Umkehren verboten !

Leseproben aus meinem Buch des Jahres 2010

 

Die totale Überwachung

 

Westliche Parlamentarier verdienen im Allgemeinen nicht schlecht. Auf jeden Fall besser als Bauern, Lehrer, Priester und Krankenschwestern, wage ich zu behaupten. Daher mache ich mir über die finanzielle Situation unserer Abgeordneten, Minister und Kanzler wirklich keine Sorgen.

Aber ihr leibliches Wohl liegt mir seit kurzem doch sehr am Herzen. Lese ich doch in einer unserer Tageszeitungen, von einer massiven Bombendrohung, die unser Hohes Haus erreicht haben soll. Genau werden Zeit und Ort des Wahnsinns durchgegeben: Die Bombe befindet sich bereits im Innern, in einem der Sitzungssäle eben.

Danach erst einmal Aufatmen. So gesehen hat man alles im Griff, denn vor knapp einem Jahr wurde um horrende Summen – Steuergelder eben – im gesamten Hohen Haus ein extrem ausgeklügeltes Überwachungssystem mit 112 Kameras, vielen Monitoren und Aufzeichnungsgeräten installiert. Da die Tat noch keine 24 Stunden zurückliegt, müssen der oder die Täter unzählige Male schön scharf porträtiert auf den feuerfest gelagerten Bändern zu sehen sein. Keine Maus entkommt den sich überschneidenden Blickwinkeln der Kameras im Innern und Äußeren unseres Parlaments!

Die Gesichter werden jedoch gleich viel länger, als man die Bänder abspielen möchte. Sie sind komplett leer, zeigen nicht einmal ein Flimmern. Der Grund: Das Parlament hatte das Gesetz zum Einschalten der Anlage noch nicht verabschiedet. Seitdem ist die Anlage zwar installiert, aber noch keine einzige Minute gelaufen. Oha!

Und gerade richten wir die EM 2008 aus. Aber unterdessen haben wir alles bestens im Griff!

 

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Umkehren verboten



Rund 170 km nördlich liegt Sacramento.
Seit unser Präsident die tolle Rede hielt,
hält uns nichts mehr.
Wir sind mit unseren Nachbarn unterwegs,
die das gleiche Schicksal ereilt hat:
Das Haus gehört der Bank,
wir kriegen keinen Kredit mehr,
und den Job sind wir auch alle los.
Doch da oben soll es Gold geben,
genug für jeden, der fleißig ist.
Wir sind es, sind es leid, faul in der
Sonne zu liegen, Selbstgedrehte zu rauchen
und abends in den Bars rumzuhängen.
Die beiden kleinen Hänger sind mit Werkzeug
und mit dem Wichtigsten beladen,
so sind wir seit Tagen unterwegs.
Und wir sind nicht allein auf den Straßen.
Jeden Tag werden es mehr, jeden Tag
schließen sich unserem Zug etliche Familien an.

Endlich kommen wir bei Sutter’s Mill an.
Hier soll es sein, hier liegt unsere Zukunft
und gar nicht tief unter der sandigen Oberfläche.
Die Claims werden abgesteckt -
wir nehmen uns das steile Stück mit dem Bach
unsere Nachbarn sind ein paar hundert Meter
den Bach hinunter stehen geblieben.
So früh im Jahr ist der Boden noch hart,
nichts grünt – ist uns alles egal.
Das Werkzeug ist rasch ausgepackt,
morgen beginnen wir mit dem Schürfen.

Kalifornien, wir schreiben den 28. Februar 2009!
 

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Feuerwalze

 

Wie jedes Jahr brennen auch heuer im Sommer wieder die Wälder an Kaliforniens Küste. An 1000 Stellen gleichzeitig, angefacht von den stürmischen Winden um diese Jahreszeit.

Ein paar entstehen durch Blitzschlag oder weggeworfene Zigaretten, die meisten sind jedoch gelegt. Von der Mafia, die damit die Grundstückspreise manipuliert. Dabei gehen millionenschwere Villen der Filmstars, Politiker und Waffenschieber drauf, aber auch etliche arme Teufel werden obdachlos. Kein Sender redet mehr davon, was an uralten Bäumen, wichtigen Heilpflanzen und Tieren dabei draufgeht.

