Die totale Überwachung
Westliche Parlamentarier
verdienen im Allgemeinen nicht schlecht. Auf jeden Fall besser als
Bauern, Lehrer, Priester und Krankenschwestern, wage ich zu behaupten.
Daher mache ich mir über die finanzielle Situation unserer Abgeordneten,
Minister und Kanzler wirklich keine Sorgen.
Aber ihr leibliches Wohl liegt mir seit kurzem doch sehr am Herzen. Lese
ich doch in einer unserer Tageszeitungen, von einer massiven
Bombendrohung, die unser Hohes Haus erreicht haben soll. Genau werden
Zeit und Ort des Wahnsinns durchgegeben: Die Bombe befindet sich bereits
im Innern, in einem der Sitzungssäle eben.
Danach erst einmal Aufatmen. So gesehen hat man alles im Griff, denn vor
knapp einem Jahr wurde um horrende Summen – Steuergelder eben – im
gesamten Hohen Haus ein extrem ausgeklügeltes Überwachungssystem mit 112
Kameras, vielen Monitoren und Aufzeichnungsgeräten installiert. Da die
Tat noch keine 24 Stunden zurückliegt, müssen der oder die Täter
unzählige Male schön scharf porträtiert auf den feuerfest gelagerten
Bändern zu sehen sein. Keine Maus entkommt den sich überschneidenden
Blickwinkeln der Kameras im Innern und Äußeren unseres Parlaments!
Die Gesichter werden jedoch gleich viel länger, als man die Bänder
abspielen möchte. Sie sind komplett leer, zeigen nicht einmal ein
Flimmern. Der Grund: Das Parlament hatte das Gesetz zum Einschalten der
Anlage noch nicht verabschiedet. Seitdem ist die Anlage zwar
installiert, aber noch keine einzige Minute gelaufen. Oha!
Und gerade richten wir die EM 2008 aus. Aber unterdessen haben wir alles
bestens im Griff!
* * * * *
Umkehren verboten
Rund 170 km nördlich liegt Sacramento.
Seit unser Präsident die tolle Rede hielt,
hält uns nichts mehr.
Wir sind mit unseren Nachbarn unterwegs,
die das gleiche Schicksal ereilt hat:
Das Haus gehört der Bank,
wir kriegen keinen Kredit mehr,
und den Job sind wir auch alle los.
Doch da oben soll es Gold geben,
genug für jeden, der fleißig ist.
Wir sind es, sind es leid, faul in der
Sonne zu liegen, Selbstgedrehte zu rauchen
und abends in den Bars rumzuhängen.
Die beiden kleinen Hänger sind mit Werkzeug
und mit dem Wichtigsten beladen,
so sind wir seit Tagen unterwegs.
Und wir sind nicht allein auf den Straßen.
Jeden Tag werden es mehr, jeden Tag
schließen sich unserem Zug etliche Familien an.
Endlich kommen wir bei Sutter’s Mill an.
Hier soll es sein, hier liegt unsere Zukunft
und gar nicht tief unter der sandigen Oberfläche.
Die Claims werden abgesteckt -
wir nehmen uns das steile Stück mit dem Bach
unsere Nachbarn sind ein paar hundert Meter
den Bach hinunter stehen geblieben.
So früh im Jahr ist der Boden noch hart,
nichts grünt – ist uns alles egal.
Das Werkzeug ist rasch ausgepackt,
morgen beginnen wir mit dem Schürfen.
Kalifornien, wir schreiben den 28. Februar 2009!
*
* * * *
Feuerwalze
Wie jedes Jahr brennen auch heuer
im Sommer wieder die Wälder an Kaliforniens Küste. An 1000 Stellen
gleichzeitig, angefacht von den stürmischen Winden um diese Jahreszeit.
Ein paar entstehen durch Blitzschlag oder weggeworfene Zigaretten, die
meisten sind jedoch gelegt. Von der Mafia, die damit die
Grundstückspreise manipuliert. Dabei gehen millionenschwere Villen der
Filmstars, Politiker und Waffenschieber drauf, aber auch etliche arme
Teufel werden obdachlos. Kein Sender redet mehr davon, was an uralten
Bäumen, wichtigen Heilpflanzen und Tieren dabei draufgeht.
