wieder fast gesund - der korrekte Ausdruck lautet „chronisch krank“ - klärt mich mein Kardiologe auf, da stellt der Doktor nun eine Verengung der Vorhaut fest, und zwar im fortgeschrittenen Zustand. Eine OP muss her, Alternativen helfen in meinem Fall nichts mehr. Das hat mir gerade noch gefehlt! 

“Das ist eine harmlose Sache“, meint der Doktor, „da gehen sie am Morgen in die Klinik und am Abend wieder heim.“ Und schon hat er die Überweisung fürs Spital geschrieben. 

Ich bin entsetzt. Sofort google ich den Begriff, dachte ich doch, eine Phimose wäre etwas für Kinder - jüdische Kinder! Aber nein, auch alternde Männer müssen sich schon mal von ihrer die Eichel bedeckenden Vorhaut verabschieden - religiöse Gründe spielen dabei überhaupt keine Rolle. 

Es kommt nämlich bei vielen Männern vor, dass sich im Alter die Vorhaut verdickt, einreißt, vernarbt und so sehr dicker wird, dass sie sich nicht mehr von besagter Eichel abziehen lässt. Das kann sehr gefährlich werden, denn bei einer Erektion in diesem Zustand kann das Urinieren unmöglich werden. Und dann besteht Lebensgefahr und eine Notoperation ist unausweichlich. So weit wollen wir es doch nicht kommen lassen! Daher also auch in letzter Zeit meine Abneigung gegen Erektionen! 

Ich frage also bei meinen Ärzten des Vertrauens nach einem solch speziellen Chirurgen. In Israel macht das jeder Rabbi im Rahmen einer kleinen Feier, an heranwachsenden Buben. 

Und bald ist solch ein Spezialist auch gefunden, der mich im SMZ-Ost von meiner verdickten Vorhaut hoffentlich mit wenig Schmerzen befreien wird. 

Wie alle Chirurgen in letzter Zeit versichert auch dieser mir, dass der Eingriff reine Routine und ziemlich einfach ist. Bisher hatten sie alle Recht, so soll auch die Phimose ein Klacks sein. Juden verlieren ihre Vorhaut sämtlich im Kleinkindalter - ich eben als alter Mann. Und das wird laut Auskunft des Arztes Immer mehr zur Norm. Er setzt die OP für den 20. Mai fest. Und dieser Termin rückt unerbittlich näher. Dieses Warten ist der unangenehmste Teil der Geschichte - wie immer. 

Um 8 Uhr des vereinbarten Tages finde ich mich in der Uro-Ambulanz des Spitals mit E-Card und Ausweis ein, fülle Papiere aus und unterschreibe sie automatisch. 

Dann warten und wieder warten. Eine dunkelhäutige, rassige Schwester drückt mir ein hinten offenes Hemd und ein Paar Wegwerfschuhe in die Hand, nimmt mir Uhr, Tasche und die komplette Bekleidung ab. Hinter einem hüfthohen Vorhang krabble ich in das hinten offene Spitalshemd, versperre mein Zeug in einem Spind und marschiere mit dem Schlüssel und meinem wehenden Hemd der Schwester nach. 

Sie zeigt mir mein Bett in einem Vierer-Zimmer. Drei Betten sind frei, im vierten liegt ein männlicher Patient. Wir grüßen einander. Auch meinem Bettnachbar - gut 20 Jahre jünger - wird heute ein Stück seines Gliedes abgesäbelt. Er kann sich noch gut daran erinnern, wie das bei seinem kleinen Sohn ablief - ich nicht. 

Ein Krankenpfleger nennt unsere beiden Namen, nickt wohlwollend - wir haben noch genug Zeit. Er teilt weitere Formulare aus und erklärt uns die weitere Abfolge. Mein Nachbar kommt vor mir dran. So eine Operation dauert eine Stunde oder etwas länger. Wir werden beide mit Spritzen lokal betäubt. Man spürt nur den Stich in die Peniswurzel, die vielen kleinen in die Eichel dann kaum mehr. 

Meine letzte Operation am Herzen hat über 6 Stunden gedauert, da wird die heutige doch wohl ein Spaziergang - aber bei vollem Bewusstsein - das ist neu für mich. 

Das Bett mit dem Kollegen wird bereits auf den Gang geschoben. Alles Gute und Daumen hoch machen wir uns gegenseitig Mut.

Ich lese mir die Drucksachen, die man uns gab, nochmals durch. Was kann da nicht alles passieren! Was ist nachher zu beachten? Besonders witzig finde ich den Hinweis:

4 Wochen nach der OP keine geschlechtlichen Aktivitäten - weder mit der Partnerin noch allein. Ich kann sogar hellauf lachen. 

Dann finde ich auch noch eine Rechnung, die den Papieren beiliegt. Sie ist vor Verlassen des Hauses an der Kassa zu begleichen. Wir sind wirklich ein vorbildlicher Sozialstaat: In den knapp 15 Euro sind Spitalsbett und ein Mittagessen enthalten.

Ein südländisch aussehender Pfleger holt mich und mein Bett ab. Es geht heute ausnahmsweise in den Haupt-OP hinauf - sonst werden diese Sachen unten erledigt, erklärt er mir in gebrochenem Deutsch. 

Im Haupt-OP - oder ist es erst der Vorraum - ist es hell und nett. Schwestern und Pfleger laufen umher, es wird gewitzelt und gelacht - nicht über uns Patienten. Jetzt liegt im Nebenbett eine Dame, die gleich nach meinem Eintreffen in die Gynäkologie geschoben wird. Wir konnten nicht einmal ein paar Worte wechseln. 

Dann bin ich dran - die große Uhr über der Schiebetüre zeigt 10 Uhr 30, als man mich samt Bett weiterschiebt. Der Spindschlüssel und meine Brille baumeln an einer Schnur von meinem Bettgalgen. 

Aha, jetzt bin ich wirklich im OP wie die Gerätschaften und die riesigen beweglichen Scheinwerfer beweisen.

Ein paar Vermummte laufen umher. Einer von ihnen erklärt mir, wie ich vom Bett auf den Tisch hüpfen soll. Es gelingt, und kaum strecke ich mich auf dem OP-Tisch aus, nimmt man mir auch schon mein letztes Hemd ab. 

Ich zähle 6 oder 7 Personen - Männlein und Weiblein gemischt. Meinen Chirurgen erkenne ich noch nirgends. 

Da tritt ein junges, bezauberndes Wesen an mich heran: „Ich bin Schwester Irmgard und nur für sie da, strahlt sie mich an. Sie können mich jederzeit alles fragen, stets nach mir rufen. Jetzt wird ihnen gleich ein wenig kalt unten, man wäscht sie und dann werden sie noch desinfiziert.“ 

„Alles klar, danke“, murmle ich. Sie lacht! Dabei beugt sie sich zu mir herunter und spricht aus etwa 20 cm im mein rechtes Ohr. 

Ich habe seit Jahren in kein so freundliches und liebes Gesicht gesehen. Irmgard ist eine echte Psychologin und so etwas von hübsch! 

„Und wenn ich jetzt noch meine Brille auf hätte, könnte ich sie noch viel genauer sehen. So orientiere ich mich mehr am Klang ihrer engelsgleichen Stimme.“ 

Das sage ich ihr auch - sie lacht verlegen und auch irgendwie glücklich. Während unten an meinem Penis herumhantiert und rasiert wird, lenkt sie mich gekonnt mit Fragen nach meinem Beruf ab. 

Da tritt mein Operateur auf der anderen Seite an den Tisch und nickt mir freundlich zu:

„Fangen wir an, Herr Schida?“ fragt er beiläufig und routiniert.

Als könnte ich jetzt noch NEIN sagen! 

Jetzt wird ein kleiner grüner Paravent vor mein Gesicht geschoben, so sehe ich von dem Geschehen nichts mehr und habe nur mehr den Engel Irmgard im Gesichtsfeld. Das entschädigt für alles. 

Der Operateur erklärt mir nochmals den Vorgang, den er aber auch parallel zu seinen Worten nun tatsächlich beginnt. Bei jedem Stich und jedem Schnitt fragt er, ob ich das noch spüre, wie es mir geht usw. Es geht mir gut, meine Blutdruckwerte und die Sättigung mit Sauerstoff werden über Bildschirm und akustisch überwacht. Ein wenig verstehe ich ja nun auch schon davon. Dann hat das Schneiden und Säbeln ein Ende - fühle ich. 

Der Chirurg greift sich ein anderes Werkzeug, schaltet es ein und berührt damit meine Wunden. Ein Piepston schrillt und sofort durchzuckt mich ein Schmerz. 

„Das habe ich jetzt aber ganz schön gespürt, Herr Doktor!“ erkläre ich dem Mediziner. Lassen die Spritzen etwa schon nach? Muss nachgespritzt werden? 

Der Arzt beruhigt mich und arbeitet weiter: „Was sie jetzt spüren, ist die elektrische Verödung der Gefäße, die beim Wegschneiden der verdickten Vorhaut durchtrennt wurden. Ich verschließe sie nun einzeln nacheinander, wobei sich die Dauer der Stromstöße nach der Dicke der Adern richtet.“

Jetzt bemerke ich auch, dass man zu zweit an mir arbeitet. Er bespricht das, was er macht, mit einer Ärztin, die ihm anscheinend bei der Operation assistiert. 

Da meldet sich meine Schwester wieder bei meinem rechten Ohr. Ich habe ganz automatisch bei den Stromschlägen ihre Hand ergriffen. „Sie sind gleich fertig, dann beginnen sie mit dem Nähen.“ 

Und tatsächlich hören die leichten Stromstöße auf, auch das surrende Geräusch des Apparats verstummt. Jetzt folgen kleine Stiche und das leise Ziehen der Fäden, wenn diese durch die winzigen Löcher gleiten. 

Ich bin froh, dass ich meinen kleinen Piepmatz jetzt nicht sehen kann. Sieht sicher nicht lustig aus mit all dem Blut, den Schnitten, den Nadeln und den Fäden - Na ja! 

Irmgard flüstert mir wieder ins Ohr und nimmt nun ihrerseits meine Hand. Oder habe ich sie die ganze Zeit nicht ausgelassen? 

„Gleich ist es vorbei - nur mehr ein paar Stiche, dann haben sie es geschafft.“ 

Bald danach verabschiedet sich der Chirurg von mir. Andere legen einen turbanartigen Verband um meine strapazierte Männlichkeit, der Vorhang wird von meinem Gesicht gezogen, alle sind lustig und nehmen langsam die Gesichtsmasken ab. 