Und heuer isses ganz makaber. Die Feuer sind nicht mehr unter Kontrolle zu bringen, die Winde drehen mehrfach, keiner weiß, wo zuerst zu evakuieren wäre. Feuerwehren werden vom Feuer eingeschlossen, die Löschflugzeuge und Hubschrauber können selten starten, Chaos bricht aus.

Und viele Einheimische und Touristen fliehen nur mit dem, was sie am Leib haben, aufs offene Meer hinaus, als sie die Feuerwalze vom Landesinneren vor sich hertreibt.

Und irgendwo reiben sich ein paar Familien und deren Paten insgeheim die Hände – sie haben bei der Aktion Millionen eingestreift.

Jetzt ist die Zeit der Feuersbrünste vorbei, das Wetter hat umgeschlagen, die Gewinne sind aufgeteilt und schon werden die Claims für nächstes Jahr auf den Computerkarten abgesteckt.

 

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Elvis' Armbanduhr

 

Elvis Presley ist euch allen noch ein Begriff, da brauch ich nicht weiter ausholen. Klar! Ihr kennt auch den Colonel? Ich meine Colonel Parker, den Manager von Elvis nach seiner Zeit im Sun-Studio von Memphis. Er hat ihm auch den Vertrag mit RCA gemacht und dann viele seichte Filme mit dem King gedreht. Teilweise ohne Drehbuch, aber dafür mit mindestens sechs Songs des King. Fixgage pro Streifen: eine Million Dollar.

Zu Colonel Parker noch ein Wort. Das war ein bunter Vogel, wie man heute sagen würde. Wo er herkam, was er vorher so getrieben hatte, all das wusste keiner so recht. Dafür blühten ein paar lustige Anekdoten von dem Burschen – etwa die, dass er – bevor er Elvis unter seine Fittiche nahm – auf Jahrmärken Kanarienvögel verkauft haben soll. Ist ja keine Schande, etwas feilzubieten. Hmm? Nur in seinem Fall waren die Kanarienvögel Spatzen, die der Colonel vorher heimlich gelb gestrichen haben soll. Wenn’s nicht wahr ist, so isses zumindest gut erfunden.

Nicht erfunden ist jedoch dies: Bei den Dreharbeiten mit Elvis zu einem dieser vielen seichten Filmen mit schönen Mädchen in knappen Badeanzügen, viel Sand, Meer und schnellen Autos oder Bikes, entdeckt der Colonel am Set, dass Elvis seine eigene Armbanduhr trägt. Und das Handgelenk mit der Uhr kommt einmal sogar in Großaufnahme für eine knappe Sekunde auf die Leinwand. Wieder und wieder schaut sich der Colonel die paar Szenen im Schneideraum an. Dann springt er zum Telefon, ruft den Uhrenhersteller an und presst ihm eine 6stellige Summe als Werbekosten dafür ab. Und der Deal klappt einwandfrei.

Eines muss man dem Colonel lassen – geschäftstüchtig war er!

 

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Der Rechnungszettel

 

Es tut sich was – weltweit. Kann keiner leugnen. Die Preise explodieren, die Wirtschaft schlittert in eine Krise, die Energiekosten haben sich schon lang selbständig gemacht und die Politiker schauen mehr auf den eigenen Sack als auf jene, die sie gewählt haben. Angst, Armut und Sorge um den Arbeitsplatz – sofern man noch einen hat - greifen rasant um sich. Altwerden, Kranksein, Aufmucken, Wünsche haben sind alles Dinge, die man sich nicht mehr leisten kann.

Ein bezeichnendes Schlaglicht, wie weit die Verzweiflung schon um sich gegriffen, sei hier aufgezeigt.

Auch ich muss mich schon zusehends mit kostengünstigen Lebensmitteln eindecken. Gottlob gibt es Großmarktketten, wo man bei größeren Mengen doch noch ein wenig Geld sparen kann. Ich nenne hier aus meiner Umgebung nur drei, etwa Hofer, Lidl oder Penny. Alles klar?