Und heuer isses ganz makaber. Die Feuer sind nicht mehr unter Kontrolle
zu bringen, die Winde drehen mehrfach, keiner weiß, wo zuerst zu
evakuieren wäre. Feuerwehren werden vom Feuer eingeschlossen, die
Löschflugzeuge und Hubschrauber können selten starten, Chaos bricht aus.
Und viele Einheimische und Touristen fliehen nur mit dem, was sie am
Leib haben, aufs offene Meer hinaus, als sie die Feuerwalze vom
Landesinneren vor sich hertreibt.
Und irgendwo reiben sich ein paar Familien und deren Paten insgeheim die
Hände – sie haben bei der Aktion Millionen eingestreift.
Jetzt ist die Zeit der Feuersbrünste vorbei, das Wetter hat
umgeschlagen, die Gewinne sind aufgeteilt und schon werden die Claims
für nächstes Jahr auf den Computerkarten abgesteckt.
* * * * *
Elvis' Armbanduhr
Elvis Presley
ist euch allen noch ein Begriff, da brauch ich nicht weiter ausholen.
Klar! Ihr kennt auch den Colonel? Ich meine Colonel Parker, den Manager
von Elvis nach seiner Zeit im Sun-Studio von Memphis. Er hat ihm auch
den Vertrag mit RCA gemacht und dann viele seichte Filme mit dem King
gedreht. Teilweise ohne Drehbuch, aber dafür mit mindestens sechs Songs
des King. Fixgage pro Streifen: eine Million Dollar.
Zu Colonel Parker noch ein Wort. Das war ein bunter Vogel, wie man heute
sagen würde. Wo er herkam, was er vorher so getrieben hatte, all das
wusste keiner so recht. Dafür blühten ein paar lustige Anekdoten von dem
Burschen – etwa die, dass er – bevor er Elvis unter seine Fittiche nahm
– auf Jahrmärken Kanarienvögel verkauft haben soll. Ist ja keine
Schande, etwas feilzubieten. Hmm? Nur in seinem Fall waren die
Kanarienvögel Spatzen, die der Colonel vorher heimlich gelb gestrichen
haben soll. Wenn’s nicht wahr ist, so isses zumindest gut erfunden.
Nicht erfunden ist jedoch dies: Bei den Dreharbeiten mit Elvis zu einem
dieser vielen seichten Filmen mit schönen Mädchen in knappen
Badeanzügen, viel Sand, Meer und schnellen Autos oder Bikes, entdeckt
der Colonel am Set, dass Elvis seine eigene Armbanduhr trägt. Und das
Handgelenk mit der Uhr kommt einmal sogar in Großaufnahme für eine
knappe Sekunde auf die Leinwand. Wieder und wieder schaut sich der
Colonel die paar Szenen im Schneideraum an. Dann springt er zum Telefon,
ruft den Uhrenhersteller an und presst ihm eine 6stellige Summe als
Werbekosten dafür ab. Und der Deal klappt einwandfrei.
Eines muss man dem Colonel lassen – geschäftstüchtig war er!
* * * * *
Der Rechnungszettel
Es tut sich
was – weltweit. Kann keiner leugnen. Die Preise explodieren, die
Wirtschaft schlittert in eine Krise, die Energiekosten haben sich schon
lang selbständig gemacht und die Politiker schauen mehr auf den eigenen
Sack als auf jene, die sie gewählt haben. Angst, Armut und Sorge um den
Arbeitsplatz – sofern man noch einen hat - greifen rasant um sich.
Altwerden, Kranksein, Aufmucken, Wünsche haben sind alles Dinge, die man
sich nicht mehr leisten kann.
Ein bezeichnendes Schlaglicht, wie weit die Verzweiflung schon um sich
gegriffen, sei hier aufgezeigt.
Auch ich muss mich schon zusehends mit kostengünstigen Lebensmitteln
eindecken. Gottlob gibt es Großmarktketten, wo man bei größeren Mengen
doch noch ein wenig Geld sparen kann. Ich nenne hier aus meiner Umgebung
nur drei, etwa Hofer, Lidl oder Penny. Alles klar?
Also dort kaufe ich die letzten Jahre schon ein, damit ich nicht ganz
unter die Armutsgrenze schlittere. Bei meinem letzten Einkauf vorige
Woche hat sich folgendes zugetragen.