Ah, so sieht die Ärztin aus, die dem Chirurgen assistiert hat - sehr nett! Ich bitte Irmgard um meine Brille, die am Bettgalgen hängt:

„Jetzt möchte ich aber schon noch das nette Gesicht, das zu dieser Engelsstimme gehört, auch scharf sehen können.“

Sie lacht und reicht mir die Brille. Wir strahlen einander an und ich wünsche ihr ein Leben lang viel Freude mit ihrem Beruf denn: „Sie sind die tollste Schwester, die ich je gesehen habe. Danke vielmals für ihre Hilfe!“

Sie freut sich: „Ich habe wirklich nur Freude an meinem Beruf, jeden Tag!“

Man schiebt mich aus dem OP in mein Zimmer zurück. An der Tür treffe ich mit meinem Vorgänger zusammen, der das Spital eben verlässt. Im Hinausgehen winkt er mir noch zu. 

Ein Pfleger fragt mich, ob ich das Mittagessen serviert bekommen möchte. Ich lehne dankend ab: „Ich möchte lieber gleich entlassen werden.“ 

„Das geht nicht - sie müssen noch eine gute halbe Stunde brav liegen bleiben! Ich komme später nochmals und dann können sie ihre Sachen zum Ausgehen holen.“ 

Ich liege allein in diesem Zimmer - es ist ruhig. Und langsam beruhige auch ich mich. Angst und innere Spannung verebben. Und ich warte auf die Schmerzen - wann werden sie einsetzen? Bis jetzt sind sie auszuhalten. 

Es dauert keine Stunde mehr und ich verlasse das Spital nach zwei weiteren Unterschriften, dem Bezahlen an der Kassa und nach dem ersten ängstlichen Aufsuchen der Toilette. 

Alles funktioniert wieder, ich habe kaum Schmerzen, nur der kleine Turban ist rötlich eingefärbt und fällt noch im Spital für immer in die Klomuschel. 

Und ich habe wieder eine Operation mehr hinter mir.

Stand Mai 2015 

 
Ende 2014 / Anfang 2015: "Die Zeit danach" oder "Was sich grundlegend ändert"
 

Jetzt wird mir so richtig klar, dass diese schwere Erkrankung, die wunderbar gelungene Operation, der Rückweg "ins normale Leben" doch eine wesentliche Veränderung und Umstellung in und mit mir bewirkt haben. Kein Zweifel, ich bin dabei, ein anderer zu werden, bin bereits ein anderer geworden. Und der Prozess geht weiter. Ich beobachte mich selbst dabei recht kritisch. Und was ich sehe, stimmt mich optimistisch. Ich zähle mal ohne besondere Reihung auf:

Ich gehe mit meiner Zeit kritischer und bewusster um. Die neu implantierte Herzklappe hat nur eine beschränkte Laufzeit - und damit auch ich. Also werde ich sie nach meinem Gutdünken nutzen. Klar!

Ich konzentriere mich fast ausschließlich auf meine eigenen Bedürfnisse und nehme auf mich die meiste Rücksicht. Mein Körper und meine Rest-Gesundheit verlangen das einfach.

Konsequent meide ich Menschen, die mir nicht wirklich lieb und teuer sind. Da bleiben nur wenig echte Freunde übrig, etliche fallen aus dem Schema, einige kommen neu hinzu.

Ich gehe alles langsam und ruhig an. Dabei trainiere ich Herz, Ausdauer, Belastbarkeit und Muskeln unter professioneller Anleitung. Natürlich bin ich besonders in diesem Punkt konsequent und genau. Ich bin bei jedem Wetter draußen unterwegs, trachte täglich 5 oder mehr Kilometer streng zu marschieren und bewältige pro Tag im Schnitt 20 Stockwerke. Natürlich meide ich Aufzüge und Rolltreppen und bin mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs als mit dem eigenen Auto.

Ganz wichtig ist für mich eine bedachtsame Ernährung geworden. Ich habe den Fett-, Zucker- und Fleischkonsum umgestellt und lasse nun seit Monaten den Alkohol gänzlich weg.

Ich führe eine genaue Liste "meiner Werte". Darin enthalten sind Blutdruck, Blutzucker, Gewicht, Fettanteil, pH-Wert und noch einige andere. Klar kostet das Zeit, aber die nehme ich mir eben.

Ich habe Ordnung in meine Hobbies und meine anderen Tätigkeiten gebracht. So habe ich das Malen in Öl aufgegeben, dafür forciere ich das Fotografieren und das Schreiben. In der Fotografie experimentiere ich mit neuen Techniken und beim Schreiben habe ich schon vor vielen Wochen mit einem großen Buch begonnen: "Beim Läuten", das wird meine Biographie. Nebenher führe ich ein genaues Tagebuch, in das ich auch einige Bilder zum Tag einfließen lasse.

Langsam fahre ich auch meine Arzt- und Therapiebesuche zurück. Und auch die Apotheken meide ich immer mehr, wenn es geht. Klar nehme ich lebenswichtige Medikamente weiter. Das sind aber nicht mehr allzu viele.

Ich durchforste meine lieb gewonnenen Gewohnheiten und stelle fest, dass etwa drei Viertel von ihnen in meinem "neuen Leben" eigentlich nichts mehr verloren haben. Daher lasse ich sie einfach weg. Was das ist? Nun:

a) Medien, die uns nur berieseln, falsch informieren und auf Gewinn orientiert sind. Ich will keine Informationen aus zweiter oder dritter Hand mehr. Die sind ohnehin nur umfrisiert, umgefärbt und gefälscht, je nachdem, wie es die Auftraggeber, die Wirtschaft, die Politik u. a. wollen. Darauf kann ich leicht verzichten. Das schärft den eigenen Blick, zwingt zum eigenen Denken und verhindert, dass andere es für mich tun.

b) Ich folge auch nicht mehr dem "Mainstream" der uns dauernd einzureden, ja einzuhämmern versucht: MEHR, SCHNELLER, WEITER, SCHÖNER, SCHLANKER, SEXIER, HÄRTER, REICHER usw. Ihr versteht? Viele in meinem engsten Umfeld leider nicht! Ihr Pech, ich bin an einem Punkt, an dem ich nicht mehr umkehren kann und es auch nicht will.

c) Ich habe die Sinnlosigkeit und die Dummheit des überwiegenden Teils der Menschheit erkannt. Ich sehe sie strikt und freudig aber ahnungslos auf einen Abgrund zumarschieren - und ich kann sie nicht aufhalten. Will es auch nicht. Aber sie soll mir nur ja nicht in die Quere kommen, die Menschheit!

Nach einiger Zeit spielt sich auch das Leben zu Hause wieder ein, bedeutet jedoch abermals eine Umstellung, die nicht ganz leicht fällt. Natürlich werden Behandlungen, Untersuchungen und Therapien auch daheim noch über viele Wochen und Monate fortgesetzt. Es fühlt sich jedoch allein ganz anders an als in der Gruppe der "Gleichgesinnten" und gleich Kranken. Zu Hause ist man mit seiner Krankheit mehr oder weniger allein gelassen. Alle hasten, sind im Beruf eingespannt und haben eindeutig andere Probleme, sind anders orientiert. Daheim merkt man den Unterschied also wesentlich krasser als auf REHA. Das habe ich zur Kenntnis nehmen müssen, das habe ich kapiert.

Natürlich ist auch hier die medizinische Betreuung fabelhaft, nur muss man sich selbst um jeden Termin, jede Behandlung und jedes Training selbst kümmern. Und in der Großstadt liegen die Termine oft wochenlang auseinander, bin jemand wirklich Zeit für einen hat. Da stellt sich bei mir ein neues Hindernis ein. Schon draußen in Bad Schallerbach fiel auf, dass mit dem Zurückgehen der allgemeinen OP-Beschwerden sich ein anderer "Schmerzherd" bemerkbar macht: Meine rechte Schulter schmerzt gehörig und die Beweglichkeit meines rechten Armes ist stark eingeschränkt. Auf diese Schmerzen ist man sofort in Schallerbach mit einer Vielzahl von Behandlungen eingegangen. Und diese Behandlungen müssen jetzt zu Hause in Wien fortgesetzt werden. Das bedeutet eine Vielzahl von Telefonaten, Wegen und Terminvereinbarungen. Ich zähle nur ein paar davon auf:

Es müssen Befunde der betreffenden Körperabschnitte gemacht werden, MR, Röntgen, Nervenleitgeschwindigkeitsmessungen usw. Ich erhalte eine Serie von Vitamin B-Spritzen, Infiltrationen der rechten Schulter und drei Zehnerblöcke für spezielle Strom- und Massagebehandlungen einschließlich Physiotherapie. Das zieht sich über viele Wochen, wobei mir von allen Ärzten und Therapeuten, die ich besuche, nur eines stets nahegelegt wird: "Haben sie Geduld, Herr Schida!" Die habe ich - was bleibt mir sonst übrig?

Nach vielen Wochen bessert sich mein Zustand, ich kann mich wieder rasieren, frisieren, den Hintern auswischen und mich alleine an- und ausziehen. Das stärkt die Lebensgeister, das gibt Hoffnung.

Inzwischen ist es März 2015 geworden, und ich habe nur mehr eine Therapieeinheit vor mir, danach bin ich - wie es so schön heißt - austherapiert. Seit einigen Wochen fahre ich schon wieder, wo es unbedingt nötig ist, mit dem Auto. Und das fast beschwerdefrei. Ich mache die mir aufgetragenen Übungen und Trainingseinheiten regelmäßig, achte auf die vorgeschriebene Belastung meines Herzen und des Bewegungsapparates und bin öfter als früher an der frischen Luft.  

Das ist das Stichwort! Es regnet zwar, dennoch gehe ich jetzt hinaus und werde fest marschieren. Denn Pause muss sein und ausdauerndes Training und Geduld sind wichtig! / Fortsetzung folgt ...

Stand März 2015

 
August 2014: REHA in Bad Schallerbach
 
Das Rote Kreuz holt mich pünktlich von zu Hause ab, verstaut meine zwei Taschen und mich im geräumigen Wagen - ich werde sitzend transportiert - wobei mir ein lieber Azubi nette Gesellschaft leistet, während vorne ein Fahrer und ein Sanitäter ihre Arbeit verrichten. Nach etwa 3 Stunden kommen wir im RZ der BVA in Schallerbach an, ich bekomme meinen Zimmerschlüssel, ein paar Instruktionen und sofort nach der ersten Blutabnahme einen Termin beim Arzt, der mich die gesamte Zeit meines Aufenthaltes hier betreuen wird.

Knapp vor dem Mittagessen wird mir noch ein Platz im großen Speisesaal zugewiesen. Ich komme an einen 6er-Tisch - alles Männer.