Also dort kaufe ich die letzten Jahre schon ein, damit ich nicht ganz unter die Armutsgrenze schlittere. Bei meinem letzten Einkauf vorige Woche hat sich folgendes zugetragen.

Endlich habe ich alles Zeug beisammen, das günstige Wasser, die Margarine, etwas Obst, 3 Pakete Tiefkühlgemüse usw. Auch eine Packung WC-Papier.

An der Kassa verstaue ich alles im Einkaufswagen, bezahle und fahre hinaus auf den Parkplatz zu meinem 12 Jahre alten 323er. Den Rechnungszettel lasse ich wie immer achtlos an der Kasse liegen.

Das machen alle, oder doch fast alle. Keiner denkt sich was dabei. Nur wenige alte Mutterln nehmen den Zettel mit, kramen ihre Brille raus und vergleichen die Preise oder rechnen nach. Was weiß ich.

Also ich packe das Glump in den Kofferraum; als ich fast fertig bin, stürzt eine Ausländerin auf mich zu, reißt meinen fast geleerten Einkaufswagen an sich und schreit in irgend einer slawischen Sprache nach Hilfe, der Polizei usw. Das Wagerl hält sie dabei fest umklammert. Leute werden aufmerksam, aus dem Laden nähert sich die Geschäftsführerin – sie kommt auf uns zu, fragt nach der Ursache der Aufregung.

Nach einiger Zeit stellt sich heraus, dass die etwas zerlumpt gekleidete dunkelhäutige Ausländerin, die von mir soeben gekauften Waren als ihr Eigentum einfordert. Ich bin sprachlos, die Geschäftsführerin ahnungslos, so ruft sie die Polizei. Und schnell sind die Burschen mit Blaulicht da, stellen sich vor mein Auto und springen heraus. Die Geschäftsführerin erläutert den Beamten die Situation.

Der ältere der beiden Einsatzfahrer möchte wissen, wem nun wirklich die gekauften Sachen gehören. Die Verkäuferin wird sich doch noch daran erinnern, wer von uns beiden Wasser, Obst, Tiefkühlgemüse usw. soeben eingekauft hat. Die alte Immigrantin oder ich, der Urwiener. Sie kann nicht!

Da zieht die Alte mit dem Kopftuch doch tatsächlich aus einer ihrer speckigen Rockfalten einen Rechnungszettel hervor und hält ihn zitternd den Beamten hin. Die vergleichen kurz mit dem Inhalt meines Kofferraums, dann lassen sie mich alles wieder ausräumen. Jede Erklärung meinerseits ist zwecklos. Ich werde wie ein Dieb behandelt und bin vorläufig festgenommen.

Hilfe! Holt mich da raus! Ich bin doch unschuldig, verdammt noch mal!




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Gefühlte Bürgernähe

 

Im vergangenen Winter steht bei den Koalitionspartnern längst fest, dass sie nicht mehr miteinander können, dass sie nur noch auf einen günstigen Zeitpunkt warten, um Neuwahlen vom Zaun zu brechen.

Und dieser Winter, von dem ich hier rede, war gar nicht so schlimm – wettermäßig. Nur der Wind lässt die null Grad wie minus 10 erscheinen. Man spricht von gefühlten minus 10 Grad, die aber objektiv gar nicht so schlimm sind. Diese Redeweise hat sich bei den TV-Sprechern in der letzten Zeit so unmerklich eingeschlichen, dass es kaum noch jemandem auffällt. Aber irgendwie komme ich mir blöd vor, wenn mir saukalt ist und die mir einreden, dass ich mir das alles nur einbilde. Wenn die Zehen steif und die Ohren hartrandig sind und bei jeder Berührung schmerzen, dann ist mir nun mal saukalt. Basta!

Ich hab eh festgestellt, dass man den Wetterfritzen in letzter Zeit gar nicht mehr über den Weg trauen kann. Sie künden ein polares Tief mit grauenhaften Ausläufern an, die einen fühlbaren Wettersturz auslösen werden. Und wenn nicht in der Nacht, dann spätestens morgen in der Früh. Und wenn ich um neun mein Thermometer betrachte, dann ist es im Vergleich zu gestern um kaum 2 Grad kühler geworden – gefühlte null Grad Unterschied.