Endlich habe ich alles Zeug beisammen, das günstige Wasser, die
Margarine, etwas Obst, 3 Pakete Tiefkühlgemüse usw. Auch eine Packung
WC-Papier.
An der Kassa verstaue ich alles im Einkaufswagen, bezahle und fahre
hinaus auf den Parkplatz zu meinem 12 Jahre alten 323er. Den
Rechnungszettel lasse ich wie immer achtlos an der Kasse liegen.
Das machen alle, oder doch fast alle. Keiner denkt sich was dabei. Nur
wenige alte Mutterln nehmen den Zettel mit, kramen ihre Brille raus und
vergleichen die Preise oder rechnen nach. Was weiß ich.
Also ich packe das Glump in den Kofferraum; als ich fast fertig bin,
stürzt eine Ausländerin auf mich zu, reißt meinen fast geleerten
Einkaufswagen an sich und schreit in irgend einer slawischen Sprache
nach Hilfe, der Polizei usw. Das Wagerl hält sie dabei fest umklammert.
Leute werden aufmerksam, aus dem Laden nähert sich die Geschäftsführerin
– sie kommt auf uns zu, fragt nach der Ursache der Aufregung.
Nach einiger Zeit stellt sich heraus, dass die etwas zerlumpt gekleidete
dunkelhäutige Ausländerin, die von mir soeben gekauften Waren als ihr
Eigentum einfordert. Ich bin sprachlos, die Geschäftsführerin
ahnungslos, so ruft sie die Polizei. Und schnell sind die Burschen mit
Blaulicht da, stellen sich vor mein Auto und springen heraus. Die
Geschäftsführerin erläutert den Beamten die Situation.
Der ältere der beiden Einsatzfahrer möchte wissen, wem nun wirklich die
gekauften Sachen gehören. Die Verkäuferin wird sich doch noch daran
erinnern, wer von uns beiden Wasser, Obst, Tiefkühlgemüse usw. soeben
eingekauft hat. Die alte Immigrantin oder ich, der Urwiener. Sie kann
nicht!
Da zieht die Alte mit dem Kopftuch doch tatsächlich aus einer ihrer
speckigen Rockfalten einen Rechnungszettel hervor und hält ihn zitternd
den Beamten hin. Die vergleichen kurz mit dem Inhalt meines Kofferraums,
dann lassen sie mich alles wieder ausräumen. Jede Erklärung meinerseits
ist zwecklos. Ich werde wie ein Dieb behandelt und bin vorläufig
festgenommen.
Hilfe! Holt
mich da raus! Ich bin doch unschuldig, verdammt noch mal!
* * * * *
Gefühlte Bürgernähe
Im vergangenen Winter steht
bei den Koalitionspartnern längst fest, dass sie nicht mehr miteinander
können, dass sie nur noch auf einen günstigen Zeitpunkt warten, um
Neuwahlen vom Zaun zu brechen.
Und dieser Winter, von dem ich hier rede, war gar nicht so schlimm –
wettermäßig. Nur der Wind lässt die null Grad wie minus 10 erscheinen.
Man spricht von gefühlten minus 10 Grad, die aber objektiv gar nicht so
schlimm sind. Diese Redeweise hat sich bei den TV-Sprechern in der
letzten Zeit so unmerklich eingeschlichen, dass es kaum noch jemandem
auffällt. Aber irgendwie komme ich mir blöd vor, wenn mir saukalt ist
und die mir einreden, dass ich mir das alles nur einbilde. Wenn die
Zehen steif und die Ohren hartrandig sind und bei jeder Berührung
schmerzen, dann ist mir nun mal saukalt. Basta!
Ich hab eh festgestellt, dass man den Wetterfritzen in letzter Zeit gar
nicht mehr über den Weg trauen kann. Sie künden ein polares Tief mit
grauenhaften Ausläufern an, die einen fühlbaren Wettersturz auslösen
werden. Und wenn nicht in der Nacht, dann spätestens morgen in der Früh.
Und wenn ich um neun mein Thermometer betrachte, dann ist es im
Vergleich zu gestern um kaum 2 Grad kühler geworden – gefühlte null Grad
Unterschied.