Nach dem Mittagessen, das tadellos schmeckt, mache ich mich mit den Gepflogenheiten des Hauses und der Leute hier vertraut. Zuerst nehme ich mein Zimmer unter die Lupe. Geräumig, super sauber, eine ins Grüne gehende Loggia im 3. Stock, unter dem Fenster fließt ein Bach. TV, WC, Bad, sogar einen Internetanschluss gibt es hier. Natürlich hab ich meinen Laptop mit, man denkt ja an alles! Einmal kurz das Bett ausprobiert; tadellos, nicht zu hart aber auch nicht pariserisch weich. Eine Mappe auf dem Nachtkästchen erklärt die Hausordnung, ich überfliege sie. Dann lege ich mich kurz aufs Bett. Ich bin müde von der Reise, von den neuen Eindrücken und natürlich noch schwach. Es sind ja erst 26 Tage seit der Operation vergangen.

Auf dem Tisch, wo ich schon meinen Laptop aufgestellt habe, liegt ein A4-Blatt mit den heute noch anstehenden Aktivitäten. Dem entnehme ich, dass ich demnächst einen Gesprächstermin bei der Diätologin wahrzunehmen habe. Eine Zimmernummer steht auch neben dem Zeitpunkt vermerkt. Ich verstaue noch meine Wäsche und die 4 Paar Schuhe, die ich mitgenommen habe (leichte Straßenschuhe, Turnschuhe mit weißer Sohle, Wanderschuhe und Hausschuhe), dann mache ich mich auf den Weg und suche das Zimmer der Diätologin. Dieses Suchen ist die ersten zwei Tage lang etwas mühsam, dann hat man den Plan im Kopf und findet sich in den endlos scheinenden Gängen, auf den Treppen und den zwei Liften ganz leicht zurecht, da alles gut beschriftet und farblich markiert ist.

Eine sehr hübsche junge Dame erwartet mich bereits und bespricht mit mir meine Vorlieben für bestimmte Speisen – natürlich vom Gesichtspunkt einer gesunden Ernährung aus gesehen. Ich erzähle von meiner Operation, meinen Darmproblemen, meinem Reizdarm usw. Wir einigen uns auf eine fettarme Schonkost, ohne Schweinefleisch und ohne rohes Gemüse und Obst am Abend. Das klingt vernünftig. Dann warnt mich die schöne Frau noch vor dem überall im Haus greifbaren Kaffee: „Herr Schida, den meiden Sie lieber, den würde ihr Darm sicher nicht vertragen!" Damit bin ich entlassen und habe bis zum Abendessen um 18 Uhr frei.

Ich muss doch tatsächlich eingeschlafen sein, denn plötzlich weckt mich ein lauter Gong. Ich fahre hoch – es ist 17 Uhr 55. Aha, Zeit fürs Nachtmahl! Ich suche den Speisesaal im ersten Stock auf, finde meinen Tisch und betrachte mal meine Tischnachbarn ein wenig genauer.

Mein rechter Nachbar heißt Franz und ist am gleichen Tag ebenfalls einer Art meiner Operation – Aortenklappen-Ersatz – unterzogen worden. Er in Salzburg, ich in Wien. Wir verstehen einander auf Anhieb. Er war in der Finanz tätig, ich im Schulwesen – wir haben im Laufe der Zeit einander viel zu erzählen. Er ist geringfügig älter als ich, ein Sportler durch und durch, erkletterte mit seinem Drahtesel die höchsten Berge der Alpen und wäre dennoch fast an seiner verkalkten Aorta gestorben – wie ich auch. So etwas verbindet.

Dann haben wir am Tisch noch Rudi sitzen: ein Original! Er ist über 90 Jahre alt, schwer behindert, geht mühsam mit einem Stock und kommt nur zentimeterweise vom Fleck. Und dieser Mann unterhält nun über Wochen unseren und einige benachbarte Tische mit seinen Witzen und ausgefallenen Scherzen. Diese treibt er auch oftmals mit dem Servierpersonal, das vorwiegend aus ebenso lustigen und wortgewaltigen Damen besteht. Sie leisten mit Tempo Gewaltiges, sitzen doch bei jeder Mahlzeit 180 Patienten gleichzeitig in dem riesigen Speisesaal. Und dabei gibt es im Schnitt unter 8 verschiedenen Menüs zu unterscheiden. Eine gewaltige Leistung für die etwa 6 Damen, die dann noch auf Rudis Scherze eingehen sollen. Aber Rudi hat’s drauf, er bringt die Damen fast immer zum Lachen, oft erwidern sie seine Anzüglichkeiten perfekt und schlagfertig. Meine Tischgenossen und ich biegen uns oft vor Lachen.

Der Alltag besteht hier aus einem für jeden Heiminsassen genau ausgeklügelten und jeden Tag neu festgelegten Arbeits- und Zeitplan. Diesen kann sich jeder ab 17 Uhr in seinem Postfach bei der Portierloge in Form eines dicht bedruckten A4-Blattes abholen. Die Fachnummer ist gleich der Zimmernummer, so gibt es kaum Verwechslungen. Auf diesem Blatt sind alle Therapien, Untersuchungen, Blutproben, Arztvisiten, Terraingänge, Turnen, Fahrradergometrie, Frühstück, Mittag- und Abendessen usw. genau aufgelistet.

Wie gesagt, nach zwei Tagen hat man den Rhythmus kapiert und entspannt sich merklich. Man lernt in den doch vorhandenen Pausen die Hausbibliothek, das Schwimmbad und sogar die nähere Umgebung kennen. Luft und Witterung, Ruhe und Klima tun ein Weiteres, um die Stimmung und Fitness zu heben. Nach etwa einer Woche ist man REHA-Profi, hat seinen kleinen Freundeskreis, kennt sich in Bad Schallerbach einigermaßen gut aus und ist schon mindestens einmal mit dem für Kurgäste gratis besteigbaren Bus namens "Kurti" durch die Gegend gezuckelt. Wunderschön!

An den Wochenenden kann man Besuch empfangen, falls man das möchte. Bei Regen tut mir auch die Einsamkeit am Zimmer sehr gut. So kann man seinen Muskelkater pflegen, länger im Bett bleiben oder am Balkon sitzen und fotografieren. Und mit meinem Laptop mit Internetanschluss wird mir ohnedies nie fad. Manchmal nützen Franz und ich unsere Freizeit für eine Schachpartie in der Bibliothek - Schachbretter und Figuren gibt's beim Portier zu leihen - wobei sich Franz als hervorragender Spiel erweist. Er schlägt mich am Ende mit viereinhalb zu einem halben Punkt. Schande über mich!

Nach drei Wochen hat meine Kondition merklich zugenommen, ich gehe flotter, nehme immer öfter das Stiegenhaus anstatt des Aufzugs und mache sogar messbare Fortschritte auf dem Fahrrad. Die Herz-Werte bessern sich von Woche zu Woche. Und jeder muss sein eigenes Protokoll über Blutdruck und Gewicht führen. Ich mache das sogar mehrmals am Tag.

Schnell verfliegen die 4 Wochen, dann heißt es Abschied nehmen. Die Taschen sind gepackt, eine letzte Untersuchung, ein Gespräch mit dem medizinischen Leiter der Anstalt, ein letzter Ritt auf dem Ergometerrad, ein paar kleine Trinkgelder verteilt, dann wartet das Taxi auf mich und meine Freunde. Im Zeitalter des Internets hat fast jeder eine eigene Email-Anschrift, diese werden rasch ausgetauscht, dann geht es nach Hause. Mir (als Lehrer) wird die Aufgabe zuteil, für Franz, Rudi und mich selbst im nächsten Jahr mit der Krankenkasse einen Termin zu organisieren, der uns drei wieder zur gleichen Zeit hierher kommen lässt, um unsere REHA mit dem zweiten Teil erfolgreich abzuschließen. Das werde ich auch noch schaffen!

 

... und hier geht es zu einem kleinen Bildbericht über diesen Zeitraum

 
 
Juli 2014: Die Herz-OP im AKH rettet mir das Leben
 

Ich ziehe am 2. Juli in den "Grünen Turm" des Wiener Allgemeinen Krankenhauses ein und melde mich sogleich in der Herzstation an, wo man mir Bett und Kasten in einem Zweibettzimmer zuweist. Mein Mitbewohner kommt nach ein paar Stunden direkt von der Intensivstation aufs Zimmer - so werde ich morgen vielleicht auch aussehen?! Falls alles gut geht! Im Moment ist der junge Mann noch nicht ansprechbar; gegen Abend kommt sein Vater ans Bett. Dann kommt auch mein Chirurg auf Besuch - er wird morgen mein Herz operieren. Er sieht mit einer jungen Ärztin die Befunde durch, die ich aus dem SMZ-Ost mitgebracht habe. Sie entsprechen alle seinen Vorstellungen - eine kleine Ungereimtheit kann noch schnell ausgeräumt werden.

"Sie kommen morgen um 7 Uhr dran. Das heißt um 6 Uhr aufstehen, ins Bad, dort mit einer Spezialseife den ganzen Körper abrubbeln und duschen. Dann wieder ins Bett legen und die Pille schlucken, die Ihnen die Schwester bringt. Sie schlafen daraufhin bald ein, und ich operiere Sie dann mit meinem zwölfköpfigen Team. Und Sie werden sehen, alles geht gut; ich mache die Operation fast täglich zweimal. Übrigens, Sie bekommen eine Klappe von einem Rind, eine Bio-Klappe also."

Wir verabschieden uns voneinander, auch die junge Ärztin aus seinem Team lächelt mit Mut zu - dann bin ich allein. Ich wandle einsam und verzweifelt durch die langen Gänge des Spitals. Dabei komme ich auch am TV-Zimmer vorbei, wo ein Gespräch unter den Patienten im Gange ist. Ich setzt mich dazu und so erfahre ich, dass ein paar von ihnen die OP schon hinter sich haben, ein paar andere kommen die nächsten Tage an die Reihe.

"Welche Klappe bekommst denn du?"
"Ich bekomme eine aus Metall, und du?"
"Ich hab schon eine Rinderklappe, und du?"
"Ich bekomme eine von einem Schwein."
Bis wir dann beim letzten im Kreis angelangt sind, der sich ein wenig ziert, als er meint "Ich bekomme morgen eine von einem Holländer!"

Danach löst sich unsere Runde langsam auf. Es ist ein lauer Sommerabend, die Lichter der Stadt sind schon an, das glitzert und funkelt - wunderschön! Natürlich denke ich daran, ob ich dieses Funkeln jemals wiedersehen werde. Ob es nicht besser wäre, das 20. Stockwerk gleich über das Geländer zu verlassen. Dann wäre alles in wenigen Sekunden ausgestanden - und das wäre sicher! Alles andere ist doch total ungewiss!