Aber lassen wir das Wetter, das in unseren Breiten ja gottlob noch immer brav daherkommt – ohne Hurrikan, ohne Tsunami und ohne El Nino.

Aber schalten wir nun um zur Politik. Unsere Volksvertreter haben sich das gleiche Prinzip wie die Wetterfrösche zunutze gemacht. Aus den Medien wollen sie mir einreden, dass wir eh noch alle genug Geld haben, dass es uns tadellos geht, dass die Wirtschaft floriert, dass die Kosten zwar ein bisschen gestiegen sind, der Ölpreis in Rotterdam, der Getreidepreis, weil daraus jetzt eher Treibstoff gemacht wird, die Wurstpreise, weil die Kühe genauer kontrolliert werden müssen und weil die Straßen ausgebaut und die Tunnel doppelröhrig gebohrt werden müssen und weil ja die EU und die Immobilien und die Bankenkrise usw. usw.

Aber in Wirklichkeit sind die Zahlen nicht erschreckend, die Daten stimmen, die Gewinne der Konzerne steigen noch immer, wenn auch nicht mehr so schnell, für die Problembetriebe werden im Ausland strategische Partner gesucht und sicher auch gefunden und – die scheinbare Wertminderung in unseren Geldbörsen, von der so viel geredet und geschrieben wird, ist in Wirklichkeit nichts anderes als eine „gefühlte Inflation“ – also keine echte! So wie die gefühlten minus 10 Grad im Wetterbericht.

Freunde, da ist der Wurm drin! Die bescheißen uns! Die verkaufen uns für blöd!

Was tun? In knapp drei Wochen stehen Neuwahlen an. Na prost!
 

 

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Eigentlich schade

Jetzt komme ich aber wirklich langsam ins Grübeln;
hätte ich doch nun tatsächlich die beste Gelegenheit,
ein für allemal fern von zu Hause abzutreten – für immer.

Ein Schritt aus dem Fenster des vierten Stocks,
kopfüber auf den betonierten Fleck des kleinen Hofs.

Ein gekonnter Schlussstrich, ein Paukenschlag –
ein einfaches Grab am Montmartre-Friedhof.

Und dann treten die Grübler und die Tüftler auf den Plan:
Warum hat er das getan?
Er hatte doch alles! Es ging ihm doch so gut!

Irrtum, Freunde! Ich hatte gar nichts und es ging mir
jahrelang schon sauschlecht. Mit weit über sechzig
schleichen sich schon mal Fehler und herbe Aussetzer ein:
Die Augen, die Füße, der Rücken und jetzt noch das Herz!
Die Verdauung war ja schon von Haus aus im Eimer.
Dann kam vor einem Jahr oder so die Prostata dazu,
der Schwanz wurde auch immer kleiner – Ficken ade!
Das versetzt einem dann den Lucky Punch!

Ja, ja, dagegen gibt’s Pillen,
aber gegen was ich schon alles Pillen fress’,
da wär’s langsam an der Zeit,
mal Pillen gegen die Nebenwirkungen einzuwerfen.

Wird doch eh schon Zeit abzutreten,
Platz zu machen für die jungen Spritzer
in den engen Jeans und den sauberen,
taillierten Modehemden.

Die haben noch teilweise definierte Bauchmuskeln,
das eigene Gebiss und stets einsatzfähige Vermehrungsorgane.
Und die sind erst ein bisschen angefault und riechen in Summe
noch frischer.
Die werden ihren Karren doch selbst in den Dreck ziehen können.
Dazu brauchen sie uns Alte doch nicht!

Also? Worauf warte ich dann noch?

Darauf, dass sich die verdammte Angst verzieht.
Solang mich die vom alles entscheidenden letzten Schritt abhält,
ist da nichts zu machen. Egal ob es in Wien, New York,
Amstetten oder Paris ist.

Die Zeit und ich, wir sind noch nicht soweit.

Eigentlich schade!

 



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Thai-Paradies

Nirgends machen Europäer – und nicht nur diese – in den letzten Jahrzehnten so gerne Urlaub wie in Asien; ich präzisiere in „Thailand“.