Aber lassen wir das Wetter, das in unseren Breiten ja gottlob noch immer
brav daherkommt – ohne Hurrikan, ohne Tsunami und ohne El Nino.
Aber schalten wir nun um zur
Politik. Unsere Volksvertreter haben sich das gleiche Prinzip wie die
Wetterfrösche zunutze gemacht. Aus den Medien wollen sie mir einreden,
dass wir eh noch alle genug Geld haben, dass es uns tadellos geht, dass
die Wirtschaft floriert, dass die Kosten zwar ein bisschen gestiegen
sind, der Ölpreis in Rotterdam, der Getreidepreis, weil daraus jetzt
eher Treibstoff gemacht wird, die Wurstpreise, weil die Kühe genauer
kontrolliert werden müssen und weil die Straßen ausgebaut und die Tunnel
doppelröhrig gebohrt werden müssen und weil ja die EU und die Immobilien
und die Bankenkrise usw. usw.
Aber in Wirklichkeit sind die Zahlen nicht erschreckend, die Daten
stimmen, die Gewinne der Konzerne steigen noch immer, wenn auch nicht
mehr so schnell, für die Problembetriebe werden im Ausland strategische
Partner gesucht und sicher auch gefunden und – die scheinbare
Wertminderung in unseren Geldbörsen, von der so viel geredet und
geschrieben wird, ist in Wirklichkeit nichts anderes als eine „gefühlte
Inflation“ – also keine echte! So wie die gefühlten minus 10 Grad im
Wetterbericht.
Freunde, da ist der Wurm drin! Die bescheißen uns! Die verkaufen uns für
blöd!
Was tun? In knapp drei Wochen stehen Neuwahlen an. Na prost!
* * * * *
Eigentlich schade
Jetzt komme ich aber wirklich langsam ins Grübeln;
hätte ich doch nun tatsächlich die beste Gelegenheit,
ein für allemal fern von zu Hause abzutreten – für immer.
Ein Schritt aus dem Fenster des vierten Stocks,
kopfüber auf den betonierten Fleck des kleinen Hofs.
Ein gekonnter Schlussstrich, ein Paukenschlag –
ein einfaches Grab am Montmartre-Friedhof.
Und dann treten die Grübler und die Tüftler auf den Plan:
Warum hat er das getan?
Er hatte doch alles! Es ging ihm doch so gut!
Irrtum, Freunde! Ich hatte gar nichts und es ging mir
jahrelang schon sauschlecht. Mit weit über sechzig
schleichen sich schon mal Fehler und herbe Aussetzer ein:
Die Augen, die Füße, der Rücken und jetzt noch das Herz!
Die Verdauung war ja schon von Haus aus im Eimer.
Dann kam vor einem Jahr oder so die Prostata dazu,
der Schwanz wurde auch immer kleiner – Ficken ade!
Das versetzt einem dann den Lucky Punch!
Ja, ja, dagegen gibt’s Pillen,
aber gegen was ich schon alles Pillen fress’,
da wär’s langsam an der Zeit,
mal Pillen gegen die Nebenwirkungen einzuwerfen.
Wird doch eh schon Zeit abzutreten,
Platz zu machen für die jungen Spritzer
in den engen Jeans und den sauberen,
taillierten Modehemden.
Die haben noch teilweise definierte
Bauchmuskeln,
das eigene Gebiss und stets einsatzfähige Vermehrungsorgane.
Und die sind erst ein bisschen angefault und riechen in Summe
noch frischer.
Die werden ihren Karren doch selbst in den Dreck ziehen können.
Dazu brauchen sie uns Alte doch nicht!
Also? Worauf warte ich dann noch?
Darauf, dass sich die verdammte Angst verzieht.
Solang mich die vom alles entscheidenden letzten Schritt abhält,
ist da nichts zu machen. Egal ob es in Wien, New York,
Amstetten oder Paris ist.
Die Zeit und ich, wir sind noch nicht soweit.
Eigentlich schade!
* * * * *
Thai-Paradies
Nirgends machen Europäer – und nicht nur diese – in den letzten
Jahrzehnten so gerne Urlaub wie in Asien; ich präzisiere in „Thailand“.