Schließlich verlasse ich die Terrasse und kehre in mein Zimmer zurück. Der junge Mann kann schon ein paar Worte mit mir wechseln; nicht viele, aber doch! Vielleicht schaffe ich das auch schon morgen um diese Zeit?!

6 Uhr früh: Waschen, wie vereinbart, natürlich nüchtern bleiben, dann die Pille und der Abtransport, den ich noch gut mitbekomme. Es geht im Bett liegend durch lange Gänge in einen dunklen Raum. Dort stehen schon 2 Betten in Warteposition, dann bin ich versunken im Nebel.

Bald dämmert es mir: Ich lebe ja noch, oder? Alles ist so verschwommen um mich, die Stimmen klingen murmelnd, verzerrt. Ich sehe nur 2 helle Flecken auf dunklem Grund. Die Flecken bewegen sich ein wenig. Wieder Finsternis. Dann wieder 2 helle Flecken; irgend etwas stört im Mund. Ich kann mich nicht bewegen, kann gar nichts, nur ein wenig Gemurmel hören und zwei helle Flecken sich bewegen sehen. Die ersten Wörter dringen an mein Ohr: Lassen sie die Augen offen, Herr Schida! Weiter atmen, nicht einschlafen! Lassen Sie die Augen offen! Ich dämmere wieder weg. Lassen Sie doch die Augen offen! Irgend etwas oder wer berührt meine Wange. Augen offen lassen, ja, Herr Schida, so ist es gut.

Ich glaube, jetzt können wir ihn rausziehen, höre ich eine Stimme sagen. Ich sehe etwas genauer; die beiden hellen Flecken sind sicher Gesichter. Mann, Frau? Egal. Und die Störung in meinem Mund hat ein Anhängsel, einen Ring oder Ähnliches. Das Gesicht rechts packt den Ring und zieht daran. In meinem Hals bewegt sich etwas, ein Schlauch kommt aus meinem Mund. Das Gesicht, das meinen Schlauch bewegt, entfernt sich mit ihm ein paar Meter - kommt mir vor. Nach gefühlten 5 Metern wird der Schlauch ganz dünn und verlässt meinen Körper. Wieder dämmere ich weg, sehe nichts, höre nichts. Wie lange? Keine Ahnung.

Als ich wieder die Augen öffne, bin ich mir nicht sicher, wo ich bin. In einem Zimmer? Auf einer Wolke? Im Himmel? Ein Gesicht in Uniform strahlt mich an. Es ist eine Uniform unter einem durchsichtigen Plastikmantel. Die 4 goldenen Käpten-Streifen auf den Schultern heben sich deutlich vom dunklen Stoff der Uniform ab. Das Gesicht meines Sohnes strahlt mich an. Das erste Gesicht, das mir im Himmel oder im neuen Leben begegnet, ist das meines Sohnes Robert. Wahnsinn! Das gibt's doch nicht! Der fliegt doch irgendwo zwischen Amerika, Irak und Südafrika umher mit seinem zweistrahligen Düsenjet. Der ist doch sonst nie da, wo ich bin. Sind wir beide tot? Im Himmel? Und ich fühle keine Schmerzen. Das gibt's doch nur, wenn man tot ist und es ein Leben nachher gibt.

Doch urplötzlich brennt sich die Wahrheit in mein Gehirn: Wir sind nicht tot, nicht im Himmel, ich habe die OP überlebt, mein Sohn ist bei mir auf der Intensivstation. Wie er das gemacht hat, weiß ich nicht, ich beginne nur hemmungslos zu heulen. Die Geräte, an denen ich hänge, und die alles in und an mir überwachen, spielen verrückt, piepsen auf wie eine Katze, der man auf den Schwanz getreten ist, Lichter blinken rasch, Zahlen verändern ihre Farbe usw. Schwestern geraten in hektische Bewegung.

"Sei doch ruhig, Helmut, bitte beruhige dich. Du darfst dich nicht aufregen, alles ist in Ordnung, ich bin bei dir. Du hast es geschafft. Alles ist OK!"

Langsam werden die Signale leiser, sinken die Werte wieder in den Soll-Bereich. Wir drücken einander die Hände. Ich sinke tiefer in meine Unterlage zurück und weiß von nichts mehr.

Dann erwache ich oben auf meinem Zimmer. Ist es Tag oder Nacht? - Keine Ahnung. Ich hänge an vielen Geräten, feuchte Luft bläst mir unendlich zart ins Gesicht. Ich liege auf dem Rücken, habe starke Schmerzen in der Brust. Dennoch ist alles in Ordnung. Am Abend tritt mein Chirurg an mein Bett: "Es ist alles tadellos verlaufen, Sie haben ein neues Leben! Werden Sie rasch gesund, man macht hier alles für Sie." Damit verlässt er mich, und sein Kurzbesuch hat viel in mir bewegt. Ich verstehe nun erst wirklich, dass ich wieder gesund werden kann. Wenn ab jetzt alles gut verläuft, bin ich in einigen Tagen wieder ich selbst und schon aus dem Spital entlassen. Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, wie das sein wird. Im Moment ist das noch Lichtjahre entfernt von mir. Zuerst muss ich hier ordentlich an meiner Genesung mitarbeiten.

Und dieses Mitarbeiten besteht hauptsächlich im strikten Befolgen der Anweisungen, die man von Ärzten und Schwestern bekommt. Dazu gehört die tägliche Abwaage, was mir erst völlig unwichtig und nutzlos erscheint. Ich habe andere Sorgen! Doch dann staune ich nicht schlecht, als ich beim ersten Mal elf Kilogramm mehr auf die Waage bringe als ich vor der Operation wog. Aber hallo! Was ist mit der Waage los? Ein Defekt? Nein!

Ich habe durch einen zusätzlichen Eingriff in meine Aorta statt der vorgesehenen 4 Stunden satte sechseinhalb Stunden in der Herz-Lungenmaschine verbracht. In dieser Zeit hat mein Körper Chemikalien im Gesamtgewicht von knapp 11 kg aufgenommen. Diese müssen nun nach der Operation rasch wieder ausgeschieden werden, denn das sind natürlich keine harmlosen Stoffe. Und tatsächlich: jeden Tag zeigt die Waage bei mir um 2 kg weniger an als am Vortag. Das ist nur eine von vielen Überraschungen, die in diesen Tagen auf mich niederprasseln. Bald kann ich aufstehen und alleine aufs Klo gehen. Was für ein Hochgefühl. Und mit jedem weiteren Tag hänge ich an einem Gerät weniger, jeden Tag verlässt ein Schlauch oder ein Kabel meinen Körper.

Am letzten Tag noch eine kleine Härteeinlage: das Entfernen der Herz-Drainage! Das ist gar nicht lustig, tut mir enorm weh, dauert aber in Echtzeit keine Sekunde. Ein netter Arzt - sind eigentlich alle nett hier - tritt an mein Bett und ersucht mich um Mitarbeit bei einem abschließenden Experiment: "Wir werden nun zu dritt - Sie, die Schwester und ich - den letzten Schlauch aus ihrem Körper entfernen, danach dauert es nicht mehr lange und sie können heim. Ich werde langsam bis drei zählen, dann holen Sie tief Luft, halten diese eisern an. In dem Moment zieht die Schwester den Schlauch heraus und ich ziehe die Fäden zusammen, die die Wunde im selben Moment verschließen. Haben Sie das verstanden?"

"Nein, tut mir leid, könnten Sie das noch einmal für mich wiederholen, bitte?" Er tut es, und jetzt habe ich es begriffen. Um den Schlauch herum sind bereits sternförmig schwarze Fäden eingezogen. Das muss schon bei der Operation gemacht worden sein, nur war es mir bis jetzt gar nicht aufgefallen.

Jetzt zählt der Arzt, ich atme so tief ich kann ein und halte bei "3" die Luft an. Im selben Moment durchzuckt mich für den Bruchteil einer Sekunde ein wahnsinniger Schmerz, den ich gar nicht beschreiben kann und auch nicht will. Der Doktor hat schon die Fäden zusammengezogen. Alles ist vorbei. Ich habe es überstanden. Nach wenigen Minuten komme ich noch einmal zum Röntgen, bei dem überprüft wird, ob nur ja keine Luft in die Wunde zurückgeströmt ist. Bei mir nicht, gottlob!

Nach wenigen Stunden, die Entlassungspapiere müssen noch fertiggemacht werden, kann ich das Spital verlassen. Natürlich warten noch ein paar harte Tage und Wochen auf mich, aber der Alptraum des Todes ist vorerst einmal gebannt.

Bald danach lege ich den Brustpanzer ab, der Brustbein und Rippen zusammenhält, anschließend kommen die Nähte raus - das macht der Hausarzt -, dann fahre ich ein paar Meter selbst mit meinem Auto. Das lasse ich aber lieber bleiben, denn das Lenken ist für meine Brust noch viel zu anstrengend. Und dann wartet ja schon die Reha in Bad Schallerbach auf mich. Vier Wochen Erholung, Betreuung und Training des Herzens sind vorgesehen. So lange werde ich auch dort bleiben.    

 

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Juni 2014: Vorbereitung auf die OP und Voruntersuchungen im SMZ-Ost!
 

Bei einer Routineuntersuchung fällt meinem Internisten ein Herzgeräusch auf, das so nicht sein sollte. Kurzerhand wird für morgen ein Termin bei einem hervorragenden Kardiologen ausgemacht. Der Herz-Ultraschall ergibt eine hochgradig verlegte Aortenklappe und noch eine Unregelmäßigkeit in der Aorta selbst. Der überaus nette Arzt macht mir den Ernst der Lage sehr deutlich und vereinbart sofort - wieder für den nächsten Tag - einen Termin beim Chirurgen, der Spezialist für genau mein Leiden ist.

Wieder bin ich pünktlich zur Stelle, und der Professor erklärt mir bereits wie und was er zu operieren gedenkt. Eine alternative Lösung für mein Problem gibt es nicht. Ohne Operation bin ich unrettbar verloren. Und dabei habe ich noch Glück im Unglück; während der Arzt mir die Schwere der Krankheit vor Augen führt, ruft die Klinik an und teilt ihm den Ausfall eines OP-Termins am 3. Juli mit. "Wenn Sie wollen, kann ich Ihnen den Termin anbieten, ansonsten kommen sie erst im Oktober oder November an die Reihe. Ich gebe Ihnen 24 Stunden für die Entscheidung." Ich unterschreibe noch in der gleichen Minute.

Nun sind für eine so große Operation natürlich umfangreiche Voruntersuchungen, Abklärungen und Vorbereitungen nötig. So bekomme ich noch im Juni einen Termin im SMZ-Ost, wo all dies vorgenommen werden soll. Mit den Befunden soll ich dann am 2. Juli am Abend im AKH einziehen, wo mich mein Professor in Empfang nehmen und mich für die Operation am nächsten Tag vorbereiten wird.