Jedes Kind kennt den Grund: tabuloser, williger Sex mit den Thaimädchen und den zu solchen umoperierten Thaibuben. Na schön, wen das glücklich macht – soll mir recht sein.

Nun wird mir vergangene Woche ein neuer Herd ins Haus geliefert – beim alten schloss die Tür zum Backrohr nicht mehr richtig. Ein Gugelhupf benötigte zwei Stunden in dem Ding und kam in seiner Form nicht mehr hoch. Dann klebte das Zeug in den Ritzen usw. Aber ich schweife ab.

Der Kerl, der das neue Gerät in meiner Küche auch gleich anschließen soll, erzählt mir von einem Thaimädchen, das sich sein verwitweter Vater vor ein paar Jahren aus‘m Urlaub mit nach Hause gebracht hat. Zwei kleine Kinder haben die beiden auch schon, mein Monteur somit zwei kleine Halbgeschwister und eine Thai-Stiefmama, die kaum älter ist als er selbst.

Der Herd ist inzwischen angeschlossen, der Knabe dreht an den Schaltern, leises Summen, ein Ventilator dreht sich, die Kochfelder leuchten rot auf. Man kann sie trotzdem angreifen ohne sich zu verbrennen.

Jaja, die Technik heutzutage hat’s in sich.

Und während er den Herd an die Wand schiebt, die Abdeckleiste wieder anschraubt und sein Werkzeug langsam verstaut, erzählt er mir so nebenbei, dass vor zwei Wochen sein Vater plötzlich verstorben ist, und sich nun er die Thaifrau, seine Stiefmutter, unter den Nagel reißt – und nicht nur unter diesen. Es klappt alles vorzüglich – und meine Rechnung macht 612 Euro aus.

Ich geb ihm 650.

 

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Verschrotten

2008 hat uns die von den USA kommende Bankenkrise ganz gehörig durchgeschüttelt. Ursache war natürlich die Immobilienkrise, an der wieder die viel zu leichtfertig vergebenen Kredite an die texanischen und kalifornischen Häuselbauer schuld waren.

Dazu kamen die Grünen mit ihren tiefschwarz gemalten Klimawolken, die uns schon meterhoch in den überbrodelnden Ozeanen versinken sehen. Die Industrie und vor allem die Autos mit ihren Abgaswolken bringen die Gletscher und die Polkappen im Zeitraffer zum Abschmelzen, alle Großstädte an den Küsten versinken binnen kürzester Zeit im Meer. Und was die Düsenflieger so aus ihren Triebwerken ablassen, ist der reinste Klimamord und Totschlag.

Die Folgen sind klar: Die Kredite der Häuselbauer können nicht zurückgezahlt werden, die Banken borgen sich Geld bei anderen Banken. Denen geht es aber um keinen Deut besser – sie borgen keines mehr her.

Die Leute verschieben den Kauf eines Neuwagens von Jahr zu Jahr. Die Zahl der alten Autos steigt, die Luftverschmutzung noch mehr. Die Autoindustrie stagniert, schreibt seit Jahrzehnten das erste Mal tiefrote Zahlen. Die Zulieferer schauen durch die Finger, ihre Auftragsbücher bleiben leer. Entlassungen sind die Folge. Die Arbeitslosigkeit steigt. Banken machen Pleite – rund um den Globus. Der Ölpreis – schon bei 150 Dollar pro Barrel – verfällt drastisch.

Kein Arbeitsloser fliegt mehr auf Urlaub – Fluglinien gehen baden und sind um einen Euro zu haben. Weltweit müssen die Regierungen nun im Gleichschritt einspringen und die Wirtschaft gehörig stützen. Da das Geld knapp wird, laufen zuerst einmal die Druckerpressen schneller. Die Banken erhalten vom Staat Milliardengeschenke. Unvorstellbar große und schwere Pakete werden rund um den Globus geschnürt, verteilt und sind nach wenigen Tagen – oft sind es nur Stunden – verpufft.

Das Weihnachtgeschäft bricht ein, keiner will mehr so richtig gern schenken. Wozu auch? Womit auch? Kein Geld – kein Konsum! So einfach ist das. Die staatlichen Geschenke wandern nicht – wie gedacht – in die Läden und kurbeln Industrie und Handel an, nein, das Geld wird sofort gespart, wandert auf die hohe Kante und ist futsch!