Jedes Kind kennt den Grund: tabuloser, williger Sex mit den Thaimädchen
und den zu solchen umoperierten Thaibuben. Na schön, wen das glücklich
macht – soll mir recht sein.
Nun wird mir vergangene Woche ein neuer Herd ins Haus geliefert – beim
alten schloss die Tür zum Backrohr nicht mehr richtig. Ein Gugelhupf
benötigte zwei Stunden in dem Ding und kam in seiner Form nicht mehr
hoch. Dann klebte das Zeug in den Ritzen usw. Aber ich schweife ab.
Der Kerl, der das neue Gerät in meiner Küche auch gleich anschließen
soll, erzählt mir von einem Thaimädchen, das sich sein verwitweter Vater
vor ein paar Jahren aus‘m Urlaub mit nach Hause gebracht hat. Zwei
kleine Kinder haben die beiden auch schon, mein Monteur somit zwei
kleine Halbgeschwister und eine Thai-Stiefmama, die kaum älter ist als
er selbst.
Der Herd ist inzwischen angeschlossen, der Knabe dreht an den Schaltern,
leises Summen, ein Ventilator dreht sich, die Kochfelder leuchten rot
auf. Man kann sie trotzdem angreifen ohne sich zu verbrennen.
Jaja, die Technik heutzutage hat’s in sich.
Und während er den Herd an die Wand schiebt, die Abdeckleiste wieder
anschraubt und sein Werkzeug langsam verstaut, erzählt er mir so
nebenbei, dass vor zwei Wochen sein Vater plötzlich verstorben ist, und
sich nun er die Thaifrau, seine Stiefmutter, unter den Nagel reißt – und
nicht nur unter diesen. Es klappt alles vorzüglich – und meine Rechnung
macht 612 Euro aus.
Ich geb ihm 650.
* * * * *
Verschrotten
2008 hat uns die von den USA kommende Bankenkrise ganz gehörig
durchgeschüttelt. Ursache war natürlich die Immobilienkrise, an der
wieder die viel zu leichtfertig vergebenen Kredite an die texanischen
und kalifornischen Häuselbauer schuld waren.
Dazu kamen die Grünen mit ihren tiefschwarz gemalten Klimawolken, die
uns schon meterhoch in den überbrodelnden Ozeanen versinken sehen. Die
Industrie und vor allem die Autos mit ihren Abgaswolken bringen die
Gletscher und die Polkappen im Zeitraffer zum Abschmelzen, alle
Großstädte an den Küsten versinken binnen kürzester Zeit im Meer. Und
was die Düsenflieger so aus ihren Triebwerken ablassen, ist der reinste
Klimamord und Totschlag.
Die Folgen sind klar: Die Kredite der Häuselbauer können nicht
zurückgezahlt werden, die Banken borgen sich Geld bei anderen Banken.
Denen geht es aber um keinen Deut besser – sie borgen keines mehr her.
Die Leute verschieben den Kauf eines Neuwagens von Jahr zu Jahr. Die
Zahl der alten Autos steigt, die Luftverschmutzung noch mehr. Die
Autoindustrie stagniert, schreibt seit Jahrzehnten das erste Mal
tiefrote Zahlen. Die Zulieferer schauen durch die Finger, ihre
Auftragsbücher bleiben leer. Entlassungen sind die Folge. Die
Arbeitslosigkeit steigt. Banken machen Pleite – rund um den Globus. Der
Ölpreis – schon bei 150 Dollar pro Barrel – verfällt drastisch.
Kein Arbeitsloser fliegt mehr auf Urlaub – Fluglinien gehen baden und
sind um einen Euro zu haben. Weltweit müssen die Regierungen nun im
Gleichschritt einspringen und die Wirtschaft gehörig stützen. Da das
Geld knapp wird, laufen zuerst einmal die Druckerpressen schneller. Die
Banken erhalten vom Staat Milliardengeschenke. Unvorstellbar große und
schwere Pakete werden rund um den Globus geschnürt, verteilt und sind
nach wenigen Tagen – oft sind es nur Stunden – verpufft.
Das Weihnachtgeschäft bricht ein, keiner will mehr so richtig gern
schenken. Wozu auch? Womit auch? Kein Geld – kein Konsum! So einfach ist
das. Die staatlichen Geschenke wandern nicht – wie gedacht – in die
Läden und kurbeln Industrie und Handel an, nein, das Geld wird sofort
gespart, wandert auf die hohe Kante und ist futsch!