So werde ich nun für 9 Tage Gast im SMZ-Ost sein. In dieser Zeit werde ich komplett und sehr genau durchuntersucht. Von diesen Untersuchungen hängt ein Teil des Erfolges meiner OP ab. Das ist mir klar. Die erste große Untersuchung, die  gemacht wird, ist gleich die unangenehmste. So habe ich es zumindest empfunden. Es handelt sich dabei um eine Herzkatheter-Untersuchung, bei der eine Sonde durch eine große Arterie direkt bis ins Herz eingeführt wird. Dabei kann der Spezialist eine Arm- oder Beinarterie wählen. Bei mir fällt die Wahl auf die Arterie des rechten Armes. Die etwa halbstündige Untersuchung, Details erspare ich euch lieber, bringt ein recht erfreuliches Ergebnis: die Herzkranzgefäße sind alle in Ordnung, was bedeutet, dass im Zuge des Aortenklappen-Ersatzes keine Beipässe gelegt werden müssen. Bin ich froh!

An jedem dieser Tage stehen drei bis fünf Untersuchungen auf dem Programm, und die Mappe mit meinen Untersuchungsergebnissen wird von Tag zu Tag dicker. So gründlich wurde ich in meinem ganzen Leben - immerhin 71 Jahre hab ich auf dem Buckel - noch nie untersucht. Am Ende weiß ich, dass ich eine kleine Zyste in der rechten Niere und mehrere winzige Zysten im Kopf der Bauchspeicheldrüse habe. Ansonsten ist alles in Ordnung; der OP steht also nichts Schwerwiegendes im Wege. Glück gehabt!

Am neunten Tag meines Aufenthaltes werde ich aus dem Spital entlassen und kann nun noch eine kurze Zeit zu Hause verbringen, ehe es dann am 3. Juli aber wirklich zur Sache geht.

 

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Juli 2013: Und der Reizdarm  lässt noch immer nicht locker
 

Dieses Mal lösen Würmer (!) bei mir einen weiteren Schock aus. Doch deren Bekämpfung geht laut Schulmedizin relativ einfach vor sich. Aber zuerst muss man einmal mit der Tatsache, dass im eigenen Darm eine Kolonie Würmer ihr Unwesen treibt, fertig werden. Dann heißt es noch den Ekel, der damit verbunden ist, zu überwinden. Man bedenke nur, dass die Würmer in den Eingeweiden alles vorfinden, was sie zu einem üppigen Leben, zur Vermehrung und Verbreitung so brauchen. Nach einer Weile sterben auch die Alten von ihnen ab, eine neue Generation übernimmt den Laden. Und das alles spielt sich in mir drinnen ab, während ich schlafe, esse, hier am PC sitze oder auf's Klo gehe. SUPER!

Wie es so meine Art ist, habe ich mich natürlich sofort in die einschlägige Materie gehörig eingelesen. Ein Titel lautete "Leben auf dem Menschen"; das Werk hat mich wirklich fasziniert! Bei dieser Lektüre habe ich viel Interessantes erfahren.

Allein auf der Haut des Menschen leben mehr dieser "Viecher" als auf der Erde Menschen hausen. Da sind aber die in uns lebenden noch gar nicht mitgezählt. Und nicht alle Menschen werden von den gleichen Tierchen heimgesucht. Das ist von Mensch zu Mensch, von Land zu Land und von Kontinent zu Kontinent recht unterschiedlich.

Tröstlich ist dabei vielleicht der Gedanke, dass von den unzähligen Arten, die in und auf uns wohnen, die meisten uns wohl gesonnen sind, ja erst unser Leben so richtig möglich und schön machen! Nur ganz wenige sind echte Biester, unangenehm, gefährlich bis tödlich! Manche von ihnen besiedeln uns ein ganzes Leben lang, fallen überhaupt nie negativ auf und schlagen erst zu, wenn unser Immunsystem darnieder liegt.

Für Interessierte nochmals der Titel des Buches: "Leben auf dem Menschen".

Noch ein Wort zu meiner persönlichen "Anti-Wurmkur": Es wird nun ein Präparat 3 Tage lang nach Vorschrift eingenommen. Dieses soll die in mir lebenden Würmer killen. Danach folgt eine dreiwöchige Pillen-Pause, an die sich wieder 3 Tage mit Pillen anschließen. Der zweite Pillenschub tötet nun die inzwischen geschlüpfte Brut der ersten Generation zu einem Zeitpunkt, an dem diese noch nicht geschlechtsreif ist. Danach sollte wieder Ruhe im Gedärm eintreten. Ich befinde mich zur Zeit in der dreiwöchigen Ruhephase. Das wärs für den Moment. Ich werde hier wieder aktiv, sollten sich Neuigkeiten in meinem Darm ergeben.

 
 
Und    hier geht es zu einem tollen Gratis-eBook zum Thema "Säure-Basen-Diät"!
 

Das E-Book "Diäten im Vergleich" von trendfit soll einen Überblick über die wichtigsten und beliebtesten Diäten und Diätformen - beispielsweise Weight Watchers, Monodiäten, Trennkost, Blutgruppen-Diät und viele andere - geben, so dass Abnehmwillige vorab einen Einblick in die Funktionsweise und eventuelle gesundheitliche Risiken erhalten. Es steht Besuchern der Seite dauerhaft kostenlos und ohne Gegenleistung zum Download zur Verfügung.

 
 

Juni 2011:  Über 6 Jahre ist es her... 

... seit ich mich hier das letzte Mal schriftlich gemeldet habe. Und in diesen 6 Jahren haben mich wieder sehr viele Kranke und Hilfesuchende angeschrieben - und ich habe nach meinem Wissensstand und meiner Erfahrung geantwortet. So sind auch viele neue Freundschaften entstanden. Meinen vielen Berichten möchte ich nun einen neuerlich "letzten" hinzufügen. Das Thema:
 

 

... und auch mit einem Reizdarm lässt es sich ganz gut leben!

 

Ich war natürlich überglücklich, als endlich meine CU (Colitis ulcerosa = Dickdarmentzündung) überwunden war. Wie weiter oben zu lesen, blieb ich aber weiterhin ein Reizdarmpatient. Das beruhigt nur zu Beginn der Diagnose, im täglichen Leben ist auch das nicht lustig. Natürlich war ich was Ernährung und mentale Einstellung betrifft schon recht gut vorgebildet und ging nun ernstlich daran komplett gesund zu werden. Was habe ich nun zuletzt noch geändert? Womit bin ich selbst den Reizdarm losgeworden?

 

Selbstverständlich habe ich meine regelmäßigen Kontrollen (Darmspiegelungen = Koloskopien) eingehalten. Die Befunde wurden von Jahr zu Jahr besser. Nach meiner zurzeit letzten Koloskopie (Befund tadellos, keinerlei Erkrankung im gesamten Dickdarmbereich) wollte ich es genau wissen und habe mich zu einem ausführlichen Arztgespräch mit dem Leiter der betreffenden Abteilung zusammengesetzt. Dieser hat sich meine Befunde genau angesehen und auf meine Frage, was ich gegen die dennoch stets vorhandenen Blähungen und gelegentlich auftretenden Durchfälle unternehmen könnte, sinngemäß gemeint:

Herr Schida, lassen Sie die Blähungen jederzeit raus, egal wo Sie sind - und Sie werden bemerken, dass Ihnen deshalb nichts, aber auch gar nichts passiert.

Auch meinen Einwand, die selten aber doch abgehenden kleineren Durchfälle betreffend, entkräftet der Mediziner:

Nehmen Sie auf jeden Fall eine zweite Unterhose mit, die können Sie im Notfall jederzeit auf einem WC oder im Waschraum wechseln.

 

Ich war perplex, habe mich dennoch für die Beratung bedankt und wankte nach Hause. Es hat Wochen gedauert, bis ich den Sinn der Aussprache verarbeitet und verstanden hatte. Es passiert einem wirklich nichts, wenn einen so ein Missgeschick ereilt! Es ist nur die Angst davor, welche die Nervosität und einen überempfindlichen Darm weiter reizt. Als ich das erkannte, habe ich mich nur noch mit meiner Angst vor einem solchen Ereignis beschäftigt. So habe ich allen Freunden, Bekannten und Verwandten von meinem Reizdarm und dem betreffenden Arztgespräch erzählt. Und je mehr Leute meiner Umgebung davon wussten, desto kleiner wurden meine Sorge und meine Angst. Viele Bekannte schmückten die Geschichte noch mit Beispielen, Ideen und möglichen witzigen Begebenheiten aus. Auf diese möchte ich hier gar nicht näher eingehen.

Fazit ist für mich: Die Angst ist die Wurzel allen Übels! Ich habe diesen Satz schon einige Male in gescheiten Büchern gelesen, dürfte ihn bisher aber überlesen und/oder nicht selbst beherzigt haben. Jetzt tue ich es - und das sehr bewusst! Ich habe diese spezielle Angst (vor unvermutet auftretenden Blähungen usw.) und die Angst als solche komplett abgelegt. Dabei fiel mir erst so richtig auf, was für ein armer und verschreckter Angsthase ich zeitlebens war! Mann oh Mann, das gilt es jetzt alles in Windeseile wettzumachen.

Und was habe ich tatsächlich getan?

Für einen knapp 70jährigen ganz schön viel. So habe ich mich in einen Fitnessklub einschreiben lassen, wo ich zwei- bis dreimal die Woche hart trainiere.

Ich habe mir einen neuen Freundeskreis zugelegt und alte Freunde wieder angeschrieben. Mit diesen treffe ich mich nun regelmäßig.

Ich habe mich von meinem PC losgeeist - was nicht leicht war. So checke ich nur noch einmal täglich meine Mails, habe 90% meiner Internetaktivitäten abgebaut und gehe in dieser Zeit ins Schwimmbad oder in die Sauna.

Und ich lerne noch immer dazu, was eine gesunde und wertvolle Ernährung betrifft.

Natürlich bleibe ich bei den für mich interessanten Dingen am Ball und auch stets für Neues offen. Hier ein paar Beispiele:

Die erwarteten Sonnefleckenmaxima und ihre Auswirkung auf die Erde und auf jeden Menschen.

Die Forschungsergebnisse der NASA, soweit mir diese zugänglich sind.

Was alles veröffentlicht wird in Bezug auf das Jahr 2012 und die damit verbundene Zeitenwende.

Steht ein Polsprung bevor?

Wird die Menschheit gescheiter oder verdummen wir immer schneller?

Wird uns der Ausstieg aus der Atomkraft gelingen oder werden die Lobbyisten wieder zuschlagen?