Dann prescht Deutschland endlich einmal vor und erfindet die Verschrottungsprämie. Richtig! Wer sein altes Auto verschrotten lässt, soll königlich belohnt werden. Da er ja seine in die Jahre gekommene Dreckschleuder demolieren lässt – das muss nachweislich geschehen und schriftlich bestätigt werden – hilft er ja mit dem Kauf eines kleinen Neuwagens doppelt die Krise zu bewältigen:

erstens senkt er damit die Abgasquote, denn die mit modernster Technologie ausgestatteten Autos belasten die Umwelt nur mehr zu 10 bis 25 Prozent im Vergleich zu den Altvehikeln;

zweitens kann die nur mehr in Kurzzeit arbeitende Autoindustrie wieder voll anfahren, wenn erst einmal die zu Millionen auf Halde stehenden Neuwagen Käufer gefunden haben.

Nur über die Höhe der Verschrottungsprämie wird in der EU noch heftig diskutiert. Bei uns in Österreich schwanken die Vorstellungen der einzelnen Regierungsmitglieder zwischen 1000 und 2500 Euro. Das ist auf jeden Fall ein Anreiz für Papa, jetzt endlich auf das jahrelang zurück gestellte Neuauto umzusteigen – denkt Familie Österreicher.
Und irrt dabei kräftig!

Spezialisten haben nämlich folgende kleine Rechnung aufgestellt:

Der Staat gibt dem Neuwagenkäufer 2000 Euro. Nehmen wir mal an, die Regierung einigt sich auf diesen Betrag. Aber wo nimmt denn die Regierung diesen Betrag her? Von den Ministergehältern wird das wohl kaum berappt werden, stimmt’s?

Aha, von den Steuergeldern natürlich. Und wer bezahlt die Steuergelder denn? Na wir! Oha! Wir bezahlen uns also die Verschrottungsprämie selber.

Wenn es nur so wäre! Weit gefehlt! Experten haben ausgerechnet, dass der Staat sich bei jedem Autotausch „Altauto, verschrottet“ zu „neuer, abgasfreundlicher Kleinwagen“ etwa 4000 Euro erspart. Das ist aber nun wirklich die Höhe! Was uns als Prämie eingeredet wird, ist in Wirklichkeit nichts anderes als eine handfeste Bestrafung.

So sieht es aus, mein liebes Volk der Autofahrer und Luftverpester! Und dabei weiß man längst, dass etwa China in den nächsten zehn Jahren mehr zur Luftverschmutzung beitragen wird, als der gesamte Westen in 50 Jahren würde einsparen können. Kein Scherz!

Windräder, Solarzellen und Wärmepumpen sind dagegen echtes Kinderspielzeug – so leid es mir tut!

Und langsam wärmen die eingemotteten AKWs wieder auf!

 

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Goldrausch

Sie hatten uns das Haus weggenommen
einfach unterm Arsch weggezogen
wegen so einer Kreditgeschichte.
Dazu die drei Brände in den letzten fünf Jahren
Der Ort lag genau auf einer Bruchlinie
typische Erdbebenzone.
Es rumpelte oft in der Nacht,
die Gläser klirrten im Wandschrank,
die Scheiben krachten in den Fensterrahmen,
manchmal fiel ein Bild von der Wand.
Und jetzt macht noch das Werk dicht – arbeitslos.

Alles total trostlos, so beschissen,
dass wir das ganze Zeug auf den Hänger laden
und uns des Nachts davon machen.
Nach Norden, 170 km bis Sacramento.
Unterwegs schließen sich uns an:
Verzweifelte, Verrückte, Verbrecher
und sonstige Verdammte.

Hunderte kommen jeden Tag am Fluss an,
stecken ihre Claims ab und beginnen
den harten, lehmfarbenen Boden zu durchwühlen.
Wir suchen alle verzweifelt nach Gold
an den Ufern des Sacramento-River.
Kaum einer erwischt ein Metallkorn,
kein einziger wird reich, etliche kommen im Wasser
oder in den Schächten um oder bekommen in der
Dunkelheit ein Messer rein.