Dann prescht Deutschland endlich einmal vor und erfindet die
Verschrottungsprämie. Richtig! Wer sein altes Auto verschrotten lässt,
soll königlich belohnt werden. Da er ja seine in die Jahre gekommene
Dreckschleuder demolieren lässt – das muss nachweislich geschehen und
schriftlich bestätigt werden – hilft er ja mit dem Kauf eines kleinen
Neuwagens doppelt die Krise zu bewältigen:
erstens senkt er damit die Abgasquote, denn die mit modernster
Technologie ausgestatteten Autos belasten die Umwelt nur mehr zu 10 bis
25 Prozent im Vergleich zu den Altvehikeln;
zweitens kann die nur mehr in Kurzzeit arbeitende Autoindustrie wieder
voll anfahren, wenn erst einmal die zu Millionen auf Halde stehenden
Neuwagen Käufer gefunden haben.
Nur über die Höhe der Verschrottungsprämie wird in der EU noch heftig
diskutiert. Bei uns in Österreich schwanken die Vorstellungen der
einzelnen Regierungsmitglieder zwischen 1000 und 2500 Euro. Das ist auf
jeden Fall ein Anreiz für Papa, jetzt endlich auf das jahrelang zurück
gestellte Neuauto umzusteigen – denkt Familie Österreicher.
Und irrt dabei kräftig!
Spezialisten haben nämlich folgende kleine Rechnung aufgestellt:
Der Staat gibt dem Neuwagenkäufer 2000 Euro. Nehmen wir mal an, die
Regierung einigt sich auf diesen Betrag. Aber wo nimmt denn die
Regierung diesen Betrag her? Von den Ministergehältern wird das wohl
kaum berappt werden, stimmt’s?
Aha, von den Steuergeldern natürlich. Und wer bezahlt die Steuergelder
denn? Na wir! Oha! Wir bezahlen uns also die Verschrottungsprämie
selber.
Wenn es nur so wäre! Weit gefehlt! Experten haben ausgerechnet, dass der
Staat sich bei jedem Autotausch „Altauto, verschrottet“ zu „neuer,
abgasfreundlicher Kleinwagen“ etwa 4000 Euro erspart. Das ist aber nun
wirklich die Höhe! Was uns als Prämie eingeredet wird, ist in
Wirklichkeit nichts anderes als eine handfeste Bestrafung.
So sieht es aus, mein liebes Volk der Autofahrer und Luftverpester! Und
dabei weiß man längst, dass etwa China in den nächsten zehn Jahren mehr
zur Luftverschmutzung beitragen wird, als der gesamte Westen in 50
Jahren würde einsparen können. Kein Scherz!
Windräder, Solarzellen und Wärmepumpen sind dagegen echtes
Kinderspielzeug – so leid es mir tut!
Und langsam wärmen die eingemotteten AKWs wieder auf!
* * * * *
Goldrausch
Sie hatten uns das Haus weggenommen
einfach unterm Arsch weggezogen
wegen so einer Kreditgeschichte.
Dazu die drei Brände in den letzten fünf Jahren
Der Ort lag genau auf einer Bruchlinie
typische Erdbebenzone.
Es rumpelte oft in der Nacht,
die Gläser klirrten im Wandschrank,
die Scheiben krachten in den Fensterrahmen,
manchmal fiel ein Bild von der Wand.
Und jetzt macht noch das Werk dicht – arbeitslos.
Alles total trostlos, so beschissen,
dass wir das ganze Zeug auf den Hänger laden
und uns des Nachts davon machen.
Nach Norden, 170 km bis Sacramento.
Unterwegs schließen sich uns an:
Verzweifelte, Verrückte, Verbrecher
und sonstige Verdammte.
Hunderte kommen jeden Tag am Fluss an,
stecken ihre Claims ab und beginnen
den harten, lehmfarbenen Boden zu durchwühlen.
Wir suchen alle verzweifelt nach Gold
an den Ufern des Sacramento-River.
Kaum einer erwischt ein Metallkorn,
kein einziger wird reich, etliche kommen im Wasser
oder in den Schächten um oder bekommen in der
Dunkelheit ein Messer rein.