Welche Staaten werden pleite? Hat die Politik noch irgend etwas zu sagen? Und wer glaubt ihr?

Klimawandel? Krieg um Wasser? Aufstand der Schwellenländer usw. usw.

Und da habe ich erkannt, dass all diese Fragen doch wesentlich wichtiger sind als jene, ob ich bei passender oder unpassender Gelegenheit mal einen Furz lassen werde oder nicht! Und in dem Moment habe ich mich von meinem Reizdarm verabschiedet.

Lieber spät als gar nicht!

 
 

März 2005: Abschließende Übersicht

Ich habe mich mehr als 30 Jahre intensiv mit meinem Körper und seinen Funktionen beschäftigt. Sicher war die Colitis ulcerosa dafür der bestimmende Faktor. Nun bin ich mit über 60 Jahren an dem Punkt angelangt, wo ich mit ziemlicher Sicherheit ein vernünftiges Lebensgerüst erstellen kann. Hätte ich nach ihm gelebt, wären mir viel Not und Pein erspart geblieben. Einiges habe ich ziemlich verbockt, vieles kann ich noch reparieren und zum Besseren wenden. Sollten Sie an einem gesunden Körper und einem eben solchen Geist interessiert sein, dann sind Sie herzlichst eingeladen, meine Erfahrungen in tabellarischer Form zu studieren und vielleicht sogar anzuwenden. Auf Reaktionen Ihrerseits werde ich bestimmt antworten.

     
     
 

Der Weg zu einem gesunden Körper und einem gesunden Geist
 

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Orientieren Sie sich mehr nach links

1: NAHRUNG

Ballaststoffreich
Pflanzlich
Gemüse
Obst
Süßwasserfisch
Geflügel

 

Fleisch
Tierische Fette
Zucker
Auszugsmehle
Salz
Scharfe Gewürze

 
Merksatz: Iss hauptsächlich von Pflanzen und von Tieren nur jene,
die schwimmen oder fliegen - aber nie von Vierbeinern!
2: MAHLZEITEN

Kleine
Regelmäßig
Einmal pro Tag warm 
Am Morgen kräftig
Mittags wenig
Abends nichts
Getränke: Tee, Mineralwasser still
(3 bis 4 Liter pro Tag)
Jeden Bissen oft kauend

 

Üppige
Unregelmäßig
Meist kalt
Am Morgen Kaffee
Mittags Fast food
Abends kräftig
Getränke: Bier, Wein
Spirituosen
Hastig schlingend
Gifte: Alkohol, Nikotin, Rauschmittel

 
Merksatz: Frühstücke wie ein König, nimm dein Mittagmahl wie
ein Bürger ein - aber das Abendessen überlasse deinen Feinden!
3: VERDAUUNG

Stuhlgang regelmäßig ein- bis
zweimal täglich zur gleichen Zeit
Stuhl fast geruchlos
Stuhl hinterlässt kaum Spuren
in WC-Schüssel und auf WC-Papier

 

Blähungen, Verstopfung und Durchfall
wechseln einander unregelmäßig ab
Stuhl übel riechend
Stuhl hinterlässt starke Spuren
in WC-Schüssel und auf WC-Papier

 
Merksatz 1: Eine gesunde Verdauung ist das halbe Leben.
Merksatz 2: Der Tod des Menschen sitzt im Darm.
4: BEWEGUNG

In der Freizeit viel gehen und laufen
Aufenthalt in frischer Luft

 

In der Freizeit wieder viel sitzen (TV)
Aufenthalt in verrauchten Räumen

 
Merksatz: Früh zu Bett und früh steh auf, das ist der beste Lebenslauf.
5: BERUF

Abwechslungsreich
Standortswechsel
Geistreich

 

Eintönig
Ortsfest
Stumpfsinnig

 
Merksatz: Die meisten Morde geschehen mit Messer und Gabel. Und wer
dieses Massaker überlebt, den rafft oft der falsche Beruf hinweg.
6: UMWELT - MITMENSCHEN

Frei
Offen
Freundlich
Herzlich
Ruhig
Freudig

 

Unterdrückerisch
Verschlagen
Böse
Hinterhältig
Hektisch
Ängstlich

 
Merksatz: Meide Menschen, in deren Gesellschaft du dich verstellen
musst und besonders jene, die dir Angst machen.
7: GEIST

Selbstbewusst
Lebensfreude
Kraft
Ruhe
Meditation
Ordnung
Ich = selbstverständlich

 

Ängstlich
Lebensangst
Schwäche
Unruhe
Hektik
Chaos
Ich = fremdbestimmt

 
Merksatz: Ein gesunder Geist kann nur in einem gesunden
Körper wohnen - und umgekehrt!
 
 

Februar 2005: Alles nicht zu eng sehen

Nun kann ich auch schon auf einige Jahre "Reizdarm" zurückblicken. Auch mit dieser Krankheit muss man erst leben lernen. Dafür habe ich nach langer Suche zuerst ein fabelhaftes Medikament "Colofac Retard" und danach wieder eine gute Lebenseinstellung gefunden - kein Wunder mit über 62 Jahren (Geburtstag war am 23. Februar) sollte man auch langsam soweit sein!

Ich finde, ich habe mir in meinem Leben über viel  zu viel Unnötiges schwerwiegende Gedanken und Sorgen gemacht. Das vermeide ich heute tunlichst und - es geht mir besser. Ich setzte mir auch keine zu engen und zu strengen Grenzen mehr. Trinke ich mal ein Glas Wein, dann trinke ich eben eines. Lege ich das eine oder andere Kilogramm zu, dann nehme ich es halt später wieder ab. Alles in Ruhe und langsam und "im Gleichklang" mit meiner Natur - wie es so schön heißt.

Und kommen Widerwärtigkeiten oder Unstimmigkeiten auf mich zu - was soll's? Die gehören genauso zum Leben wie die Sonne, die Nacht, Mexiko, der Tsunami oder der G. W. Bush. Stimmt's? Na also. Und auf diese Wiese lebe ich sorgenfreier, schmerzfreier und ein paar Jahre länger - hoffe ich zumindest.

Wer kann, strebe mir darin nach!

 
 
März 2003: Ab sofort kein Alkohol mehr!

Seit März 2003 habe ich Alkohol in jeder Form von meinem "Speisezettel" verbannt. Warum dies? Ich habe immer schon gern ein Glas guten Rotweins oder das eine oder andere Bier gern getrunken. Nun mache ich von einem Tag auf den anderen Schluss damit. Das muss doch einen Grund haben. Und den möchte ich kurz erklären.

Mein Körper und besonders mein Verdauungstrakt wird durch Alkohol besonders angegriffen. Immer wieder - und zuletzt gezielt ausprobiert - konnte ich feststellen, dass Alkohol in meinem Darm bestimmte abnorme Gärungsprozesse in Gang setzt. Diese wiederum verändern meine Darmflora nachhaltig negativ. Die Stühle werden dünner. das Bauchgrimmen und leichte Schmerzen besonders im Dickdarm stellen sich nach einiger Zeit ein. Trinke ich in solchen Zeiten weiter mein geliebtes Bier oder meine - auch teuren - Rotweine, so werden die Darmschmerzen schlimmer und schließlich mündet alles in einem furchtbaren Brennen des Analbereiches, das sich bis zu Durchfall und blutenden Rissen in der dort befindlichen Schleimhaut steigert. Setze ich nun den Alkoholkonsum ab, gehen die Beschwerden sofort (binnen zwei bis drei Tagen) zurück, und zwar in der umgekehrten Reihenfolge ihres Auftretens. Am ersten Tag verschwindet das Blut, am zweiten Tag verebbt der Durchfall, nach drei bis vier Tagen gehen die Schmerzen im Oberbauchbereich zurück und nach etwa 8 Tagen verdaue ich alles normal, habe keine Schmerzen mehr, der Analbereich ist frei von Irritationen und ich habe ein- bis zweimal pro Tag festen, geformten Stuhl.

Nachdem ich diese Abfolge nun mehrmals hintereinander ausprobiert und meine persönlichen Reaktionen und Auswirkungen auf meinen Körper genauestens protokolliert habe, steht für mich der Alkohol als Auslöser meiner Beschwerden eindeutig fest. Was lag näher als meiner geliebten, legalisierten Droge abzuschwören. Und ich bin heilfroh darüber. Habe ich mich vor nun 12 Jahren vom Zigarettenrauchen endgültig verabschiedet, so mache ich das Gleiche nun mit dem Alkohol. Und es laufen dabei fast die gleichen Prozesse im Kopf ab wie damals, als ich meine endgültig letzte Zigarette geraucht habe. Und es geht mir prächtig dabei!

Auch das Gewicht hat sich auf diese Weise - wenn auch nicht dramatisch -reduziert. Ich stehe im Moment auf 95 kg und habe vor, auch hier noch etwas zu unternehmen. Mein nächstes Ziel erscheint also schon am (geistigen) Horizont. Ich komme noch heuer sicher unter die 90 kg-Marke. Wetten?!
 
 

September 2002: Super! - Alles wieder im Griff!

Ich esse wieder normal und trinke ab und zu auch ein Bier (oder zwei) und es geht mir ausgezeichnet. Seit der letzten bösen Episode, die ich durch den abrupten Umstieg auf den Vegetarismus selbst verschuldet hatte, gibt es keine Durchfälle und andere Darmbeschwerden mehr. Ich hatte heuer im Sommer kaum Zeit für einen Urlaub und habe viel in der eigenen Wohnung und im Garten gearbeitet. Da ich ja immer wieder am "Ausprobieren" bin, stieß ich auf den heiteren und profunden Vertreter der Kinesiologie, Herrn "Didi" Frühwirt. Dieser nimmt sich nun regelmäßig meiner Knochen und Muskelfasern an und zeigt mir auch ein paar ganz schön harte Übungen aus der Yoga-Lehre. Ich bin alle 14 Tage auf seinem Massagetisch in Wr. Neustadt anzutreffen und ich muss sagen, seine Arbeit tut mir gut. Ich kann ihn und seine Behandlungsweise wirklich weiterempfehlen.

Da fällt mir ein: Ich sollte unbedingt wieder mehr mein Köpergewicht kontrollieren, da ich mich der 100kg-Marke schon sehr bedenklich nähere (von unten!)

 
 

Juli 2002: Vorsicht! - Wichtige Korrektur!