Weltwirtschaftskrise, Goldrausch
Kalifornien, Frühjahr 2009

 

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Key-Words

…US-Präsident / Taliban / Raketentest
Testphase / Teheran / Kinderhilfswerk
Werkspionage / Nokia / Kommunikationssatellit
Satellitenstart / Klimaerwärmung / Meeresspiegel
Spiegelteleskop / Polareis / Treibhauszukunft
Zukunftsperspektive / Stillstand / Meeresoberfläche
Oberflächenerosion / AUA / Frauentag
Tagliatelle / Innenstadt / Wüstenklima
Klimakatastrophe / Eisflächen / Golfstrom
Stromabschaltung / Gehaltsschema / Junglehrer
Lehrergewerkschaft / Innenpolitik / Kurswechsel
Wechselwähler / Industriestaaten / Straßenbau
Bauernprotest / Milchwirtschaft / Solarenergie
Energieverbrauch / Klimakollaps / Weltwirtschaft
Wirtschaftskrise / Kaugummi / Splittergruppen
Gruppensex / Roma / Gastarbeiterkinder
Kindergartenplätze / Postämter / Lehrergehalt
Gehaltskurve / Bibelstunde / Bankgeheimnis
Geheimnisträger / Pisa-Studie / Zugeständnisse
Geständnisse / Spitalskosten / Ärztekammer
Kammerumlage / Absicherungsmedizin / Dienstposten
Postenschacher / Politik / Rampenlicht
Lichtbogen / Lebensvielfalt / Mordprozess
Prozessrechner / Atomkraftwerk / Zusammenbruch
Bruchlinie / Holocaustleugner / Neuwahlen
Wahlversprechen / Hoffnungsträger / Barack Obama …


Diese Schlagzeilen oder halbfetten Überschriften entstammen einer einzigen Wiener Tageszeitung im März 2009. (Der darauffolgende Tag war noch viel schlimmer!)
 

 

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Oligarski Travel 2009

Bei uns erreichen Konjunktur und Reiselust
ihren absoluten Nullpunkt, da tun sich für
reiche Russen ganz neue Urlaubsziele
mit dem besonderen Erlebniskick auf:
„Schiffe versenken“ lautet das Schlagwort.

Ein findiger Kreuzfahrtunternehmer bietet
dieser speziellen Klientel Urlaube mit
wirklich unvergleichlichem Erlebnisgehalt an.
Das von ihm gecharterte Kreuzfahrtschiff,
tuckert ganz langsam durch somalisches Gewässer
und wartet direkt darauf, von Piraten gekapert
zu werden. Zurzeit geschieht das im Monat
durchschnittlich zwanzig Mal in dieser Gegend.
Und das trotz alliierter Präsenz zu Luft und zu Wasser.
Jede Woche berichten Medien rund um den Globus
von gekaperten Schiffsbesatzungen und –ladungen,
die nach horrenden aber dennoch bezahlten
Lösegeldforderungen meist wieder
unbeschadet freigelassen werden.

Deutsche, Franzosen, Amis und andere sind machtlos.
Ganz anders der Russe. Seine Kreuzfahrtpassagiere
sind bestens ausgerüstet. Bevor das Schiff ablegt,
kann sich jeder Teilnehmer anhand einer Waffenliste
so richtig armieren. So kostet eine Maschinenpistole
des Typs AK-46 pro Tag und Person 9 Dollar. 100 Schuss
Munition dazu 15 Dollar. Ein Granatwerfer kostet 175
Dollar pro Tag, jede abgefeuerte Granate 70 Dollar.
Wer sich für ein MG entscheidet, berappt dafür jeden
Tag 475 Dollar.

Die Reise führt von Djibouti nach Mombasa und kostet
pro Tag knapp 6000 Dollar. Die Besatzung, die die Wache
während der Nacht übernimmt, besteht aus ehemaligen
Mitarbeitern russischer Sondereinsatzkommandos und
ist speziell für den Nahkampf ausgebildet.

Im Moment ist noch unklar, wie westliche
Reiseunternehmer auf dieses Spezialangebot
touristischer Piratenbekämpfung reagieren werden.

 

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