Weltwirtschaftskrise, Goldrausch
Kalifornien, Frühjahr 2009
* * * * *
Key-Words
…US-Präsident / Taliban / Raketentest
Testphase / Teheran / Kinderhilfswerk
Werkspionage / Nokia / Kommunikationssatellit
Satellitenstart / Klimaerwärmung / Meeresspiegel
Spiegelteleskop / Polareis / Treibhauszukunft
Zukunftsperspektive / Stillstand / Meeresoberfläche
Oberflächenerosion / AUA / Frauentag
Tagliatelle / Innenstadt / Wüstenklima
Klimakatastrophe / Eisflächen / Golfstrom
Stromabschaltung / Gehaltsschema / Junglehrer
Lehrergewerkschaft / Innenpolitik / Kurswechsel
Wechselwähler / Industriestaaten / Straßenbau
Bauernprotest / Milchwirtschaft / Solarenergie
Energieverbrauch / Klimakollaps / Weltwirtschaft
Wirtschaftskrise / Kaugummi / Splittergruppen
Gruppensex / Roma / Gastarbeiterkinder
Kindergartenplätze / Postämter / Lehrergehalt
Gehaltskurve / Bibelstunde / Bankgeheimnis
Geheimnisträger / Pisa-Studie / Zugeständnisse
Geständnisse / Spitalskosten / Ärztekammer
Kammerumlage / Absicherungsmedizin / Dienstposten
Postenschacher / Politik / Rampenlicht
Lichtbogen / Lebensvielfalt / Mordprozess
Prozessrechner / Atomkraftwerk / Zusammenbruch
Bruchlinie / Holocaustleugner / Neuwahlen
Wahlversprechen / Hoffnungsträger / Barack Obama …
Diese Schlagzeilen oder halbfetten Überschriften entstammen einer
einzigen Wiener Tageszeitung im März 2009. (Der darauffolgende Tag war
noch viel schlimmer!)
* * * * *
Oligarski Travel 2009
Bei uns erreichen Konjunktur und Reiselust
ihren absoluten Nullpunkt, da tun sich für
reiche Russen ganz neue Urlaubsziele
mit dem besonderen Erlebniskick auf:
„Schiffe versenken“ lautet das Schlagwort.
Ein findiger Kreuzfahrtunternehmer bietet
dieser speziellen Klientel Urlaube mit
wirklich unvergleichlichem Erlebnisgehalt an.
Das von ihm gecharterte Kreuzfahrtschiff,
tuckert ganz langsam durch somalisches Gewässer
und wartet direkt darauf, von Piraten gekapert
zu werden. Zurzeit geschieht das im Monat
durchschnittlich zwanzig Mal in dieser Gegend.
Und das trotz alliierter Präsenz zu Luft und zu Wasser.
Jede Woche berichten Medien rund um den Globus
von gekaperten Schiffsbesatzungen und –ladungen,
die nach horrenden aber dennoch bezahlten
Lösegeldforderungen meist wieder
unbeschadet freigelassen werden.
Deutsche, Franzosen, Amis und andere sind machtlos.
Ganz anders der Russe. Seine Kreuzfahrtpassagiere
sind bestens ausgerüstet. Bevor das Schiff ablegt,
kann sich jeder Teilnehmer anhand einer Waffenliste
so richtig armieren. So kostet eine Maschinenpistole
des Typs AK-46 pro Tag und Person 9 Dollar. 100 Schuss
Munition dazu 15 Dollar. Ein Granatwerfer kostet 175
Dollar pro Tag, jede abgefeuerte Granate 70 Dollar.
Wer sich für ein MG entscheidet, berappt dafür jeden
Tag 475 Dollar.
Die Reise führt von Djibouti nach Mombasa und kostet
pro Tag knapp 6000 Dollar. Die Besatzung, die die Wache
während der Nacht übernimmt, besteht aus ehemaligen
Mitarbeitern russischer Sondereinsatzkommandos und
ist speziell für den Nahkampf ausgebildet.
Im Moment ist noch unklar, wie westliche
Reiseunternehmer auf dieses Spezialangebot
touristischer Piratenbekämpfung reagieren werden.
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