Vorsicht, Leute! Ich muss leider eine wichtige Korrektur anbringen. Nach 9 Tagen mit strengem Vegetarismus bekam ich höllische Bauchschmerzen, fürchterliche Blähungen, mehrere Stühle pro Tag und schließlich wieder Durchfälle, die ich schon so lange nicht mehr gehabt hatte. Ich besprach die Sache natürlich mit meinem Arzt und meinem Homöopathen und ließ auch einen Blutbefund und eine Oberbauchsonografie durchführen. Da die Befunde in Ordnung waren und unauffällig ausfielen und mir sowohl Arzt und Homöopathie zugaben, dass die Verschlimmerung sehr wohl vom ausschließlichen Gemüsekonsum herrühren könnten, habe ich "mein Vegetariertum" leider wieder abbrechen müssen. So gut die Idee sicher ist, so unverträglich ist sie für meine Verdauung, speziell für meinen Darm. Echt schade!

Das wollte ich nur rasch mitteilen, damit nicht zu viele meiner Besucher/Leser ähnlich zu leiden haben. Knappe zwei Wochen fühlte ich mich in die "alten Colitis-Tage" zurück versetzt. Inzwischen esse ich wieder auch ein wenig Fisch und Geflügel. Mein Darm dankt es mir mit zurückgehenden Schmerzen und wieder festen Stühlen.

Das Körpergewicht war mir die letzten schmerzvollen Tage völlig egal!

 
 

Juni 2002: Ganz was Neues: Ich bin Vegetarier!

Ganz plötzlich, am 5. Juni 2002, habe ich aufgehört Fleisch zu essen. Ich bin davon überzeugt, dass Fleischessen die Lebensqualität mindert und auf lange Sicht ganz schlimme Krankheiten verursacht und auslöst. Auf jeden Fall kann ich schon kurz berichten, dass ich mich wesentlich besser fühle, seitdem ich kein Fleisch mehr esse. Dabei bin ich erst ein paar Tage "enthaltsam". Natürlich werde ich hier laufend über meine Erfahrungen berichten.

Mein Körpergewicht geht langsam zurück! (95 kg)

 
 

April 2002: Die Zeit vergeht wie im Fluge

Seht ihr, wie ich, seitdem ich gesund bin, weniger oft und genau hier berichte? Mir fehlt ganz einfach die Zeit dazu, weil mein Tagesablauf ein anderer, mein jetziges Betätigungsfeld einfach größer geworden ist. Und proportional dazu wachsen meine Lebensfreude und meine aktive Teilnahme am Leben wieder. Ich bin rundherum glücklich!

Weiterhin kontaktieren mich viele CU-Patienten, sei's per E-Mail, im Forum, im Chat oder am Telefon, und ich versuche Mut zu machen und zu helfen, wo es geht. Also keine Scheu: auch der gesunde Schida hilft gern, wenn er kann und steht auch mit Ratschlägen zur Verfügung.

Leider musste ich meine rechtmäßig erworbene Internetadresse superpage.at aufgeben, weil ein großer US-Konzern ähnlichen Namens sonst auf eine horrende Summe geklagt hätte. Ihr seht also: im Internet geht's zu wie im wirklichen Leben. Die Großen fressen oder verdrängen spielend einfach die Kleinen. Ich hab's verschmerzt, aber mehr als zwei Drittel meiner Besucher verloren, weil die Abtretung blitzschnell erfolgen musste und mir nicht die Zeit gegeben wurde, längerfristig auf die neue Internetadresse http://www.superschida.com/ hinzuweisen und entsprechend vorzubereiten. Das betrifft aber euch, die ihr bis hierher durchgekommen seid, nicht - gottlob! Nur früher hätte eine solche Aktion oder haben ähnliche Aktionen sofort lang anhaltende CU-Schübe ausgelöst. Heute kratzt mich das kaum mehr. Man wird auch weiser mit zunehmendem Alter!

Das wäre also wieder mein kleiner Zwischenbericht -  wenn's Neuigkeiten gibt, werde ich an dieser Stelle wieder darüber schreiben. Bis dahin: Ohren steif halten und gesund werden!

Zu meinen Körpergewicht: keine Änderungen zum letzten Mal zu bemerken.

 
 

Jänner 2002: Um eine schmerzliche Erfahrung reicher

Um nun erst recht in Sachen Ernährung, Körpergewicht, Gesundheit alles richtig zu machen, lese ich im Jänner davon, dass alle Menschen im Westen zunehmend "übersäuert" sind. Grund: Wir essen zu wenig "Basisches" und zu viel "Saures" oder "Säurebildner". Und die Folgen dieser Übersäuerung sind gar schlimme Entzündungen, Geschwüre und Krebs. Nun marschiere ich flugs in die Apotheke und kaufe sofort eines der angepriesenen Basenpulver. Ich nehme es zwei Tage ein, worauf sich sofort alle Zeichen und Beschwerden meiner alten Krankheit schlagartig einstellen. Im Nachhinein suche ich meine Ärzte auf, die den Sachverhalt klarlegen: Basenpulver ist gut, aber nicht bei angeschlagenem Darm. Basenpulver sollten Leute mit Verstopfung nehmen usw. usw. Sofort setze ich das Pulver ab, die Beschwerden dauern jedoch an. Mein Arzt sagt wörtlich: "Bei Ihnen hat das Basenpulver wie eine Bombe in den Darm eingeschlagen. Es hätte genügt, bei Ihrer ohnehin basisch abgestimmten Ernährungsweise zu bleiben. Wer wie Sie regelmäßig Obst und Gemüse isst, bekommt keine Übersäuerung" (Zitat Ende). Den Durchfall habe ich nach wenigen Tagen wieder in den Griff bekommen, aber Krämpfe, Blähungen und Bauchschmerzen halten noch immer an. Ich hoffe auch das wieder zum Verschwinden zu bringen und gelobe, dass ich ohne vorherige Konsultation meiner Ärzte nichts mehr ausprobieren werde!

Also Vorsicht, meine Lieben!

 
 

Dezember 2001: Oh Schreck - Ich habe mächtig Übergewicht: 103 kg netto!

Ein "Colitiker" hat nie echte Gewichtsprobleme. Ich meine, er leidet eher selten an Gewichtszunahme oder Übergewicht. Klar! Bei der erhöhten Anzahl von Stuhlgängen und Durchfällen kann sich ja kaum ein Kilo zuviel ansetzen. Und genau dieses Problem stellt sich mir jetzt. Nach Ausheilung meiner CU habe ich langsam aber stetig an Gewicht zugenommen, weil ja die Durchfälle gottlob ausgeblieben sind. In der Zwischenzeit - es ist ein Dreivierteljahr ins Land gezogen - habe ich leider zu kräftig zugelegt, und als mein Gewicht bei 1,83 m Größe die 100kg-Marke übersprang, habe ich meinen Hausarzt aufgesucht, um nötige Strategien mit ihm zu besprechen. Fazit: "Herr Schida, Sie müssen abnehmen!" Nun rücke ich also dem Fett in der Nahrung und dem Vielfraß in mir mit Ausdauer und Kalorien-Zählen zu Leibe. Gar nicht leicht, kann ich euch sagen. 5 kg sind schon weg, aber jetzt geht es sehr langsam voran. Ich stehe zur Zeit bei 98 kg. Ich will es so lange durchhalten, bis ich auf 83 oder 85 kg herunten bin. Wer will, kann an dieser Stelle meine Fortschritte oder "Umfaller" monatlich weiter verfolgen. In diesem Sinne wünsche ich all meinen Lesern und Besuchern frohe und vor allem beschwerdefreie Weihnachtsfeiertage!

 
 
November 2001: Meine fehlende Galle schockte mich kurz

Jetzt ist auch der November vorbei und der um diese Zeit immer befürchtete und auch regelmäßig eingetretene Schub ist zu meiner Freude ausgeblieben. Gegen Ende November hatte ich zwar schon fast einen Schock, denn es setzten vorübergehend starke Bauchschmerzen und Blähungen ein. "Jetzt geht es doch wieder los", dachte ich schon. Dabei war ein schwerer Diätfehler - ich hatte selbst sehr fett und übermäßig gewürzt gekocht - die Ursache. Die nach der Mahlzeit sofort auftretenden Beschwerden verursachte also meine fehlende Galle in Verbindung mit dem doch recht außergewöhnlichen Essen. Eine einzige Gabe eines Galle fördernden Mittels (10 Tropfen Rowachol) und der Spuk war wieder vorbei. Vom langsam um mich herum beginnenden Weihnachtsstress lasse ich mich auf keinen Fall anstecken, somit besteht auch in dieser Hinsicht keine Gefahr. Über die Feiertage werde ich bis in den Jänner hinein gehörig ausspannen und meinen Körper pflegen. Viel spazieren gehen, saunieren und im Solarium herumkugeln. Das wird fein!
 
 

Oktober 2001: Esse wieder alles und nicht zu wenig!

Es geht mir unverändert gut. Ich nehme keinerlei Medikamente mehr, weder homöopathische noch schulmedizinische. Anfangs Oktober hatte ich eine kleine Influenza erwischt, die aber inzwischen fast gänzlich abgeklungen ist. Auch in der Ernährung hebe ich eine um die andere Schranke auf, die ich mir in den letzten Jahren selbst errichten musste. Alkohol, fette Speisen, Zucker und Milch meide ich aber dennoch immer. Dafür kommen verstärkt Knoblauch, Zwiebel und ab und zu auch schon rohes Gemüse zum Einsatz. Dieses verursacht zwar immer noch starke Blähungen, aber ich erachte deren positiven Gesundheitseffekt für höher als die unangenehmen Begleiterscheinungen. Wird eben mehr gefurzt! Na und? Ich freue mich schon auf den November. Der war in meiner Erinnerung immer einer der schlimmsten Monate. Er und der Februar. Aber bis dahin habe ich ja noch etwas Zeit!

 
 

September 2001: Herbstliche Magen- und Darmprobleme heuer ausgeblieben!

Der Herbst war für mich als CU-ler immer eine gefährliche Zeit, stellten sich doch bisher meist im September und Oktober mit dem Umschlagen der Witterung vermehrt Magen- und Darmprobleme bei mir ein. Heuer erstmals nicht. Ich bin rundum mit mir und meinem Darm zufrieden.

 
 

August 2001: Es musste ja so kommen - Saufen ist ganz schlecht für den Darm! 

Nach einem sinnlosen Trunk (Alkohol) mit Freunden geht es mir schlecht!

 
 

Juni 2001: Langsam glaube ich daran - ich bin gesund!

Immer noch alles in Ordnung, keine Rückkehr der CU!

 
 

April 2001: Das gibt's doch nicht - Ich soll geheilt sein?!

Die heutige Fortsetzung meiner "Leidensgeschichte" schreibe ich am liebsten. Meine CU ist ausgeheilt! Das gibt es wirklich - selten, aber doch. Aber ich berichte lieber der Reihe nach.

Ich führe den schon nicht mehr erwarteten (wenn auch immer erhofften) Erfolg auf ein paar wesentliche Ursachen zurück:

1) Grundlegende Änderung der Lebensumstände.
2) Eine intensive und nicht immer leichte Behandlung in der klassischen Homöopathie Hahnemanns.
3) Geänderte - und dennoch nicht zu eng gesehene - Ernährungsweise.

Das Ende meiner Colitis ulcerosa ist rasch erzählt:

Ende März 2001 schickt mich mein Hausarzt, Dr. Christian B., zu einem wirklichen Fachmann für Chirurgie, Dr. Arthur M., um an mir eine genaue Dickdarmuntersuchung (Koloskopie) vorzunehmen. Die Untersuchung ist natürlich nicht sehr angenehm, aber ich kann sie jedem Menschen - nicht nur CU-Kranken - wärmstens empfehlen. Sie dauert nach richtiger Vorbereitung (Diät und Abführmitteleinnahme nach genauem Zeitplan) knapp 30 Minuten und wird in der Ordination des Chirurgen vorgenommen. Zur Entspannung (des Darmes und auch psychisch) kann man sich knapp vorher eine Spritze geben lassen. Ich mache davon Gebrauch.

Nun wird behutsam ein etwa fingerdicker Schlauch von gut 1,5 m Länge mit Licht, Optik und Instrumenten in den After eingeführt. Und nach kaum 15 cm wird mein Arzt bereits fündig. Ein kleiner Mastdarmpolyp taucht im "Scheinwerferlicht" auf und stellt sich dem Eindringling in den Weg. In wenigen Sekunden wird er völlig schmerzfrei entfernt. Und schon geht die Erkundung meines Dickdarmes weiter. Der absteigende Dickdarm kommt ebenso an die Reihe wie der quer liegende. Überall werden etwa alle 15 bis 20 cm winzig kleine Proben der Darmschleimhaut entnommen. In den markanten Ecken des Dickdarmes - links oben und rechts oben - ist die Untersuchung am unangenehmsten - und bei der "Einfahrt" in den absteigenden Dickdarm rufe ich einmal ein lautes "Halt", weil es schon ein wenig schmerzt. Doch da ist die Sonde schon um die Kurve und kommt nun ungehindert bis ans Ende (eigentlich Anfang) des Dickdarm, den Blinddarm. Auch hier wird noch eine winzige Probe entnommen, und schon zieht sich der Schlauch wieder zurück: ich hab's geschafft.

Der Arzt setzt mich sofort von der Entfernung eines Mastdarmpolypen in Kenntnis und meint, dass der entsprechende histologische Befund (Gewebsbeschaffenheit des Polypen und der restlichen entnommenen Proben) in etwas mehr als einer Woche (es liegen die Osterfeiertage dazwischen) vorliegen wird.


Der Heimweg ist unangenehm und auch in der folgenden Nacht verursacht die während der Untersuchung in den Darm eingeblasene Luft erhebliche Krämpfe und Blähungen. Tags darauf geht es mir prächtig. Die 9 Tage, bis der Befund dann wirklich vorliegt, sind unangenehm, weil ungewiss. Klar! Dann hole ich mir meinen Befund ab und erfahre:

Im gesamten inspizierten Bereich - das sind sämtliche Dickdarmabschnitte - liegt keine Colitis vor. Der entfernte Polyp weist bereits leichte Abweichungen von der normalen Zellstruktur auf und hätte mit den Jahren wahrscheinlich bösartig werden können. Daher wäre eine neuerliche Untersuchung dieser Stelle in einem Jahr - dann aber nur noch das Rectum - angezeigt. Der Chirurg stuft das Erscheinungsbild meines Dickdarms als "höchstens colon irritabile" ein, verschreibt mir Tabletten (Colofac) für eventuell auftretende Blähungen oder Krämpfe und entlässt mich als sonst rundherum gesunden 58-jährigen Mann aus seiner Praxis. Alle anderen für ähnliche Beschwerden in Frage kommenden Untersuchungen (Leber, Gallengänge, Blut, Stuhlproben, Bauchspeicheldrüse usw.) hatte ich schon vor der Koloskopie erfolgreich und o.B. hinter mich gebracht. Meine heutigen Blutwerte etwa sind besser als die vor 30 Jahren! 

Wie in Trance gehe ich nach Hause. Ein Leiden, das mich knapp 30 Jahre lang fast zum Wahnsinn und beinahe zum Selbstmord getrieben hat, ist verschwunden - weg! Dabei hatte ich schon mit dem Schlimmsten gerechnet. Plötzliche Gesundheit nach so langem Leiden ist auch ein schwerer Schock, kann ich euch sagen. Aber ich erhole mich langsam davon.))

Warum erzähle ich das alles so genau und ausführlich? 

ERSTENS, weil ich überglücklich bin und mich auch in schlimmen Zeiten immer schriftlich meiner Emotionen entledigt habe (auf diese Weise sind 20 Bücher entstanden, die ihr bei mir erwerben könnt). 

ZWEITENS, weil ich euch allen Mut machen möchte. Will sagen: ich bin der lebende Beweis dafür, dass nicht jede Darmkrankheit in Krebs und/oder künstlichen Ausgang münden muss! Das ist doch schon etwas. Oder? 

Ich bin sicher, auch ihr seid in der Lage, euch von der CU zu heilen oder davon geheilt zu werden. Es kann mitunter ein (lebens-)langer Kampf sein, der hin und her wogt. Vielleicht verlieren ihn auch manche, weil sie nicht zur rechten Zeit die richtigen Menschen kennen lernen oder nicht am richtigen Platz auf diesem Planeten sind. Andere gewinnen ihn dafür. Ich zähle euch alle zu der Gruppe der potentiellen Sieger. Macht es mir nach, verdammt noch mal!

Euer glücklicher Helmut Schida

 
 

Winter 1999: Bestandsaufnahme - eher zum Verzweifeln
  
Ich selbst schleppe dieses Leiden nun schon fast drei Jahrzehnte lang mit mir umher. In dieser Zeit habe ich nur aus diesem Grund mehr als 30 Ärzte konsultiert, meine Karriere, meinen Beruf und mein Privatleben mehrfach aufs Spiel gesetzt und bin erst jetzt - mit weit über 50 Jahren - zu der Erkenntnis gekommen, dass kein Arzt der Welt dieses Leiden zu heilen vermag. Kein Arzt - aber vielleicht ich selbst! Vielleicht Sie selbst! Ich möchte niemandem übertriebene Hoffnungen machen und keinem einzigen, der an Colitis leidet, eine weitere Enttäuschung auf seinem langen Leidensweg zufügen.

Dass die Schulmedizin nicht einmal weiß, woher man diese Krankheit bekommt, sie folglich auch kein wirkliches Heilmittel gegen diese parat hat, ist Ihnen, die Sie diese Krankheit auch schon einige Zeit mit sich herumschleppen, längst klar geworden. Wenn nicht, dann gebe ich es Ihnen hiermit schwarz auf weiß. 

Begonnen haben die Beschwerden bei mir mit etwa 28 Jahren. Sporadisch auftretende Schmerzen im rechten Oberbauch, höchst selten Durchfälle. Daraufhin wurde mir der Blinddarm (Wurmfortsatz) entfernt. Nach kurzer Besserung treten die alten Beschwerden wieder auf: der Blinddarm kann´s wohl nicht mehr sein.

Magenuntersuchungen ergeben eine Gastritis. Diese wird medikamentös behandelt und verschwindet alsbald. Die Durchfälle kommen wieder, die Farbe des Stuhles wechselt und ist oft sehr hell. Gallenröntgen werden in regelmäßigen Abständen gemacht. Man erkennt auf ihnen zwei stecknadelkopfgroße Steine. Nach etlichen Jahren hat sich ihre Zahl auf 7 erhöht - ein anderes Röntgen spricht von einem Tumor in der Galle. Die Stühle sind weich, gelb und oft durchfallartig. Die Galle wird laparoskopisch samt den Steinen entfernt. Nach drei Tagen komme ich vom Spital heim. Die Durchfälle sind anfangs grün und flüssig, bessern sich aber nach wenigen Wochen. 

An den anfänglichen Schmerzen und Beschwerden hat sich rückblickend aber nicht viel geändert. Inzwischen sind viele Jahre ins Land gegangen. Eine Ehe ging kaputt, berufliche Schwierigkeiten ergaben sich, der Lebenswille war gebrochen.  Durch einen neuerlichen Arztwechsel erfahre ich von der Möglichkeit, vielleicht gar an Colitis ulcerosa erkrankt zu sein. Verschiedene Medikamente werden ausprobiert. Wirkliche Hilfe bringen sie nicht - können sie nicht bringen. Mir haben dies mehrere aufgeschlossene und ehrliche Mediziner offen eingestanden. Mit ihnen lassen sich auch bestenfalls die in unregelmäßigen Abständen immer wiederkehrenden Symptome behandeln, an die Ursache gehen auch sie nicht. Als letzter Ausweg bleibt in vielen Fällen nur mehr die Entfernung befallener Darmabschnitte, der künstliche Darmausgang und eine für den Rest der Tage stark verminderte Lebensqualität. Auch Darmkrebs ist oft die Endstation.

Ja, selbst Kuraufenthalte, Saft- und Milch- Semmelkuren bringen im besten Fall nur temporäre Stopps der in unregelmäßigen Schüben verlaufenden Krankheit. Und die mittelschweren bis schweren Medikamente - vor allem jene, die Cortison enthalten - für längere Zeit angewandt, verursachen viele schwere Begleiterscheinungen und weitere Krankheitsrisiken, sodass man sich ihren Einsatz ernstlich überlegen muss.

Soll man sich also am besten gleich selbst das Leben nehmen? Lachen Sie nicht; ich habe wegen dieser chronischen Erkrankung und ihren weit reichenden Folgen nicht nur einmal ernsthaft diesen Gedanken erwogen! Für die Ausführung desselben fehlte es mir aber jedes Mal am dazu nötigen Mut.

Nun zu der von mir selbst praktizierten Möglichkeit, die Krankheit in den Griff zu bekommen! Sie müssen von Ihren bisherigen Ess- und Trinkgewohnheiten endgültig und radikal Abschied nehmen. Wenn Sie meinen, diese Diät wäre der reine Wahnsinn, dann liegen Sie vollkommen richtig. Und wenn Sie sich diese nicht zumuten, dann sind Sie eben noch nicht schwer genug von Colitis befallen. Aber glauben Sie mir: es gibt (fast) keinen anderen Weg!

Die Diät ist zeitlich nicht befristet. Ich werde sie wohl für den Rest meines Lebens einhalten müssen. Denn immer, wenn ich sie lockere, kehren die fürchterlichen Durchfälle - verbunden mit teilweiser Ablösung der Darmschleimhaut - wieder zurück.


 

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